The Master(y)
05.06.2008 (31.05.2008)
Pro:
Beeindruckende musikalische Fähigkeiten, sowohl was Technik, als auch Komposition betrifft
Kontra:
Sehr kurz
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Frosch90
Über sich:
Und wieder bin ich zurück. Ich versuche diesmal gar nicht erst, zu versprechen, häufiger was zu schr...
Mitglied seit:17.03.2006
Erfahrungsberichte:9
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
SO, nach langer Funkstille endlich wieder ein Bericht von mir...
VorwegEs geht um die CD "The Mystery" von meinem Lieblings-Gitarristen, dem einzigen, dem großartigen Tommy Emmanuel! :) Ich bin seit langem Fan von Tommy Emmanuel, habe mir aber bis vor kurzem immer nur Videos von seinen Auftritten bei youtube angesehen. (Solltet ihr auch mal machen, gebt einfach seinen Namen bei youtube ein und ihr findet seitenweise Material.) Aber vorletzte Woche hatte ich Geburtstag und da mein Vater von meiner Begeisterung für diesen genialen Gitarristen wusste (und ihn selbst ebenfalls gerne hört), hat er mir Tommys neuestes Studio-Album "The Mystery" geschenkt. Eine gute Entscheidung! :)
Zum Interpreten:Tommy Emmanuel ist ein Gitarrist der besonderen Art aus Australien. Er dürfte wohl einer der wenigen bekannteren Fingerstyle-Gitarristen sein. Für diejenigen, die nicht mit dem Thema vertraut sind: Fingerstyle ist eine teilweise recht komplexe Art die Gitarre zu spielen, nämlich Melodie, Bass und Begleitung gleichzeitig auf einer Gitarre. Manche Musiker bauen auch noch perkussive Effekte, exotische Gitarrentunings etc. ein. Doch Tommy Emmanuel verbindet viele verschiedene Techniken (Fingerpicking, Flatpicking, Hybridpicking etc.) und Stilrichtungen (Rock, Blues, Jazz, Folk etc.) zu seiner ganz eigenen Art von Musik. Und doch hört man immer wieder Einflüsse seines großen Vorbilds: Chet Atkins, sozusagen der Vater des Fingerstyle. Dieser hat Tommy übrigens auch vor einigen Jahren den Titel "Certified Guitar Player" verliehen. Daher das "c.g.p.", das man oft hinter Tommys Namen sieht. Gitarristen, die das Vergnügen haben, ihn spielen zu sehen, kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kein Wunder, denn der Mann verfügt nich nur über großes Talent, sondern auch über gut 50 Jahre Übung! Bereits mit 4 Jahren hat er begonnen,Gitarre zu spielen und ist mit 6 mit seiner Familie professionell aufgetreten. Doch immer wieder beweist er auch, dass er nicht nur wahnsinnig komplexe Stücke in einer ebenso wahnsinnigen Geschwindigkeit spielen kann und ein großes Improvisationstalent und Entertainer ist. Nein, er ist auch fähig, wunderschöne, ganz einfache, ruhige Stücke zu komponieren. Gerade auf diesem Album finden sich sehr viele Songs dieser Art. Aber genug der Lobeshymnen, ich komme nun zum eigentlichen Objekt meines Berichts. :)
Das Album
Das Cover wirkt meiner Meinung nach sehr ansprechend und passt perfekt zum Titel des Albums. Schlichtes Schwarz, ein Schwarzweißportrait von Tommy mit geschlossenen Augen und ein kleiner blauer Schriftzug "Tommy Emmanuel c.g.p. The Mystery", mehr nicht. Die Rückseite ist ebenso schlicht. Schwarzer Hintergrund und in blau die Trackliste. Im Inneren sind ebenfalls nur die Farben Schwarz, Weiß und Hellblau zu finden. Leider gibt's kein Booklet, aber es gibt ja auch keine Texte abzudrucken, denn alle Stücke bis auf eines sind intrumental. Der Text dieses Lieds, "Walls" vom Songwriter-Duo Kennedy Rose, ist einfach ins Innere Des Digipaks gedruckt. Außerdem Danksagungen von Tommy, eine Tracklist mit Erwähnung der verwendeten Instrumente und zwei Schwarzweißbilder. Keine überladenen Bilder, keine bunten Farben, einfach nur schlicht und schön.
Die Tracklist - Cantina Senese
- Gamesshow Rag/Cannonball Rag
- The Mystery
- Cowboy's Dream
- Walls
- Lewis & Clark
- The Digger's Waltz
- Antonella's Birthday
- And so it goes
- That's the Spirit
- Footprints
- Keep it simple
Die ersten beiden Titel sind absolute Kracher, wie man sie von Tommy Emmanuel gewohnt ist. Hohes Tempo, hoher Grad an Komplexität, gekonnt dargeboten. Den erste Track "Cantina Senese" hat Tommy, wie er in einem Interview sagt, in Italien in einer Cantina geschrieben. Er fühlte sich "einfach wohl dort". Und das hört man dem Stück an. Hier gibt es viel zu hören. Flotte, südländische Melodien auf ausnahmsweise mal mehreren Gitarren, dazu ein wenig mediterran anmutende Percussion. Mit nur 1:53 Minuten etwas kurz, aber dafür knackig. Der zweite Track ist eine Mischung aus Tommys Eigenkreation "Gamesshow Rag" und dem "Cannonball Rag" der Fingerstyle-Legende Merle Travis. So wird auch das ganze Lied im sogenannte Travis-Picking gespielt, einer Technik, die Tommy recht häufig verwendet. (Mit dem Daumen einen festen Wechselbass auf den abgedämpften Basssaiten spielen, während die anderen Finger auf den Melodiesaiten Melodie und Akkorde spielen.) Eine interessante Anmerkung: Am Schluss hört man Tommy kurz lachen. Das kommt laut einem Interview daher, dass diese Aufnahme die erste in Tommys Leben ist, die beim ersten mal einspielen gelungen ist und verwendet werden konnte. Da konnte er sich ein Lachen einfach nicht verkneifen. Und ganz plötzlich nimmt das Tempo stark ab. Das Stück "The Mystery" gibt nicht nur Namen, sondern auch Programm des Albums vor. Nun werden nicht mehr so viele Noten wie möglich in eine Minute, sondern soviel Gefühl wie möglich in eine Note gesteckt. Ein wie der Name schon sagt sehr geheimnisvoll klingender Track, der zwischendurch immer mal wieder an Tempo gewinnt, aber auch immer wieder ruhig und schwebend daherkommt. Einfach schön und eine perfekte Einstimmung auf alles folgende. "Cowboy's Dream" ist ebenfalls sehr ruhig, allerdings heiterer als "The Mystery". Wenn man hier die Augen schließt kann man deutlich einen einsamen Cowboy durch die Prärie reiten sehen. Tommys starke Einflüsse aus dem Countrybereich sind hier zu erkennen. Auch zeigt sich sein großes Talent, Melodien zu komponieren, die man auf Anhieb mitsummt und einfach genießt. Anschließend folgt "Walls". Geschmackvoll arrangiert mit zwei Akustikgitarren, ein ganz dezent eingesetzten E-Gitarre und später ein klein wenig Schlagzeug. Natürlich alles von Tommy selbst eingespielt. Er singt das Lied zusammen mit seiner Freundin Elizabeth Watkins, zwei Stimmen, die sich perfekt ergänzen. Ein verträumtes, leicht folkig anmutendes Stück, dem man deutlich anhört, wie viel Freude die Musiker daran hatten. Und wieder folgt ein Stück, das einem deutliche Bilder vor Augen ruft. "Lewis & Clark" ist benannt nach den beiden Entdeckern, die in den Jahren 1804-1806 die erste Expedition quer durch die späteren USA zur Westküste und zurück unternahmen. Einen besseren "Soundtrack" zu dieser Expedition hätte niemand schreiben können! Der etwas bluesige Anfang klingt schwebend und vermittelt durch den flüssigen Übergang der Noten ineinander den Eindruck von Weite. Man kann sich deutlich den amerikanischen Westen vorstellen, wie er ausgesehen haben muss, als er noch unbesiedelt war. Prärie, Wälder und Berge so weit das Auge reicht. Dann taucht die Expedition auf. Eine treibende Bassfigur führt dem Hörer sofort die Pferdekutschen vor Augen. Die einprägsame Melodie, die Tommy darüber legt, passt perfekt in das Bild der unberührten Wildnis. Einer der simpelsten Songs dieses Albums, aber auch einer derjenigen mit der größten Wirkung. Und es geht beschaulich weiter. "The Digger's Waltz" ist, wie der Name schon sagt, ein Walzer. Das Intro erinnert ein wenig an das Signal eines Jagdhorns oder etwas ähnlichem. Nachdem der nur von ein paar Akkorden gestützte Anfang vorbei ist, beginnt ein sehr lockeres, entspanntes Stück, das trotz seiner geringen Geschwindigkeit wieder etwas komplexer ist, als das vorangehende "Lewis and Clark". Der nächste Track wird wieder schneller, aber ohne hastig zu wirken. "Antonella's Birthday" beginnt mit einem Flageolett Intro, diese glockenhellen, hier ein wenig an eine Harfe erinnernden, Töne tauchen auch immer wieder im weiteren Verlauf auf. Das Stück ist meiner Meinung nach viel zu schnell vorbei, das kommt aber vielleicht auch daher, dass man es einfach genießt. Eine der heitersten Melodien des Albums, immer wieder springend zwischen ganz hohen und ganz tiefen Klängen. Für Track 9 nahm Tommy die Klavier- und Gesangsmelodie des Liedes "And so it goes" von Billy Joel und machte ein instrumentales Gitarrenstück daraus. Abgesehen von der Melodie spielt Tommy nur ein paar Akkorde, aber dafür mit gaaanz viel Gefühl. Absolut minimalistisch arrangiert, wie das Original. Mit seiner leichten Melancholie erinnert mich das Stück immer wieder an alte, irische Balladen. "That's the Spirit" ist wieder etwas flotter und wesentlich heiterer. Fast vergisst man die drückende Traurigkeit des vorherigen Tracks, wenn man allein schon das aufmunternde Intro hört. Auch ist hier die Begleitung wieder wesentlich komplexer und gibt dem ganzen noch mehr Tempo... Nur um mit "Footprints" wieder melancholisch zu werden. Eine singbare Melodie mit abwechslungsreicher Pickingbegleitung und lange stehenden, tiefen Bässen. Obwohl jeder dieser Teile ganz einfach klingt fragt man sich doch, wie der Mann das auf einer Gitarre spielen kann. Für ihn eine Leichtigkeit. Während andere erst mal die komplizierten Griffe hinbekommen müssten, legt er Wert darauf, so emotional wie möglich zu spielen. Apropos Emotionen: Auch "Keep it simple" ist sehr gefühlsbetont, aber lange nicht so melancholisch wie "Footprints" Der Name ist auch hier Programm: Simpel klingt das Stück, aber ohne langweilig zu werden. Als letzter Track des Albums ist es meiner Meinung nach nicht sehr gut geeignet, da die letzten drei Lieder einen ähnlichen Stil haben. Man hätte etwas ganz anderes, zum Beispiel "And so it goes" an den Schluss setzen können, um das Album abzurunden. Trotzdem ein schönes Lied.
Insgesamt hat die CD einen durchweg guten Eindruck bei mir hinterlassen. Sehr abwechslungsreich. Man merkt deutlich, dass Tommy seinen Ruf als "Angeber-Gitarrist", der einfach nur schnell und kompliziert spielt, loswerden wollte. Und das ist ihm gelungen. Während auf den früheren Alben die ruhigeren Töne eher die Ausnahme bildeten, stehen sie hier im Mittelpunkt. Die explosionsartigen Uptempo-Stücke hakt er bereits nach dem zweiten Track ab und zeigt sein Talent als sentimentaler Komponist auf einem schmalen Grat zwischen Kitsch und Schönheit, den er allerdings mit Bravour meistert. Einziger Kritikpunkt: Mit 12 teilweise recht kurzen Liedern erreicht das Album gerade mal eine Gesamtlänge von 39 Minuten.
Meine Favoriten- Cantina Senese
- Lewis & Clark
- And so it goes
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Emmanuel, Tommy - The Mystery (Favored Nations) CD Album
Release: 01.09.2006, Format: CD Album, Neuware, Inhalt: 1, Label/ Hersteller: ...
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14.08.2008 16:41
Guter Bericht. Schön, dass Du wieder hier bist. LG Dorothea
05.06.2008 23:39
... bh
05.06.2008 20:33
für diesen bericht gebe ich gern die bestnote. du machst mich neugierig, weil dieser musiker bis jetzt noch gar nicht bekannt ist. viele grüße constanze