Stones From The Sky
09.09.2005
Pro:
Neu
Kontra:
Rosis
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 hlemmur
Über sich:
Mitglied seit:06.07.2003
Erfahrungsberichte:151
Vertrauende:28
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 98 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vergangenes (1992-1999): Ein Sturm. Voll Wut, Aggression. Eine Feuersbrunst begräbt die schleichende Evolution unter sich. Als ob die Sonne auf die Erde gekommen wäre. Ein Wald. Etwas irrt umher. Hähne picken sich die Augen aus. Der Sturm weht es hinfort. Den Wald, das Etwas, den Rest. Aus der Asche steigt die Schönheit der Stille. Frischer Duft, der Start. Doch die Mächte des Zorns sind stärker. Sie lassen es nicht zu. Nichts wird wieder sein, wie es war. Es gibt keine Chance. Und es gibt wenig Hoffnung. Der Wind hat sie zu sich genommen. Seine Böen geben sich keine Blöße. Immer noch. Es gibt nichts, was sich winden könnte. Ein weiteres Zuhause gehört der Vergangenheit an. Trümmer bleiben Trümmer. Gegenwärtiges (1999-2005): Und doch hat sich ein Grashalm versteckt. Vor dem Feuer. Vor dem Sturm. Vor der Asche. Vor dem Untergang. Es gab ihn schon immer. Wahrscheinlich wird es ihn auch immer geben. Er hat sich prächtig entwickelt. Er hatte Zeit zu gedeien. Klugheit - kein Krieg, das Bündnis. Die Co-Existenz mit der Zerstörung. Das Paradoxe - Grün in Grau. Grau in Grün. Der Grashalm hat sich in das Auge des Sturmes gerettet. Der Sturm tobt, der Halm auch. Die Struktur wird immer klarer: Das Eine ist auf das Andere angewiesen. Ohne Grün kein Grau. Ohne das Schöne gibt es nichts hässliches. Und Kontraste schmerzen zuverlässig in hohen Dosen. Die Sonne ist Dauergast. Man braucht sie. Doch sie bringt den Tod. Auch sie ist Teil des Bündnisses. Und doch besteht alles nebeneinander. Die Wüste ist immer noch eine. Die Trockenheit ödet vor sich hin. Der Tropfen auf dem heißen Stein ist allenfalls Einbildung. Verloren hat man nichts - nur gewonnen. Mehr als man sich ausrechnen konnte. Und deshalb ist die Gegenwart das Schönste, was es gibt.
Zukünftiges: Der Kampf zwischen Gut und Böse. Es ist der älteste der Welt. Und er wird es auch immer bleiben. Die Frage ist nur, was überwiegen wird. Wird das Gute gewinnen? Wird das Böse Teil davon sein? Schwierig. Schließlich ist bei Neurosis auch das Gute irgendwie Böse. "The Eye Of Every Storm" ist die Gegenwart. Und setzt die Linie des grandiosen Vorgänger "A Sun That Never Sets" konsequent fort. Das zweite Album seit der "Wiedergeburt". Die Wut und Aggression von früher, die Soundwand, die einen erdrückte, ist einem melancholischen, verzweifeltem Gewand gewichen, dass der Band aus Kalifornien genauso gut wie ihre Vergangenheit steht. Und es war auch nötig. Schließlich haben Neurosis genug gewütet. Zumindest genug, um Gefahr zu laufen, sich zu wiederholen.
Eine Soundwand sind Neurosis immer noch. Nur dezenter, unaufdringlicher, ruhiger. Das ist allerdings kein Hindernis, um manchmal auch mit voller Wucht loszuschlagen. Nur werden eben andere Emotionen als früher frei. Doch nach wie vor sind es die Emotionen, die jedes Neurosis-Album voranbringen. Auch die beiden Sänger Steve Von Till und vor allem Scott Kelly haben sie weiterentwickelt. Anstatt wie früher ihre Message so laut wie möglich dem Wall der Klänge entgegenzubrüllen, haben sie gelernt wirklich zu singen. So gut, dass sie inzwischen auch den Mut haben gegen die Stille anzusingen. "The Eye Of Every Storm" bringt es trotz der acht Lieder auf rund 70 Minuten Spielzeit. Das ist viel - aber kaum zuviel. Lediglich das Instrumental "Shelter" ist unnötig. Es stört zwar nicht direkt den Fluss, trägt allerdings auch nichts zum Gelingen des Albums bei. Trotzdem wertiger als das unnötige Intro und Interludium beim Vorgänger. Doch "Shelter" hat auch seine Funktion: Es teilt das Album. Während die ersten vier Songs, "Burn", "No River To Take Me Home", "The Eye Of Every Storm" und "Left To Wander", so gnadenlos schnell ins Ohr gehen, dass es für Neurosis-Verhältnisse beängstigend ist, muss man um die letzten drei Songs, "A Season In The Sky", "Bridges" und "I Can See You" kämpfen. Ihre Klasse versteckt sich in der Finesse, die man erst entdecken muss. Ein qualitativer Abfall ist das trotzdem nicht. Selbst wenn man sich wohl eher an die ersten vier Stücke erinnern wird. Und vor allem an den 12 Minuten langen Titeltrack. Ein Meisterwerk. Die wunderschönste Depression, die man sich vorstellen kann. Pure Schönheit aus packender Traurigkeit. Raffinierte und lebensspendende Selbstmordmusik. Kein Widerspruch. Es ist vielmehr die Therapie in sich. Zu Herzen genommen haben sich Neurosis auf folgende Regel: Das Beste kommt immer zu Schluss. "Bridges", "No River To Take Me Home", "I Can See You" und "Burn" winden sich gegen Ende in fast schon unerträglicher Schönheit. Fröhliche Musik für depressive Menschen.
Alle Leute, die dem Extremen hinterher trauern, sei gesagt: Extrem sind Neurosis immer noch. Extrem tief, extrem berührend, extrem klug und vor allem: Extrem gut. --------------------------------------------------------------------------------------
NEUROSIS - The Eye Of Every Storm (Relapse Records, 2004) 01. Burn 02. No River To Take Me Home 03. The Eye Of Every Storm 04. Left To Wander 05. Shelter 06. A Season In The Sky 07. Bridges 08. I Can See You
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26.09.2007 02:14
soso, 2 jahre später kann ich mitreden :D jedenfalls kommt sie hier ja weit besser weg, als in deiner letzten mail, da klang es ja fast verächtlich, wie du mit den neueren post-'99 sachen umgegangen bist :/ aber dazu dann in der nächsten mehl mehr. feinster text nach wie vor. :)
23.09.2006 11:10
selten das ich mal nen bericht zu ende lese , dies hier war so einer
09.03.2006 12:25
Klasse Bericht! LG