Eine Retrospektive, die ihresgleichen sucht
15.09.2007
Pro:
Weltklasse - Aufnahmen aus 5 Jahrzehnten
Kontra:
Eine wirklich komplette Streisand - Best of ist ein Ding der Unmöglichkeit
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Di84
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Vertrauende:1
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Einleitung: 5 offizielle Streisand-Kompilations gab es bereits, als 2002 dieses Glanzstück veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zu den Vorgängern war die Künstlerin selbst prominenter in der Zusammenstellung der Trackliste und des Artworks involviert und das merkt man eindeutig. Auf Füllmaterial oder gar Überflüssiges trifft man hier nämlich nicht, jeder der 40 Titel hat eine besondere Bedeutung - sei es nun kommerziell oder künstlerisch.
Zudem sind 2 CDs das Mindeste, was einer gebührlichen Best of-Scheibe Barbra Streisand's zusteht, immerhin gilt es über 40 Karrierejahre aufzuteilen. Und mit der "Ultimate collection" hat nun auch der unbewanderte Musikfan eine gelungene Übersicht über das Schaffen der charismatischen Sängerin aus Brooklyn. Die Songs sind chronologisch gereiht und umfassen eine Zeitspanne von 1962 bis 2001. Und so unterschiedlich die einzelnen Stücke auch klingen mögen, im Verlauf bleibt ein Faktor stets konstant - nämlich die geradezu einzigartige Präsenz dieser unverwechselbaren Stimme.
Die CDs: "A sleepin' bee" leitet den Reigen ein, eine hoffnungsvolle Ballade, die kristallklar gesungen wird und zum damaligen Night Club-Repertoire der damals fast gänzlich unbekannten Newcomerin gehörte. Das spannungsgeladene Cover vom folgenden "Cry me a river" repräsentiert die frühe Streisand hervorragend: dramatische Chansons, die wie kleine Theaterstücke angelegt wurden und nicht bloß gesungen sondern praktisch gelebt wurden. Dieses rohe Material markierte den kommerziellen Durchbruch und in den nächsten Jahren folgten viele ähnlich gelagerte Produktionen, etwa das fast schon hysterische "Lover, come back to me."
Als nächstes kommt man zum wohl wichtigsten Karrierepunkt der 60er Jahre: "Funny girl". Vier Titel der bahnbrechenden Musicalverfilmung, die Barbra einen Oscar bescherte, sind vertreten - "People", "Second hand rose", "My man" und "Don't rain on my parade". Diese 4 grundverschiedenen Aufnahmen stehen perfekt für den damals kometenhaften Aufstieg an die Spitze der Charts und blieben bis heute Favoriten der Fans und der Diva selbst. Doch trotz einiger Grammys und höchst erfolgreichen Alben war Barbra Streisand in den 60's keine Single-Künstlerin, lediglich "People" schaffte es immerhin auf #5 in den USA, die übrigen Songs floppten leider, auch der Klassiker "Happy days are here again" oder die stimmliche Bestleistung bei "On a clear day".
Mit dem rockigen "Stoney end" wurde dafür alles anders, und quasi das 2. Kapitel der ersten CD startet nun. Die Songs zielen ab jetzt eindeutig stärker auf die Hitparaden und weniger auf das eingefleischte Broadwaypublikum. Und mit dem Überhit "The way we were" war es dann geschafft: die zeitlose Ballade war ein #1-Hit und erreichte ein neues Publikum. Die weiteren 70er-Auswahlen schlugen stilistisch in eine ähnliche Kerbe - Popballaden, die auch für das Radio kompatibel waren und die Charts dominierten, so kam zB auch "My heart belongs to me" in die Top 10 während "Evergreen" und "You don't bring me flowers" jeweils für ein paar Wochen den 1. Platz belegten. CD 1 endet mit einem Duett, welches den Beginn des 3. Kapitels andeutet. "No more tears", eine Zusammenarbeit mit Donna Summer, bescherte Barbra einen weiteren #1-Hit und erreichte mit dem discolastigen Arrangement eine völlig neue Kundschaft - die reinen Popfans. Und mit dem nächsten Song sollte sie einen wahren Welthit erlangen...
Die zweite CD beginnt demnach mit "Woman in love", produziert von Barry Gibb. Für den Gros ist das zweifelsfrei die bekannteste Streisand-Nummer, stand der Song doch in über 25 Ländern an der Spitze der Charts, gemeinsam mit dem zugehörigen "Guilty"-Album. Der Erfolg war immens, doch der Anspruch in ihren Vorträgen litt darunter etwas, da sie ihre Stimme und Kreativität in den kommerziellen Stücken nicht immer völlig ausspielen konnte. 1983 war deshalb der Zeitpunkt eines weiteren Umbruchs, hier vor allem deutlich durch die beiden Titel aus dem Film "Yentl". "Papa can you hear me?" und "A piece of sky" lagen fernab jeglichen Charterfolges, sind dafür exzellent gesungen und zeigen Streisand wieder in ihrem ursprünglichen Element: den Broadway-Hymnen. Das gleichnamige "Broadway"-Album von '85 widmete sich Klassikern dieser Art und ist mit 4 Titeln äußerst prominent vertreten. Sowohl Kritiker als auch Fans jubelten bei zeitlosen Interpretationen von "Somewhere" oder "Send in the clowns" - der Höhepunkt der 80er Jahre war hier erreicht. Aus dieser Dekade ist anschließend nur noch "All I ask of you" vertreten, eine nette, wenn auch nicht weltbewegende Aufnahme.
Auch die 90er konnten da nicht mehr anknüpfen, selbst wenn '93 quasi eine Fortsetzung zum "Broadway"-Album veröffentlicht wurde. "Children will listen" und "As if we never said goodbye" daraus sind großartig gesungen aber bilden eher die Ausnahme, da der Rest des Jahrzehnts eher eine Flaute darstellte. Duette mit Bryan Adams und Céline Dion folgen, diese sind zwar nett, doch relativ belanglos - ebenso "I've dreamed of you" von '99. Die regulären Aufnahmen enden hier und der Bonus-Teil der zweiten CD beginnt. 2001 wurde "Someday my prince will come" aus "Schneewittchen" aufgenommen; eine beschauliche Ballade. Doch das richtige Extra folgt jetzt: nämlich "You'll never walk alone". Die legendäre Hymne, die von einem Gospelchor begleitet wird, zeigt Streisand bei superber Stimme, und das in einem Alter von damals knapp 60 Jahren. Der Vortrag ist ein absolutes Highlight und ein grandioser Abschluss der Doppel-CD.
Fazit: Natürlich ist auch diese Zusammenstellung nicht ohne Fehler oder Flauten. Fans könnten etwa die progressiveren Aufnahmen (vor allem aus den 70's!) vermissen, wo die Streisand zB mit Klassik, Reggae, Softrock oder Dancepop experimentierte. Alben wie "Barbra Joan Streisand", "Butterfly", "Emotion" oder "Lazy afternoon" sind kaum bis gar nicht vertreten was schade ist, zeigen diese Platten doch hochinteressante Facetten auf, ganz im Gegensatz zu der landläufigen Meinung einer "balladesken Schmalzsängerin" für ein älteres Publikum.
Auch das schöne Duett mit Barry Gibb "What kind of fool", das immerhin auf #10 in Amerika stand, wurde leider ignoriert zugunsten des - meiner Meinung nach - schwächeren "Guilty". Da man Streisand's Katalog aber ohnehin nur sehr schwer in 40 Titeln unterbringen kann, ist darüber hinwegzusehen. Die großen Klassiker und Erfolge sind zweifelsfrei alle hier zu finden und decken alle wichtigen Gebiete ab. Für einen unbedarften Hörer also die optimale Sammlung der bis heute erfolgreichsten Sängerin der USA.
Abschließend noch die Songübersicht mit den zugehörigen Jahren der Erstveröffentlichung bzw. dem Erscheinungstermin des Albums mit dem jeweiligen Titel darauf:
CD 1:
1. A sleepin' bee (1962) 2. Cry me a river (1963) 3. I stayed too long at the fair (1963) 4. Lover, come back to me (1962) 5. People (1964) 6. My man (1965) 7. Second hand rose (1965) 8. He touched me (1965) 9. Don't rain on my parade (1968) 10. Happy days are here again (live from Central Park, 1968) 11. On a clear day (1970) 12. Stoney end (1971) 13. Since I fell for you (1971) 14. What are you doing the rest of your life? (1972) 15. The way we were (1973) 16. All in love is fair (1974) 17. Lazy afternoon (1975) 18. Evergreen (1976) 19. My heart belongs to me (1977) 20. You don't bring me flowers (& Neil Diamond, 1978) 21. The main event/Fight (1979) 22. No more tears (& Donna Summer, 1979) CD 2:
1. Woman in love (1980) 2. Guilty (& Barry Gibb, 1980) 3. Comin' in and out of your life (1981) 4. Memory (1982) 5. Papa, can you hear me? (1983) 6. A piece of sky (1983) 7. Putting it together (1985) 8. Not while I'm around (1985) 9. Send in the clowns (1985) 10. Somewhere (1985) 11. All I ask of you (1988) 12. Children will listen (1993) 13. As if we never said goodbye (1993) 14. I finally found someone (& Bryan Adams, 1996) 15. Tell him (& Céline Dion, 1997) 16. I've dreamed of you (1999) 17. Someday my prince will come (2001) 18. You'll never walk alone (2001)
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15.09.2007 18:03
@Alu: Freut mich wirklich :)
15.09.2007 16:55
Diese CD machte mich zum Fan. Und ohne dich hätte ich nie die Musik von Babs kennengelernt. dani
15.09.2007 15:51
schön und informativ geschrieben..lg katrin