Still standing like pyramids
15.06.2010
Pro:
Rakim ist und bleibt einer der Besten
Kontra:
lieblose Produktionen, bewegt sich (fast) alles im Mittelmaß
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 Pfizze
Über sich:
Kein CIS-, sondern Gegen- und "neue Erfahrungsberichte"-Leser
Mitglied seit:27.04.2010
Erfahrungsberichte:10
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 139 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wenn ein Rapper, der zweifelsohne zu den besten aller Zeiten gehört, nach 10-jähriger Abwesenheit ein neues Album in den Laden bringt, ist der Hype natürlich groß. So auch bei „The Seventh Seal“ von Großmeister Rakim, der es geschafft hat sein gerade einmal drittes Soloalbum nach etlichen Verschiebungen und einer absolut daneben gegangenen Zusammenarbeit mit Produzenten-Legende Dr. Dre zu veröffentlichen. In Hip-Hop Kreisen entsteht eine regelrechte Hysterie, denn wenn William Michael Griffin Jr., so Rakims Geburtsname, ans Mikrofon tritt, entsteht Magisches. Und dann das.
Die ersten wenigen Sekunden des Albums jagen dem Hörer schon ein wenig Angst ein, denn wenn der Opener „How To Emcee“ anfängt die Lautsprecher zu verlassen, fragt man sich sofort ob so etwas wirklich sein musste. Was die Ohren erreicht ist ein harter, gut gelaunter Beat, der aber dermaßen nach Fließbandarbeit klingt, dass man nicht einmal mehr die Raps von Rakim hören möchte, deren Qualität aber wie erwartet sehr hoch sind. Und dieser Eindruck zieht sie wie ein roter Faden durch das Album. Egal ob bei dem dunklen, von Pianoklängen begleiteten „Walk These Streets“ oder dem deutlich härteren und weitaus düsteren aber ebenso langweilenden „Documentary of a Gangsta“. Ein kleines Trostpflaster stellt das gut gelaunte, von lauten Synthies getragene „Man Above“ dar, welches Rakim mit ausgezeichneten Strophen ausstattet und zudem gesanglich ideal von Tracey Horton unterstützt wird. Allgemein kann man sagen, dass bei den Gästen eine gute Auswahl getroffen wurde, denn rappende Partner hat sich Rakim (bis auf Maino für „Walk These Streets“) keine ins Boot geholt, was natürlich auch vollkommen unnötig wäre. Stattdessen hat man sich auf die Sorte der singenden Menschen verlassen, und das tut den meisten Tracks gut, auch wenn es nicht dabei hilft den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Davon profitieren beispielsweise Titel wie das von dumpfen Bässen vorangepeitschte „You and I“, welches aber dank dieses 08/15-Beats schnell totgehört ist, was schade ist, denn sowohl Rakim als auch Samuel Christian machen hier eine wirklich gute Figur. So ziemlich das selbe lässt sich auch über das darauf folgende „Won’t Be Long“ sagen, dieses mal verfeinert wieder Tracey Horton den Refrain, wobei man sich bei dieser Nummer fragt ob für den Beat ernsthaft ein professioneller Produzent verantwortlich war oder ein 16-jähriger einfach ein wenig auf seinem MIDI-Keyboard herumgespielt hat.
Und gerade wenn man aus Trauer den Tränen nahe ist, passiert etwas seltsames. „Holy Are U“ ertönt und man fühlt sich als hätte jemand die CDs getauscht und das „echte“ Rakim-Album eingeworfen. Aufgebaut auf wuchtigen Snare-Drums, krachenden Bässen und einem schlichten, aber nicht minder effektiven Synthie-Piano-Zusammenspiel spuckt Rakim grandiose Verse ins Mic. Das ganze wird von einem wunderbaren Vocal-Sample im Refrain perfektioniert und stellt somit den einsamen Lichtblick des Desasters dar… …Denn schnell wird man von „Satisfaction Guaranteed“ aus diesem feuchten Traum gerissen. Die flott vorantreibende Nummer macht nämlich genau da weiter wo „Won’t Be Long“ aufgehört hat: Rakim überzeugt, der Refrain geht gut ins Ohr, der Beat versaut es. „Working for You“ schafft es sich etwas aus dem öden Einheitsbrei abzuheben, denn hier stimmt überraschenderweise der Beat, der auf eine subtile Weise Rakim mit seinen ruhigen Gitarrensounds absolut zufriedenstellend unterstützt.
Aber auch diese Nummer entpuppt sich als Strohfeuer, denn „Message In The Song“ klingt genauso wie der Großteil des Albums, und langsam wird es schwer noch hinzuhören, ein Track klingt wie der andere, nichts sticht hervor. Im ersten Moment macht „Put It All To Music“ den Eindruck, als ob es sich dagegen wehren möchte, denn der softe Frauengesang zu Beginn macht Hoffnungen auf ein gutes instrumentales Gerüst, aber wie sich herausstellt war auch das ein Irrtum, sodass der Finger zur Skip-Taste zuckt, wo „Psychic Love“ wartet, das einem nicht mal Hoffnungen auf einen guten Track macht, denn die dumpfen Bässe lassen erahnen was nun folgt. Ein Beat wie man ihn schon gefühlte 100 Mal auf dem Album durchstehen musste. Und wieder trauert man dem verschenkten Potenzial hinterher, denn Rakim liefert mit den etwas müde klingenden Strophen und dem entspannt gerappten Refrain wirklich überzeugendes Material zum Abschalten, doch der Beat macht ein mehrmaliges, (und vor allem) freiwilliges Hören unmöglich. Und bevor diese maßlose Enttäuschung ein Ende findet, serviert uns Rakim noch rasch zwei Titel, die man gar nicht mal sofort skippen möchte. Zuerst das gut gelaunte „Still In Love“, bei dem sehr gut mit Vocal-Samples gearbeitet wurde, und abschließend das deutlich melancholischer angehauchte „Dedicated“, welches von einem eingängigen Piano und hohen Streichern dominiert wird, aber natürlich vor allem von Rakims Reimen lebt und zudem wunderbar von Frauengesang im Refrain verziert wird.
Und so verstummen die Lautsprecher. 14 Tracks, auf die man zehn Jahre gewartet hat. So bitter es auch klingt, aber der „God MC“ hat versagt. Nicht bei seinen Strophen, das wäre auch eine zu große Überraschung gewesen. Nein, versagt hat er „nur“ bei der Auswahl der Beats, was aber reicht, um das Album, mit Ausnahme weniger Songs, schnell in die Vergessenheit zu schicken. Natürlich bleibt Rakim auch nach „The Seventh Seal“ einer der besten die je ein Mikrofon in der Hand gehalten haben, aber diese Scheibe ist eine Zumutung für jeden Fan. Fazit:
„The Seventh Seal“ raus, „The 18th Letter” rein und vergessen, dass man 10 Jahre auf eine Enttäuschung in ihrer reinsten Form gewartet hat. ********** Einzelbewertungen:
01. How To Emcee --- 04 / 10 02. Walk These Streets --- 05 / 10 03. Documentary Of A Gangsta --- 04 / 10 04. Man Above --- 07 / 10 05. You And I --- 05 / 10 06. Won’t Be Long --- 05 / 10 07. Holy Are U --- 10 / 10 08. Satisfaction Guaranteed --- 06 / 10 09. Working For You --- 08 / 10 10. Message In The Song --- 05 / 10 11. Put It All To Music --- 05 / 10 12. Psychic Love --- 06 / 10 13. Still In Love --- 07 / 10 14. Dedicated --- 07 / 10 Gesamteindruck: 05 / 10 **********
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The Seventh Seal - Rakim
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26.02.2011 19:41
Dank deiner Beschreibung, bin ich neugierig geworden :))! LG Helmut
17.01.2011 13:53
Ich war scon etwas enttäuscht von The 18th Letter - The Book of Life. :L_)
31.07.2010 00:56
schade das man keine musikschnipsel anhängen kann, so wie du das beschreibst interessiert mich das. so muß ich mal auf die suche im web gehen