Erfahrungsbericht über

The Naked Truth - Golden Earring

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung The Naked Truth - Golden Earring

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Alles Gold, oder was?

5  31.03.2011

Pro:
Glänzender Akustik - Auftritt von Hollands dienstältester Rockband

Kontra:
Die ganze splitternackte Wahrheit umfasst zwei CDs und heißt "Fully Naked"

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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In der mit einem Adolf Grimme-Preis in Gold ausgezeichneten Tatort-Folge „Moltke” aus dem Jahre 1988 findet eine Frotzelei zwischen Horst „Schimmi“ Schimanski (Götz George) und seinem aus den Niederlanden stammenden Kollegen „Hänschen“ (Chiem van Houweninge) statt, die ich im Folgenden sinngemäß wiedergebe.

Schimanski:
„Sachma – feiert ihr eigentlich auch Weihnachten?“

Hänschen:
„Natürlich. Am Weihnachtsabend stellen wir alle unsere Holzpantinen vor die Windmühle, und wenn wir dann am nächsten Morgen aufwachen, steckt in jeder ein Hering, den Sinterklaas über Nacht gebracht hat. Dann gehen wir an eine Gracht, setzen uns um einen festlich mit Tulpen geschmückten Holländer Käse herum und rauchen jede Menge Haschisch aus langen, weißen Tonpfeifen.“

Schimanski:
„Das ist bei uns ja vollkommen anders.“

Jaja, so ist das wohl: Wer Holland sagt, meint die Niederlande und denkt dabei an Käse, Tulpenzwiebeln, Koffie Shops, vielleicht noch an Salzlakritze, an Rembrandt und Frau Antje, deren Geist über all unseren lieb gewonnenen Klischees schwebt, seitdem im Jahre 1961 der damalige Direktor des niederländischen Büros für Milchwirtschaft in Aachen die Frau mit der Flügelhaube als Werbefigur für Milchprodukte aus den Niederlanden erfand.

Ist denn wirklich alles Käse, was aus den Niederlanden stammt? Könnte man fast meinen, denn auch der Pop-Import à la hollandaise scheint traditionell vornehmlich aus Schrott zu bestehen.

Als da zum Beispiel wären: Vader Abraham und seine singenden Schlümpfe, die Hermes House Band, die Girl Group „Luv“ (die Älteren unter Ihnen werden sich, wenn vielleicht auch ungern, sicher noch an „Trojan Horse“ oder „You’re the Greatest Lover“ erinnern), die „Stars on 45“, Nico „Schmidtchen Schleicher“ Haak (der mit den elastischen Beinen) und Loona. Wüsste ich nicht genau, dass der „Ententanz“ auf eidgenössischem Mist gewachsen ist, ich hätte auch ihn ohne mit der Wimper zu zucken jenem niederländischen Frank Farian zugeschrieben, den ich hinter all den oben genannten Attacken auf den guten Geschmack vermute. Oder steckt am Ende Rudi Carrell persönlich dahinter?

In diesen Tagen scheint sich mit „Within Temptation“ zwar eine Band dazu anzuschicken, so etwas wie eine Ehrenrettung des niederländischen Pop zu versuchen, aber lange vor ihnen gab es „Golden Earring“: Im gleichen Jahr, in dem Frau Antje das Licht der Welt erblickt, gründen der damals gerade 13-jährige George Kooymans und der nur zwei Jahre ältere Nachbarsjunge Rinus Gerritsen im heimischen Den Haag die „Tornados“, aus denen dann, benannt nach einem Songtitel der Sängerin Peggy Lee, zunächst „The Golden Earrings“ und in der Folge dann „Golden Earring“ werden.

Im Meer des niederländischen Trivial-Pop von der George Baker Selection („Paloma Blanca“) über die Soulful Dynamics („Mademoiselle Ninette“) bis zu Shocking Blue („Venus“) ragt das Werk der Herren Barry Hay (Gesang / Gitarre / Querflöte), George Kooymans (Gitarre / Gesang), Rinus Gerritsen (Bass / Synthesizer / Keyboards) und Cesar Zuiderwijk (Schlagzeug / Percussion) wie ein einsamer Leuchtturm empor: seit über 40 (!) Jahren spielt das Golden Earring-Quartett in schöner Regelmäßigkeit neue Alben ein und tourt auch noch recht fleißig (in diesen Tagen allerdings vornehmlich in den Niederlanden und in Belgien) – und das übrigens, man höre und staune, in seit dem Jahr 1972 (in dem die Hitsingle „Radar Love“ sogar die US-Charts bis zu einem ehrenwerten 13. Platz hinaufkletterte) unveränderter Besetzung.

Golden Earring dürfte mithin eine der dienstältesten Bands im Hardrock sein. Eine der rührigsten ist sie mit Sicherheit, denn die Zahl der im Laufe der langen Bandhistorie veröffentlichten Tonträger zu überschauen (auch in diesem Jahr hat das Quartett mit „Love Sweat“ wieder eine neue CD veröffentlicht) dürfte wohl nur erklärten Fans gelingen – und eine treue „Fanbase“ haben Golden Earring ohne Zweifel. Während die Band hierzulande ein bisschen unter dem Stigma des „One Hit Wonders“ leiden mag (Wer „Golden Earring“ sagt, meint meist „Radar Love“), ist es, so jedenfalls mein Eindruck, in den Niederlanden nie wirklich still um die Band geworden.

Die Fans von Golden Earring haben ihrer Lieblingsband die Treue gehalten, Konzerte sind allenthalben gut besucht, die CDs verkaufen sich auch, und überhaupt scheinen Golden Earring in den Niederlanden so etwas wie eine nationale Institution zu sein: Manchmal gilt der Prophet eben auch im eigenen Lande etwas.

Im Laufe der Jahre hat auch in meine Tonträger-Sammlung so manche CD von Golden Earring ihren Weg gefunden: „Naked Truth“, der 1992 veröffentlichte Ausflug von Golden Earring ins seinerzeit ungemein populäre „Unplugged“-Revier, stellt dabei den letzten Golden Earring-Neuzugang in der heimischen Sammlung dar.
Das heißt zum einen, dass ich mir tatsächlich nichts mehr von Golden Earring zugelegt habe, seitdem „Naked Truth“ erschienen ist, und es könnte durchaus auch heißen, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändert – es sei denn, ich täte das, womit ich seit geraumer Zeit liebäugele, nämlich „The Naked Truth“ in der E-Bay auszusetzen und mir endlich das Box Set „Fully Naked“ zuzulegen.

Box Set? Ja, genau – denn im Laufe der Jahre ist aus der hintersinnig betitelten Einzel-CD zunächst ein Doppelalbum (offensichtlich nicht ganz aufrichtig als „Complete Naked Truth“ betitelt) und in der Folge dann ein Set mit drei CDs geworden: Nackt mag die Wahrheit ja sein – ob es sich denn bei dem Dreier auch wirklich um die ganze Wahrheit handelt? Ich weiß es nicht – und leider weiß ich ebenso wenig, ob es sich bei der „Unplugged“-Version von „In a Bad Mood“, die sich auf „Fully Naked“ findet, um genau eben jene Version handelt, die seinerzeit erst mal im Rahmen einer „EP“-CD mit drei Tracks veröffentlich wurde.

Besagte EP gab’s als Dreingabe zur seinerzeit aktuellsten Studioveröffentlichung „Bloody Buccanneers“ – allerdings nur in den Niederlanden, wo die kostenlose Zugabe von den Fans freilich so begeistert aufgenommen wurde, dass für den 9. September ’92 ein entsprechendes Konzert anberaumt wurde (von dem’s sogar mal ein sehr nettes Video gab, das meines Wissens zumindest in den Niederlanden auch als DVD mit 18 Tracks veröffentlicht wurde – ob die derzeit erhältlich ist, kann ich nicht sagen). Der Live-Mitschnitt „Naked Truth“ präsentiert immerhin 14 musikalische Höhepunkte des Auftritts im „Grand Café ‚De Kroon’“ in Amsterdam und zählt meiner Ansicht nach zu den kaufenswerteren „Unplugged“-Veröffentlichungen.

Klar, dass in der Auswahl für „Naked Truth“ die größten Hits der Band nicht fehlen dürfen: Mit „Radar Love“, „Eight Miles High“ (ursprünglich von den „Byrds“, aber schon 1969 in einer Coverversion von Golden Earring erschienen) und „Twilight Zone“ finden sich akustische Versionen der wahrscheinlich bekanntesten Stücke der Band; aber auch „Vanilla Queen“, „Long Blond Animal“ und „Mad Love’s Comin" dürften für Hardrock-Kenner wohl keine Unbekannten sein; mit “I can't sleep without you” und “The Naked Truth” gibt’s außerdem zwei ganz neue Stücke.
F a z i t

Hardrock – ganz akustisch, ganz ohne E-Gitarren – ja, geht denn das … ?

Es geht – und, im Falle von Golden Earring, sogar erstaunlich gut: Wer Spaß an Eric Claptons 1992er „Mutter aller ‚Unplugged’-CDS“ hat, kann mit „The Naked Truth“ eine der interessanteren Veröffentlichungen aus der großen „Unplug and Play“-Welle der frühen 90er Jahre für sich entdecken.

Wem der Name „Golden Earring“ noch gar kein Begriff ist, dem sei die Band wärmstens ans Herz gelegt: Wer geradlinigen, eingängigen, melodischen Hardrock mag, tut gut daran, ins Schaffen der dienstältesten Rockband der Niederlande hinein zu schnuppern. Für mich sind Golden Earring eine der Bands, die eher durch Beständigkeit denn durch Einfallsreichtum bestechen – was meines Erachtens aber auch nicht unbedingt ein Manko ist. Anstatt sich auf Gedeih und Verderb immer wieder selbst neu erfinden zu wollen, liefern Golden Earring lieber grundsoliden Rock ab – und was die Vier machen, machen sie richtig: Ein Großteil der Stücke von Golden Earring geht gleich beim ersten Mal ins Ohr, vieles davon wirkt vielleicht sogar auf durchaus angenehme Weise vertraut.

Wer aufs Ganze gehen will, legt sich nicht nur die Unplugged-CD zu, sondern legt gleich auch noch die vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte Werkschau „The devil made us do it“ in den Warenkorb, die auf zwei CDs 39 Highlights (in Holland schaffte es die Band im Laufe ihres Bestehens 50 Mal in die Charts – und 5 Mal sogar bis auf den Spitzenplatz) von Golden Earring bietet (darunter natürlich auch die erste Nr.1-Single der Band mit dem zungenbrecherischen Titel „Dong-Dong-Di-Ki-Di-Gi-Dong“).

Alles Käse, oder was? Holland hat nicht nur Frau Antje und ihren Käse zu bieten, sondern mit Golden Earring eine veritable Vier-Mann-Rockfabrik: Die eine bringt Käse aus Holland, die anderen bringen regelmäßig Alben mit sehr hörbarer Rockmusik heraus. Beide, „Kaasmeisje“ wie Band, gibt es seit den frühen 60er Jahren – und so bleibt mir zum Schluss eigentlich nur noch die Feststellung, dass meine beiden persönlichen Favoriten unter Hollands Exporten beide goldfarben sind: Gouda-Käse und Golden Earring – zumindest mit Blick auf ihre Namen sind Hollands Exportschlager Nr.1 und Hollands Rockexporteure Nr.1 so weit dann doch nicht voneinander entfernt.

N a k e d _ T r u t h

(Einzel-CD, ASIN: B00000IH7F)

Tracks / Anspieltipps

… 1.Introduction
… 2.Jangalene
… 3.Another 45 Miles
[>] 4.Mad Love's Comin'
… 5.Why Do I
[>] 6.I Can't Sleep Without You
… 7.Weekend Love
… 8.Vanilla Queen
[>] 9.Twilight Zone
… 10.One Shot Away From Paradise
… 11.Long Blond Animal
… 12.Pouring My Heart Out Again
… 13.Radar Love
… 14.Eight Miles High
… 15.The Naked Truth

Mehr Informationen zum Werdegang der Band unter
http://www.hollandrocks.nl


(Erstmals veröffentlicht am 1. Sep 2004)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MissVega

MissVega

03.04.2011 00:09

The Naked Truth ist, ich kenne wohl auch nur Radar Love. Macht aber nüscht. ;-)

mp3undlos

mp3undlos

01.04.2011 07:58

dank meiner älteren Schwester kenne ich die sogar...ich glaube es beschränkt sich allerdings auf "Radar Love";-)

nessi44

nessi44

31.03.2011 17:42

immer diese Nostalgie an die Jugendjahre..:-) LG von Andreas

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