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The Gathering Wilderness (Maxi-CD) - Primordial

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Gods To The Godless

4  01.09.2005

Pro:
Das Cover .

Kontra:
Revoc Sad .

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Details:

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Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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hlemmur

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Erfahrungsberichte:151

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 91 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mit Primordial ist das so eine Sache. Viele Bekannte, deren Musikgeschmack ich sehr schätze, lieben Primordial, während ich immer etwas Mühe mit der Band aus Irland (Dublin) hatte. So oft mir die Iren auch ans Herz gelegt wurden: Ich habe die Magie, die die Band scheinbar umgibt, nie nachvollziehen können. Trotz Hartnäckigkeit. Aufgrund des Bewusstseins, dass mir die Band eigentlich gefallen müsste.

Die letzten zwei Alben "Spirit The Earth Aflame" und "Storm Before Calm" wanderten beide in meinen Besitz. Weil ich endlich verstehen wollte, was an Primordial so besonders ist. Und ich fand rein gar nichts. "Spirit The Earth Aflame" war mit seinen 70 Minuten Spielzeit so erdrückend wie langweilig. Stinklangweilig. Unzwingend. Um nicht zu sagen: Schlecht. Schwach produziert. Schlechter Gesang. "Storm Before Calm" war ein wenig anhörbarer, aber viel zu komisch Black Metal-lastig, um mich wirklich begeistern zu können. Im Prinzip immer noch das gleiche Manko wie beim Vorgänger.

Primordial gelten als Band, die Folk-, Pagan- und Black Metal-Einflüsse zu einem intensiven, atmosphärischen Gebräu kombinieren. Als die inoffiziellen Erben von Bathory. Da ich zwar Irish Folk mag, so was aber nur ungern mit Metal kombiniert höre und mich Pagan sowie Black Metal mal am Allerwertesten können, erledigte sich das Kapitel Primordial für mich…

…bis im Februar 2005 "The Gathering Wilderness", das fünfte Album der Iren, auf den Markt kam. Wieder dieses Kribbeln und wieder die ganzen Empfehlungen ("Ey, alter! Die neue Primordial, Alter!") - bis mein Willen gebrochen war. Und siehe da: Die Band hat auf mich gehört (ähm) und ein Album geschrieben, dass die wenigen Elemente, die mir bei Primordial schon immer gefallen haben, geschickt zusammenfügt. "The Gathering Wilderness" ist eine intensive, atmosphärische und schöne Platte geworden. Die Annährung zwischen Primordial und mir geglückt. Herzlichen Glückwunsch.

Soundtechnisch hatte die Band schon immer Probleme. Und auch diesmal ist der Sound nicht das, was man unter einer druckvollen, klaren Produktion versteht. Doch das will die Band gar nicht. Nur diesmal saß mit Billy Anderson (Neurosis, Eyehategod, Crisis, Cathedral, Unsane, Sick Of It All, Melvins, uvm.) ein Mann hinter den Reglern, der weiß, wie eine gewollt verwaschene Produktion zu klingen hat. Sprich: Der Sound ist gut nicht gut. Und passt somit perfekt zu den Klagegesängen von Primordial.

Primordial klagen ohne zu jammern. Die Grundstimmung der Musik ist abgrundtief melancholisch, traurig, leicht depressiv - aber die Band suhlt sich nicht in Selbstmitleid. Die Band beschreibt das Leiden. Ohne sich zu beschweren. Das manifestiert sich in wunderbaren Songs wie dem Albumhighlight "The Coffin Ships". In zehn Minuten erzeugen Primordial eine Gänsehaut nach der anderen. Der Song ist im Fluss und entzieht jeder stilistischen Beschreibung. Ja, es ist Metal und ja, man kann auch ohne Keyboards unglaublich atmosphärisch sein. Der Song ist episch, elegisch, trotzdem nicht übertrieben bombastisch, aber wunderschön. Vor allem der Gesang von A.A. Nemtheanga gefällt mir hier besonders. Und das obwohl er für mich früher ganz klar einer der Schwachpunkte war. Nemtheanga singt inzwischen hauptsächlich clean - Black Metal-Gekeife oder Gegrunze findet sich auf "The Gathering Wilderness" zum Glück kaum noch bis gar nicht. Ganz dezent hat sich bei "The Coffin Ships", der Song handelt von der irischen Hungersnot im 19. Jahrhundert, eine Violine eingeschlichen. Trotzdem erinnert hier trotz stilistischer Ähnlichkeiten nichts an My Dying Bride. Viel mehr schleichen sich hier die späten Neurosis ein. Aber ebenfalls so unhörbar, dass man Primordial schlichtweg ihrer ureigene Identität zugestehen muss. Das habe ich der Band auch immer zu Gute gehalten - auch wenn sie mir deshalb noch lange nicht gefallen hat.

Doch "The Coffin Ships" ist nicht das einzige Kleinod auf "The Gathering Wilderness". Der Titeltrack, sowie "End Of All Times (Martyrs Fire)" gefallen mir ebenfalls außerordentlich gut. Weil sie die nötige Tiefe haben, die "The Gathering Wilderness" trotz aller Homogenität teilweise fehlt. Leider. Aber man kann nicht alles haben. Und schöne Parts gibt es trotzdem genug: Bei "Tragedy´s Birth" sind es die Gitarrenharmonien, die einen zur euphorischen Raserei bringen können.

Die Songaufbauten von Primordial sind natürlich ebenfalls eigen: Es gibt keine Refrains in dem Sinne, selten wiederholen sich Parts und trotzdem haben die Songs eine logische Struktur. Das ist nicht einfach, zeigt aber, dass die Band als Songschreiber wirklich Talent hat. Alles macht Sinn. Und das ist bei den Spielzeiten kein Leichtes. Trotzdem haben sich erstaunlich wenige Längen eingeschlichen. Weil das Album aus einem Guss ist. Es fließt. Immer und immer weiter. Biegungen, Krümmungen - doch der Lauf wird nicht gestört.

Schön auch, dass alles, was Primordial an Ideen in ihre Lieder stecken, kunstvoll reserviert wirkt. Nichts ist aufdringlich. Die Folk-Elemente sind vorhanden, aber sie springen dich nicht an. Sie ergänzen den Soundteppich, aber sie dominieren ihn nicht. Zu keiner Zeit. Das macht Primordial unter anderem so massenuntauglich. Primordial brauchen Zeit oder, wie in meinem Fall, das richtige Album. Bleibt zu hoffen, dass Primordial mit dem Nachfolger an den Vorgänger anknüpfen können, oder ob meine Freundschaft mit Primordial nicht allzu lange anhalten wird.

Eines ist klar: Wer auf dunklen Metal steht und bisher den Namen der Band noch nicht kannte, sollte das so schnell wie möglich ändern. Auch wenn sich reinhören bei einem solchen Koloss als schwierig erweisen mag, so sollte man doch auf Anhieb das Potential erkennen, das "The Gathering Wilderness" bei sich selbst auslösen kann.

Monumental.

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PRIMORDIAL - The Gathering Wilderness
(Metal Blade, 2005)

1. The Golden Spiral (8:03)
2. The Gathering Wilderness (9:13)
3. The Song Of The Tomb (7:56)
4. End Of All Times (Martyrs Fire) (7:42)
5. The Coffin Ships (9:58)
6. Tragedy's Birth (8:31)
7. Cities Carved In Stone (8:09)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
stativision

stativision

01.10.2005 16:23

achja. da haben sie dich doch noch erwischt. kontest du mit "journey's end" auch nix anfangen? das hätte ich nämlich am ehesten als du-kompatibel angesehen (natürlich auch keine tolle produktion, aber auch da passend). halte die hier auf jeden fall für eine der zwei besten primordial.

Das_Ky

Das_Ky

28.09.2005 09:48

Es gibt so ein total geniales Lied von denen, das eigentlich jeder liebt, mir ist nur grad der Titel entfallen, schade. Liefer ich vielleicht noch nach, wenn ichs nicht verpenne. Schön dass es bei euch endlich geklappt hat. Ich habe die zwar noch nicht, bin generell aber schon Primordial Fan. Kenne aber die Problematik, bei mir hats auch nicht auf Anhieb gefunkt und bei anderen, denen ich die Band aufgedrückt habe auch nicht. Aber wenn man sich das lange und intensiv genug anhört, machts irgendwann klick. Freut mich, dass es bei dir jetzt auch so weit war.

gitarrnfreak

gitarrnfreak

02.09.2005 21:57

Super CD-Bericht, da es kein 0815er ist, sondern das Album wirklich schmackhaft macht. Werd mal sehen ob ichs wo probehören kann. Kein BM-Gekreische ist schonmal positiv... LG

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