What the fu** is a Lady Gaga?
14.06.2010
Pro:
Ohrwurmlastige Pop - Musik, gute Texte, imposante Stimme,
Kontra:
nichts,
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 atrachte
Über sich:
...
Mitglied seit:09.04.2004
Erfahrungsberichte:806
Vertrauende:114
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 173 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hätten wir nicht unsere werten Freunde von der britischen Insel, dann würde es Anno 2010 wohl ziemlich schlecht um die Pop-Musik stehen. Denn sieht man mal von den diversen Chart Tümmlern und Modepüppchen ab, denen nicht einmal auf Albumlänge auch nur eine halbwegs handfeste Aussage über die Lippen kommt, dann gibt es nicht allzu viel, was das Genre dieser Tage wirklich zu bieten hat. Und so scheint der einzige Hoffnungsschimmer lediglich noch über Großbritannien zu leuchten, bringt das Mutterland des Pop doch mit seiner aktuellen Welle, vor allem an, Sängerinnen (Ellie Goulding, Rox, Florence and the Machine) doch den nötigen Schwung ins Genre, den man schon seit einigen Jahre vermisst. Vor allem eine Dame fällt in der talentierten Masse an Sängerinnen, welche sich allesamt dem Schubladensystem verweigern, verschiedene Richtungen miteinander kreuzen und dabei sehr abwechslungsreiche Kost kreieren, auf: Marina Diamandis. Hört man die unter den Künstlernamen Marina and the Diamonds agierende Sängerin (und das haben durch ihre Hitsingle „Hollywood“ sicherlich schon einige getan), dann könnte man sich Anfangs regelrecht erschlagen fühlen von diesem stimmlichen Donnerwall, der da aus dem zierlichen Mädchen mit seinen großen Rehaugen tönt. Nicht nur klingt die 24-jährige Waliserin mit griechischen Wurzeln mit ihrer voluminösen und ungemein kraftvollen Stimme so, als wäre sie mindestens doppelt so alt als es auf ihrer Geburtsurkunde vermerkt ist, auch spielt sie stets mit extremen Höhen und extremen Tiefen, performt diverse Passagen im Sprechgesang und wechselt zwischen Momenten der absoluten Theatralik und Momenten des seichten Pop Kitsches hin und her. Und das alles in einem Song. Den ein oder anderen Kritiker hat das bereits zur Verzweiflung gebracht. Dass das ganze nicht schlecht klingt, konnte jedoch keiner abstreiten. Nicht umsonst hat die gute in der diesjährigen Liste der BBC Sound of den zweiten Rang als vielversprechendste Newcomerin für sich entschieden. Nach mehrmaligen durchhören ihrer ersten LP „The Family Jewels“ hat sie den geneigten Hörer gar soweit, das man ihr leicht verliebt die Krone aufsetzen will.
Denn Marina jagt mit ihrer Debütscheibe nicht nur wie ein regelrechter Tornado durch die Gehörgänge des CD-Käufers und lässt den ganzen angesammelten Pop Dreck der letzten Jahre in Trümmern hinter sich, auch schafft sie es trotz ihrer ungewöhnlichen Art zu singen und ihren auf den ersten Blick vollkommen abseits jeglichen Ohrwurmqualitäten befindlichen Nummern eine solch nachhaltig Spuren hinterlassende Musik zu machen, wie das schon lange nicht mehr der Fall war. Da macht es keinen Unterschied ob sie uns im Opener „Are You Satisfied?“ mit Piano Stakkatos überfällt und introvertiert feststellt, das sie einem gewöhnlichen Leben nichts abgewinnen kann, sie in „Mowgli's Road“ fast schon hypnotische Synthieteppiche ausbreitet und dabei quirlige „Cuckoo“ Laute von sich gibt oder sich in „Girls“ vom Tussi Dasein distanziert, während flotte Keyboardklimpereien im Hintergründe für mächtigen Druck sorgen. „You've been acting awful tough lately Smoking a lot of cigarettes lately But inside, you're just a little baby I t's okay to say you've got a weak spot You don't always have to be on top Better to be hated than love, love, loved for what you're not“ - I Am Not A Robot -
Erstaunlich ist dabei die Tatsache, das obwohl Marina das Motto „Weniger ist mehr“ mit den Füßen tritt und sowohl mit den verwendeten Instrumenten, als auch mit ihrer stimmlichen Präsenz sämtliche Repertoires leer fegt, man keinen einzigen Song auf „The Family Jewels“ findet, der nicht im Handumdrehen zum Ohrwurm mutiert. Das exzellente Beispiel für diese Behauptung ist natürlich ihr smash-hit „Hollywood“, welches mit seinen wuchtigen Drums und den dicken Pianoloops, sowie dem ungemein charmanten Sprechgesangspart in der zweiten Strophe, um die Ecke kommt und die Gedanken lange Zeit nicht mehr in Ruhe lässt. Und selbst den Wunsch, das Pop-Musik doch bitte auch eine Botschaft enthalten soll, erfüllt Marina, egal ob sie sich nun mit ihrer eigenen Obsession mit dem oberflächlichen Szene-Lifestyle auseinandersetzt (erwähntes „Hollywood“), ihre Befürchtung zum Ausdruck bringt, etwas zu werden, das sie eigentlich nicht sein will („Oh No!“) oder über eine angeknackste Beziehung reminisziert („Obessions“). Eindrucksvollstes Stück dürfte aber zweifellos das vergleichsweise fast spärlich instrumentalisierte „I Am Not A Robot“ sein, eine Nummer über das Menschsein und den damit unweigerlich verbundenen Fehlern unserer Spezies. Auch Dank Marina and the Diamonds macht Pop Anno 2010 also wieder richtig Spaß und schämen muss man sich dafür auch nicht mehr. Denn mit ihren Debüt liefert die hübsche Waliserin den Beweis ab, das man ungewöhnlich sein und auf den ersten Blick schwer zugänglich wirken und trotzdem einen Ohrwurm nach den anderen abliefern kann, in rhythmische Pop-Melodien auch Themen wie Feminismus, Medien- und Konsumkritik unterbringen kann und dabei trotzdem keine Spur gezwungen wirkt. Somit dürfte man es mit einer sehr heißen Anwärterin auf den blutig umkämpften Pop-Thron zu tun haben. Denn eine Eintagsfliege, das ist Marina Diamandis sicherlich nicht.
Tracklist: 01. Are You Satisfied? 02. Shampain 03. I Am Not A Robot 04. Girls 05. Mowgli's Road 06. Obsessions 07. Hollywood 08. The Outsider 09. Hermit The Frog 10. Oh No! 11. Rootless 12. Numb 13. Guilty Anspieltipps: I Am Not a Robot Are You Satisfied? Obsessions Hollywood Oh No!
8,5/10
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27.07.2010 16:44
Höre ich heute das erstemal von.....
07.07.2010 17:21
Interessant, kenne ich noch gar nicht... lg
01.07.2010 19:47
Hab die CD nicht, kenne aber die Lieder von youtube alle. Hollywood ist schon ein Ohrwurm.