Who's Afraid Of Jazz?
15.08.2003
Pro:
Das Cover, die Stimme, der Jazz
Kontra:
Es fehlt ein wenig an Ecken und Kanten
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Stuebi
Über sich:
Lange hat der professionelle Melancholiker nun Pause gemacht ... Zeit für neue Bericht ... mit &qu...
Mitglied seit:11.11.2001
Erfahrungsberichte:35
Vertrauende:35
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 233 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
PROLOG: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Kennen Sie die CIAO-NEWS, das offizielle Presseorgan in Orangeland??? ...
Nein ... aber Sie kennen doch sicher den rasenden Reporter Stübi ... na also ... es dämmert langsam ... dachte ich mir doch ... er ist ja schließlich eine kleine Berühmtheit hierzulande ... schließlich zieren ja sogar Diamanten sein Profil ... Äh ... nun ... es begab sich zu der Zeit als Stübi – manche nennen ihn auch Stubs (aber das ist eine andere Geschichte) ... also es begab sich zu der Zeit als der liebe Stübi noch nicht so berühmt war ... so vor etwa zwei Jahren mag das nun gewesen sein ... da hat sich Stübi bei den CIAO-NEWS als Schreiberling beworben ... er wollte hoch hinaus und hat dem dicken Chefredakteur gleich beim Bewerbungsgespräch deutlich gemacht, dass er auf sein Fachwissen als "Musikjournalist" in Zukunft nicht mehr verzichten könne ...
Nun, offensichtlich konnte Stübi den dicken Chefredakteur von seinen Qualitäten überzeugen ... er bekam einen Job ... als Praktikant in der Kulturabteilung ... *grummel* ... und da sitzt er nun und sortiert und archiviert staubige alte Musik- und Literaturmeinungen anderer Beichteschreiber aus Orangeland... manchmal durfte er auch schon über die eine oder andere unbekannte Musikformation ein paar Zeilen in der Rubrik "Vermischtes" veröffentlichen ... aber viel war das bisher gerade nicht ... Na ja ... und so saß er denn eines Tages mal wieder trübsinnig in meinem dunklen Kellerverlies ... und er träumte von Venedig ... und von einer gewissen LIZ PHAIR, deren letztes CD-Cover ihm nicht ganz jugendfreie Gedanken und Wunschvorstellungen beschert hatte ...
Unsanft wurde er aus meinen Träume gerissen ... die Erde vibrierte ... dieses Stampfen verhieß nichts Gutes ... der dicke Chefredakteur walzte Stübi entgegen ... zu spät ... keine Deckung in Sicht ... "STÜÜÜÜÜÜÜBI", brüllte er mich schon im nächsten Moment lauthals an ... "STÜÜÜÜÜÜÜBI ... ich habe einen Auftrag für Dich. Du wolltest doch schon immer hoch hinaus ... hier schreib doch mal was darüber ..."
Der dicke Chefredakteur knallte eine CD auf den Tisch ... Stübi wagte kaum das Cover anzusehen, so erschrocken, wie er nach dem Schrecken war. Aus den Augenwinkeln heraus sah er auf dem Cover der CD eine attraktive blonde Frau in einem wahrlich verführerischen schwarzen Kleid ... die makellosen Beine lasziv gekreuzt ... die hohen schwarzen Schuhe verlängern die wunderschönen Beine dieser wunderschönen Frau scheinbar bis in den Himmel hinein ... bis hin zu ihren Augen ... diese kleinen, klaren Augen ... sie wissen um ihre Eleganz ... diese wunderschöne Frau weiß um ihre Wirkung ... sie weiß, dass sie dem personifizierten Sinnbild eines Engels sehr nahe kommt ...
Immer noch eingeschüchtert und doch gleichsam auch merkwürdig verwirrt las Stübi die Aufschrift: *diana krall - THE LOOK OF LOVE* ... "Diana Krall, wer ist denn das ... muß ich die kennen?", fragte Stübi kleinlaut und stotternd ... "Irgend so ne Jazz-Tussi ... aber find's doch selbst heraus!" schrie der dicke Chefredakteur Stübi noch hinterher, bevor er trampelnd aus demKellerverlies verschwand ...
"Jazz ... warum ausgerechnet Jazz", dachte Stübi wütend ... aber dann packte ihn der Ehrgeiz ... "Ich werd's dem dicken Chefredakteur zeigen ... ich werde herausfinden wer diese Diana Krall ist, ja ich werde mir sogar Ihre Musik anhören ... Jazz ... pah ... das kann mich doch nicht schrecken ... mich doch nicht" brüllte Stübi in sein einsames Kellerverlies hinein ...
"Diese wunderschönen Beine!!!" ... Stübi seufzte ein paar Mal still in sich hinein ... "Wer sie wohl sein mag, diese Frau mit der erotischen Ausstrahlung einer Göttin ... was verbirgt sich hinter ihren geheimnisvollen Augen ... wer ist diese Frau mit den wunderschönen makellosen Beinen ???..." Im Folgenden möchte Stübi ein wenig zu der Klärung der offenen Fragen beitragen ...
THE LIFE OF THE ARTIST AND HER MUSIC SO FAR: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ DIANA KRALL wurde 1966 in Nanaimo in Kanada geboren. Ihr musikalisches Elternhaus brachte sie sehr frühzeitig mit allen Erscheinungsformen "ernsthafter" Musik (Oper, Klassik, Jazz etc.) in Verbindung. Der Legende nach erhielt sie bereits im Alter von vier Jahren Klavierunterricht, mit fünfzehn Jahren hatte sie ihre ersten öffentlichen Auftritte vor einem zahlenden Publikum; ein Stipendium des Berklee College Of Music im Jahre 1988 war für DIANA KRALL wohl der entscheidende Auslöser, sich endgültig für eine Karriere als professionelle Musikerin zu entscheiden. Durch intensiven Studien beim Pianisten JIMMY ROWLES und dem Bassisten DON THOMPSON gelingt es DIANA KRALL immer stärker, einen individuelleren Stil als Sängerin und Pianistin zu entwickeln und sich mit der nötigen Hochachtung von ihren großen Vorbildern CARMEN MCRAE und NAT COLE zu lösen.
DIANA KRALL - die seit 1990 in New York lebt - veröffentlicht seit 1993 regelmäßig Tonträger als Solo-Künstlerin. Ihre Diskographie umfasst derzeit folgende Longplayer: 1993 - "Stepping Out" auf JUSTINTIME RECORDS 1995 - "Only Trust Your Heart" auf IMPULS-RECORDS 1996 - "All For You" auf IMPULS-RECORDS 1997 - "Love Scenes" auf IMPULS-RECORDS 1999 - "When I Look In Your Eyes" auf IMPULS-RECORDS 1999 - "Have Yourself A Merry Christmas" - auf IMPULS-RECORDS 2001 - "The Look Of Love" auf VERVE-RECORDS 2002 - "Live In Paris" auf VERVE-RECORDS
DIANA KRALL wird von der "seriösen" Musikkritik zunächst als vielversprechendes Talent gefeiert. "All For You" - ihre Hommage an das Legendäre NAT KING COLE TRIO - hält sich über 70 Wochen in den Billboard Traditional Jazz Charts und wurde für den Grammy nominiert. "Love Scenes" - ein Album mit Balladen von JIMMY HENDERSON; BERTHA SCOTT UND SID ROBIN, IRA und GEORGE GERSHWIN oder BILLY MILES zeigt die junge Künstlerin endgültig auf dem Weg zu einer eigenständigen Musikerpersönlichkeit. Mit "Love Scenes" wagt DIANA KRALL aber auch ein klein wenig den Crossover in Blues-, R&B- und Soul-Gefilde. Dies mag dafür verantwortlich sein, dass der jungen kanadischen Jazz Chaunteuse der großen kommerzielle Durchbruch gelingt. Die schreibende Musikkritik beginnt - ob der zunehmenden Verkaufserfolge von DIANA KRALL - die eitle Nase zu rümpfen. In einem Konzertbericht über einen Liveauftritt beim Montreux-Jazz-Festival heißt es z.B.: "Die einfacher gestrickten Blues-, R&B, Soul und Pop-Nummern begeistern zwar das Publikum, doch von hohem künstlerischen Anspruch konnte keine Rede mehr sein."
Der Erfolgskurs von DIANA KRALL ist durch derart kleinkarierte Kommentare natürlich nicht mehr aufzuhalten. Das 1999er Album "When I Look In Your Eyes" verkauft sich millionenfach und erreicht in den Vereinigten Staaten Platinstatus. DIANA KRALL wird mit dem Grammy für die beste Vokale Jazz Performance des Jahres geehrt. Ihre Musik erklingt in TV-Serien wie "Sex and the City" (z.Zt. auf ProSieben zu sehen) oder in großen Kinofilmen wie ROBERT DENIRO'S "The Score". Zu ihren Fans zählen so bekannte Stars, wie der geniale britische Popsänger STING oder die aufstrebende Schauspielerin SARAH JESSICA PARKER. THE ALBUM: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Nach dem überragendem Erfolg von "When I Look In Your Eyes" liegt die Meßlatte für den neuen Longplayer von DIANA KRALL natürlich entsprechend hoch. Das bewährte Team um den langjährigen DIANA KRALL-Produzenten TOMMY LIPUMA (der u.a. auch mit/für BARBARA STREISAND, MILES DAVIS, NATALIE COLE oder SHIRLEY HORN arbeitete) und dem Toningenieur AL SCHMITT wird konsequenterweise um einen kongenialen Arrangeur erweitert. DIANA KRALL kann für "The Look Of Love" eine wahre Jazz-Legende gewinnen; den deutschen Komponisten, Dirigenten und Arrangeur CLAUS OGERMAN !!! (u.a. maßgeblich an Welterfolgen von FRANK SINATRA, GEROGE BENSONS oder BARBARA STREISAND beteiligt). "The Look Of Love" ist nach "When I Look In Your Eyes" das zweite DIANA KRALL-Album mit großer, klassischer Streicherbegleitung. CLAUS OGERMAN dirigiert sowohl das renommierte LONDON SYMPHONY ORCHESTRA als auch das jazzerprobte LOS ANGELES SESSION ORCHSTRA. Zu den Streichern gesellen sich - in wechselnder Besetzung - jeweils ein Gitarrist, ein Bassist und ein Drummer, gelegentlich auch noch ein Percussionist. Die unterschiedlichen Begleiter von DIANA KRALL sind bekannte Sessionmusiker und/oder Jazzlegenden wie
DORI CAYMMI - Gitarre RUSSEL MALONE - Gitarre JOHN PISANO - Gitarre ROMERO LUBAMBO - Gitarre CHRISTIAN MCBRIDE - Bass JEFF HAMILTON - Drums PETER ERSKINE - Drums PAULINHO DA COSTA - Percussions LUIS CONTE - Percussions Durch ihr angenehm zurückhaltendes, klares und in seiner virtuosen Schlichtheit begeisterndes Pianoforte-Spiel setzt DIANA KRALL in den einzelnen Interpretationen ganz wesentliche Akzente. Darüber hinaus singt DIANA KRALL natürlich auch sämtliche Vocals auf "The Look Of Love". Sie führt ihre sehr angenehme, weiche Stimme stets sehr klar und beherrscht durch die einzelnen Tracks. Somit erwartungsgemäß im Zentrum des eleganten Klangbildes. Sie schafft es mit ihrer Stimme jedem Song eine andere Stimmung zu verleihen.
Die beteiligten Musiker und Techniker nehmen die zehn hervorragend produzierten Tracks des Longplayers "The Look Of Love" in der Zeit von Januar bis Juni 2001 in den CAPITOL STUDIOS von Hollywood sowie den legendären Londoner ABBEY ROAD STUDIOS auf. Die verschiedenen Songs bewegen sich abwechselnd zwischen sinnlichen Jazz- oder Swingballaden und entspannten Bossa Novas voller südamerikanischem Flair. Die Melodien erscheinen bereits beim ersten Durchhören der CD merkwürdig vertraut. Manchmal erinnern die Songs auf das Angenehmste an die verrauchte Barhaus-Romantik uralter amerikanischer Schwarz-Weiß-Filme. "The Look Of Love" bietet dabei aber auch genügend Raum für poppige Melodien und soulige Momente ... dass sich die Tracks inhaltlich darum bemühen, die verschiedensten Erscheinungsformen der Liebe zu beleuchten, das verrät schon der Titel des Longplayers ... Die zehn Songs auf "The Look Of Love" erzählen kleine und doch wichtige Geschichten von der Liebe ... jede Nummer erzeugt beim Zuhörer andere Bilder ... jeder Track erschafft eine eigene Atmosphäre ... nachfolgend will ich versuchen, die Bilder zu beschreiben, die ich gesehen habe ... und ich will versuchen, die Stimmungen und Gedanken die mit begegnet sind, zu beschreiben ...
THE SONGS: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Track No. 01: *S'Wonderful* ------------------------------------------------------
Komponiert von GEORGE GERSHWIN und IRA GERSHWIN Der aktuelle Longplayer von DIANA KRALL beginnt mit einem breit gewebten Streicherteppich ... ein altmodischer Beginn für den ersten Bossa Nova des Albums ... eine Variation über einen GERSHWIN-Klassiker ... die Band löst die Streicher nach wenigen Takten ab ... stille Percussions groovende Akustikgitarren ... gestreichelte Drums ... eingehüllt in immer wieder einsetzende kleine weiße Streicherwölkchen ... Wohlklang und Entspannung breiten sich aus ... DIANA KRALL'S Stimme fügt sich schmeichelnd ins Arrangement ... katzengleich schnurrt sie mit samtweichen Timbre zu den Rasseln und Congas ... ihrem Piano entspringen ein paar klirrende Klangperlen ... der Zuhörer wird sanft angezogen ... umhüllt von unschuldigen, sich der Liebe bedingungslos hingebenden Bekundungen der frisch verliebten Sängerin ...
- You've made my life so glamorous
- You can't blame me for feeling amorous.
- Oh! 'S wonderful! 'S marvelous!
- That you should care for me!
Szenen des Glücks ... Musik aus weißen Wolken ... ... verträumt ... verliebt ... Track No. 02: *Love Letters* -----------------------------------------------------
Komponiert von VICTOR YOUNG und EDWARD HEYMAN Im nächsten Song verlässt DIANA KRALL den Tanzboden ... sie sitzt alleine am Klavier ... die Sonne ist längst am Horizont versunken ... das Holz im Kamin knistert leise ... in der Nachbarwohnung erklingt eine versunkenes Intro einer leise gestimmten E-Gitarre ... aus dem Radio schleichen die Streicher ... DIANA KRALL wird weich umhüllt ... sie beginnt zu erzählen ... sie spricht zum fernen Geliebten ... sie beschwört die Kraft der romantischen Liebesbriefe, die überall in verstreut in der Wohnung liegen ...
- Love letters straight from your heart
- Keep us so near while we're apart
- I'm not so alone in the night
- When I can have all the love you write
Das zarte Selbstgespräch wird nur für einem Moment von einer Klaviervariation unterbrochen ... fast spürt der Zuhörer hier, wie die wunderschöne Frau am Klavier in ihren Gedanken zum Füller greift ... die Feder formt wenige, beschwingte Buchstaben auf's Papier ... das Pianoforte wirft kleine Klänge in den Raum ...
Eine große Ballade in bester Tradition eines FRANK SINATRA ... nur eben ist die Stimme viel angenehmer ... Track No. 03: *I Remember You* -----------------------------------------------------
Komponiert von JOHN MERCER und VIKTOR SCHERTZINGER Lange kann DIANA KRALL nicht alleine sein ... wieder zieht sie es in die Bar ... der Bossa Nova Rhythmus kribbelt sofort in ihren Beinen ... unweigerlich wird sie vom Beat des gezupften Basses auf die Tanzfläche entführt ... das Schlagzeug tritt leise, ganz leise herein ... und wird zum Partner der grandiosen Klaviervariation ... Während eines in sich gekehrten Tanzes begegnet DIANA KRALL einem alten Bekannten ... Erinnerungen werden zu erlebter Realität ...
- I remember you, you're the one who made my dreams come true, a few kisses ago
- I remember you, you're the one said I love you too, I do, didn't you know?
- I remember too a distant bell, and stars that fell like rain out of the blue.
- When my life is through and the angels ask me to recall the thrill of them all
- Then I shall tell them I remember you
Ein Song wie die erste Liebe ... unvergeßlich ... eine Stimme eines Engels ... unvergleichlich sinnlich ... Track No. 04: *Cry Me A River* -----------------------------------------------------
Komponiert von ARTHUR HAMILTON Wieder wird das tänzerische Element der Musik von einer klassischen Ballade abgelöst ... "Cry Me A River" erklingt ... ein geradezu legendärer Jazz-Standard ... ein Song, der einst durch JULIE LONDON eine erste geniale Interpretin fand ...
CLAUS OGERMAN entwirft einmal mehr ein luftig-leichtes Arrangement ... die Violinen des LONDON SYMPHONY ORCHESTRA benötigen einen ganz langen Atem um die leisen Töne immer wieder bis in endlose Weiten zu ziehen ... die Band scheint es kaum zu wagen, die Sängerin mit dem Wenigen zu stören, was sie sagen müssen, um DIANA KRALL’S Gesang zu stützen ... Erstmals erscheint die Liebe in dieser Ballade in einer dunkleren Farbe ... erste Tränen der Verbitterung sind zu beklagen ...
- Now you say you're lonely
- You cry the long night through
- Well, you cry me a river
- I cried a river over you
Wie groß muss doch die Enttäuschung sein, die Tränen zu einem Fluss anwachsen lässt ... wie stark bleibt DIANA KRALL doch ob ihrer Enttäuschung ... die Stimme versagt keinen Moment ob ihrer Tränen ... kraftvoll stellt sie sich RUSSEL MALONE'S flehentlicher Gitarrenvariation entgegen ... es ist vorbei ... die Tränen sind geflossen ... und sie haben die Liebe fortgeschwemmt ... es gibt kein zurück ...
... ohne Worte ... Track No. 05: *Besame Mucho* ------------------------------------------------------
Komponiert von CONSUELO VELASQUEZ Die spanische gesungene Version des Klassikers "Besame Mucho" setzt den nächsten Höhepunkt ... unweigerlich sehe ich vor mir sinnliche Bilder aus einem berühmten WIM WENDERS Film ... die Streicher dürfen endlich kräftigere Akzente setzen ... JEFF HAMILTON darf seine Drums schon fast zu einem Schlagzeug werden lassen ... die Percussions von PAULINHO DA COSTA streuen dazu einmal mehr den schwingenden Groove des Bossa Nova ein ...DIANA KRALL's Stimme platzt schier vor erotischer Kraft, wenn sie den spanischen Refrain über ihre Lippen gleiten lässt ...
- B’’same, b’’same mucho
- que tengo miedo a perderte
- perderte despu’’s
Auch, wenn ich kein einziges Wort von dem verstehe, was hier gesungen wird ... dieser Track streichelt meine Nackenhaare ... das Klavierspiel zum Ende der Nummer tut hier ein Übriges ...Track No. 06: *The Night We Called It A Day* -----------------------------------------------------
Komponiert von TOM ADAIR und MATT DENNIS Die Streicher zeigen es an ... es ist wieder Zeit für eine erzählte Geschichte ... es ist wieder Zeit für eine dramatische Ballade ... DIANA KRALL wird in Molltöne gehüllt ... die Bar ist längst geschlossen ... die Stadt in Nebel gehüllt ... die Straßen feucht und stickig ... einsam zieht die wunderschöne Frau in die Dunkelheit davon ... auf dem Weg nach Hause ... und doch ziellos in der Dunkelheit ...Die Erinnerung an die große Liebe hat sie traurig gemacht .. hat sie ihr doch wieder in Erinnerungen gerufen, dass es unwiederbringlich vorbei ist ... es war eine Nacht wie diese, als alles zerbrach weiß DIANA KRALL schmerzvoll-melancholisch zu berichten ...
- The moon went down the stars were gone
- But the sun didn't rise with the dawn
- There wasn't a thing left to say
- The night we called it a day
Verständnis findet DIANA KRALL einmal mehr in den Klängen ihres Pianos ... die Traurigkeit der durchlebten Trennung führt ihre Hände zu einer ihrer kraftvollsten und längsten Solovariationen auf dem Album ... einen kleinen Moment fühle ich mich an den großen Virtuosen KEITH JARRETT erinnert ... aber wirklich nur kurz ... Track No. 07: *Dancing in The Dark* -----------------------------------------------------
Komponiert von HOWARD DIETZ und ARTHUR SCHWARTZ Wie zum Trotz wechseln das Orchester und die Band abrupt die Stimmungslage ... breitgefächerte Soundmalereien verführen erneut zum Tanz ... die bereits bekannten perlenden Klavierakkorde und eine entspannt swingende Band verströmen Wohlklang ... DIANA KRALL sucht in einer neuen Liebe Vergessen ...
- Looking for the light of a new love
- To brighten up the night, I have you love
- And we can face the music together
- Dancing in the dark
Tja, wenn das mal so einfach wäre ... das Vergessen ...
Track No. 08: *I Get Along Without You Very Well* ----------------------------------------------------- Komponiert von HOAGY CARMICHAELWieder beginnt das Orchester in tief-traurigem Moll ... der Song entlässt seine Melodien nur ganz langsam ... fast scheint die Musik zu erstarren ... die Erinnerung an die Trümmer der verlorenen Beziehung kehrt zwangsläufig zurück ... die Einsamkeit kehrt unabwendbar zurück ... doch die wunderschöne Sängerin will sich der Wahrheit nicht stellen ... nicht wirklich ...
- I get along without you very well,
- Of course I do
- Except when soft rain fall
- And drip from leaves, then I recall
- The thrill of being sheltered in your arms
- Of course I do
- But I get along without you very well
DIANA KRALL haucht diese Zeilen mit spürbarer Anteilnahme ... wie es ihr hier gelingt die innere Zerrissenheit der einsamen und doch immer noch hoffenden Geliebten zu interpretieren ... das ist wahrlich große Kunst ... Track No. 09: *The Look Of Love* ------------------------------------------------------
Komponiert von BURT BACHARACH und HAL DAVID Der Titeltrack des Albums huldigt einmal mehr den wahre Größen des Jazz ... BURT BACHARACH und HAL DAVIDS Song erfährt ähnlich wie GEORGE und IRA GERSHWIN'S "S'Wonderful" eine als Bossa Nova gelesene Interpretation ... das rhythmische Fundament der Band bleibt gewohnt dezent und anschmiegsam ... die Streicher säuseln weit entfernt ... die wunderschöne Frau am Klavier verliert sich in verträumten Phantasien ... klare Linien ... Dur statt Moll ... Versöhnung statt Streit ... Irgendwie steht dieser Song unter dem Leitgedanken, dass es besser ist, geliebt und verloren zu haben, als niemals geliebt zu haben ... in diesem Sinne verströmen DIANA KRALL'S Vocals denn auch eher Glück als Trauer ...
- We were so hard in love, and high above
- We had a star to wish upon. Wish
- And dreams come true, but not for me
- The trains and boats and planes
- Took you away, away from me
Eine wunderschöne Ballade ... die daran erinnert, dass manchmal Träume, die sich erfüllen die Sehnsucht auch zerstören können ... Track No. 10: *Maybe You'll Be There* -----------------------------------------------------
Komponiert von RUBE BLOOM und SAMMY GALLUP Zum Abschluss schwelgt CARL OGERMAN noch einmal in seinen altmodischen Streicherteppichen ... eine klassische Jazzballade beendet die Begegnung mit der wunderschönen Frau am Klavier ... wieder sitzt DIANA KRALL alleine am offenen Kamin ... wieder knistert die verbrennenden Holzscheit im Kamin ... RUSSEL MALONE darf mit seiner leise gestimmten E-Gitarre einen weitläufigen Dialog mit DIANA KRALL anstimmen ... Die große Chaunteuse erzählt ein letztes Mal mit ihrer mittlerweile unverwechselbar gewordenen Stimme ... von großen Hoffnungen ...
- Someday all my prayers are answered
- I'll hear a footstep an the stair
- With anxious heart
- I'll hurry to the door
- And maybe you'll
- Be there
Jeder der die Liebe kennt, wird diese Sehnsucht verstehen ...FAZIT: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
"The Look Of Love" hat mich begeistert, ohne Frage ... die mir bis dato unbekannte Frau mit den wunderschönen Beinen hat es ohne Zweifel geschafft, mich aller Bedenken zum Trotz zum Jazz zu verführen ... die schwer erklärliche, hypnotische Anziehungskraft, die das Photo auf dem Cover der CD auf mich hat, setzt sich auf unerklärliche Weise in der Musik fort ... "The Look Of Love" lebt von der sanften, erotischen Stimme der DIANA KRALL ... ihre vokale Präsenz ist es, die mir die vielfältigen Erscheinungsformen der Liebe in der Tat ein wenig näher bringt ... dass dies nur gelingt, weil ihre Stimme in den faszinierenden Arrangements des CARL OGERMAN versinken darf ist unbestritten ... hier haben sich zwei Partner gefunden, die Jazz ähnlich begreifen, wie klassische Kompositionen ... als Musik, die interpretiert werden muss ... als Musik, die erst der Interpret zum Leben erweckt ... als Musik, die erst durch die Interpretation wahre Seele erhält ...
Die Auswahl der von DIANA KRALL auf "The Look Of Love" dargebotenen Evergreens des Jazz zeigt den exquisiten Geschmack der Sängerin DIANA KRALL ... sie ist eine Interpretin, die sich mit ihren Fähigkeiten in den Dienst der Kompositionen stellt ... ja fast (!!!) scheint es so, als ob sie sich hinter den Kompositionen ein wenig verbirgt ... sie wagt es einen Tick zu selten, allzu sehr von dem abzuweichen, was die niedergeschriebenen Vorgaben über die Vorstellungen der Komponisten verraten ... in manchen kleinen Momenten verhindert die spürbare Ehrfurcht der Interpretin, auszubrechen oder den Melodien radikale Gedanken hinzu zufügen. Manchmal habe ich mir als Zuhörer ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht, ein Kratzen in der Stimme ... einen freudiges Lachen ... ein unerwartetes Schluchzen ... ein überschwänglicher Aufschrei ... das Thema der CD ist schließlich die Liebe ... und wer die Liebe kennt, wird wissen, was ich meine ... DIANA KRALL zeigt großen Respekt vor großartigen Momenten der Jazzmusik ... sie will die Ideen der berühmten Komponisten in erster Linie bewahren ... sie will Musikgeschichte dokumentieren ... sie lebt in der guten alten Zeit ... was ihr vielleicht ein wenig fehlt, ist eine Idee zur Zukunft ihres Genre ...
Aber das ist vielleicht nicht wirklich wichtig ... in Anbetracht der grandiosen Stimme dieser Frau ... in Anbetracht der gewaltigen Ausstrahlung, die von dieser Frau ausgeht ... MUSIK FÜR DIE GEWISSEN MOMENTE DES LEBENS! MUSIK FÜR DIE SINNLICHEN STUNDEN DER LIEBENDEN! FAST PERFEKT!!! FAST FÜNF STERNE!!!
EPILOG: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Tja, was soll Stübi nun dem dicken Chefredakteur erzählen, wenn er sich nach DIANA KRALL erkundigt ... sollte er ihm sagen, was er alles entdeckt hatte ... soll er ihm von der Faszination berichten, die sich hinter den verträumten Augen dieser erotischen Frau ausgebreitet hat ... soll Stübi ihm teilhaben lassen an seiner Schwärmerei für diese makellosen, wunderschönen Beine ... ???
Stübi denke nicht, dass dies Sinn machen würde ... der dicke Chefredakteur ... er würde es wohl nicht verstehen ... er hat noch nicht einmal die Faszination der Coverabbildung gespürt ... Aber vielleicht sollte Stübi seine Gedanken seinen Freunden in Orangeland erzählen ... vielleicht ...
P.S.: Wieder einmal eine CD, die Stübi eigentlich nur wegen dem Cover gekauft hat ... äh ... ja ... ich danke mal wieder allen Leserinnen und Lesern für ihr Interesse und den Mut, sich auf eine dieser ellenlangen Stübi-Meinung einzulassen. Ich hoffe, das Lesen hat so viel Spaß gemacht wie das Schreiben. Bitte nehmt Euch ein paar virtuelle Leser-Diamanten mit ... und nehmt auch vom Gebäck ... und von den gekühlten Getränken ... bis zum nächsten Mal ... wir treffen uns wieder ... mit Gedanken zum Herbst ... versprochen ...
P.P.S.: Bei meiner Annäherung an DIANA KRALL habe ich - vor allem für die Darstellung der biographischen Bezüge - auf folgende Quellen zurückgegriffen:
http://www.ultimatedianakrall.com / offizielle Web-Site der Plattenfirma mit biographischen Verweisen und ein paar Hintergrundinfo's zu "The Look Of Love" http://www.cosmopolis.ch/cosmo17/krallkonzert.htm / biographische Hinweise http://www.cosmopolis.ch/cosmo29/diana_krall.htm / differenzierte Hintergrundinfo's zu "The Look Of Love")
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16.02.2006 07:49
Ein toller und sehr ausführlicher Bericht. Da fehlt nichts! Daher ein bh von mir! Einen netten Tag wünscht Mezzosopranistin.
23.02.2005 10:53
Die habe ich auch. Höre ich gerne Sonntagsmorgens, beim Frühstück im Bett. Gruß Estefania
07.11.2004 15:50
Liebe dies Stimme................und Deinen Bericht auch................