Erfahrungsbericht über

The Cold White Light - Sentenced

Gesamtbewertung (12): Gesamtbewertung The Cold White Light - Sentenced

 

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There's a Light...

5  08.01.2003 (09.01.2003)

Pro:
Stimmiges Booklet passend zur Musik .

Kontra:
Hier doch nicht !

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

Häufigkeit der Nutzung

Dieser Tonträger ist:

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Michi78

Über sich: Kulturwissenschaftler, Bücherwurm, Vampirbesessen, Tätowiert, Kurzsichtig und leicht verrückt.

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Erfahrungsberichte:145

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 63 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

There's a Light

Oder: Sentenced für Anfänger

Sentenced? Hab ich noch nie was von gehört! Man mag mich für ignorant und unwissend halten (halte ich mich selbst auch, wie konnte eine Band mit so genialer Musik nicht kennen!), aber der Bandname sagte mir überhaupt nichts. Doch einer der positiven Nebeneffekte bei Ciao ist die Tatsache, daß man an guten Emfpehlungen einfach nicht vorbeikommt. So war es mir dann auch unmöglich, in hausfelds Bericht über „The Cold White Light“ die persönlich an mich gerichtete Kaufempfehlung zu überlesen. Und da ich mir ja auch gern mal was sagen lasse, bin ich sofort in den nächsten Saturn gestürmt (denn dort sind CDs gerade billiger) und hielt nach endloser Suche (eher bei „Rock“? vielleicht bei „Metal“? nein, die CD fand sich bei „Independent“) endlich die aktuelle Scheibe „The Cold White Light“ in den Händen. Nun gut, die CD kam schon im Mai 2002 heraus, aber hausfeld mußte mit seinem Bericht ja so lang warten;-)

Nun hatte ich zwar die CD, wußte aber noch immer nichts über die Band. Kein Problem - wozu soll man sich teure Magazine kaufen, wenns auch das Internet gibt. Also ab zu www.sentenced.org und die Bandbiographie angeklickt. Dort fällt mir als erstes auf, daß Sentenced eine finnische Band ist. Die Invasion finnischer Musikkapellen auf den kontinentaleuropäischen Markt sollte langsam mal einer wissenschaftlichen Betrachtung unterzogen werden. Tatsache ist also, daß nicht nur Metal-Ikonen wie Type O Negative oder die Gothic-Girlies 69 Eyes (Schmachtfetzen Ville „HIM“ Vallo lassen wir mal getrost weg) aus Finnland stammen, sondern eben auch die fünf Mitglieder von Sentenced. In der Urbesetzung (mit anderem Sänger) gibt es Sentenced schon seit 1989. Eine lange Zeit... kein Wunder, daß ich sie nicht kenne, denn damals habe ich noch Bravo gelesen. Dreimal haben sie das Label gewechselt, bis sie endlich 1994 bei der deutschen Century Media gelandet sind, die Sentenced mit „Amok“ groß rausbrachten. Sänger und Bassist Taneli Jarva entschied sich dann, die Band zu verlassen (zuviel Ruhm ist bekanntlich ungesund) und seine tiefe, growlige Stimme wurde kurzerhand durch Ville Laihiala ersetzt, der einen sehr klaren Tenor hat und für eine Metalband ungewöhnlich gefällig klingt. Trotz dieses recht gewagten Schrittes ging es mit Sentenced weiter bergauf. Es folgten die Alben „Down“, „Frozen“, „Crimson“ und nach zweijähriger Pause dann „The Cold White Light“.

Wer sein Geld für „The Cold White Light“ ausgibt, bekommt nicht nur gute Musik geboten, sondern auch ein sehr einnehmendes Booklet. Ganz in dunklem grau-blau gehalten sind alle Songtexte abgedruckt und mit Fotografien „aufgelockert“. Auflockern ist dabei eigentlich das falsche Wort: Bei den Bildern handelt es sich um schwer depressive, mit starken Licht/Schatten Kontrasten arbeitende Natur- oder Makroaufnahmen. Höhepunkt der Schwermut ist sicherlich das Bild eines Sarges, der, in einer Kapelle fotografiert, den Rücken des Booklets ziert. Dort findet sich auch, für weitere Referenz, das Lineup der Band:

Ville Laihiala: Gesang
Miika Tenkula: Lead Gitarre
Sami Lopakka: Gitarre
Vesa Ranta: Schlagzeug
Sami Kukkohovi: Bass

Nachdem das Booklet also ordentlich bewundert wurde, sollten wir endlich mal die CD einlegen. Dabei fällt beim ersten Hören eben vor allem Villes Stimme auf. Wo andere Sänger bewußt ihre Stimme um eine ganze Oktave nach unten drücken (was dann unter Umständen auch schon etwas seltsam klingt) wird bei Sentenced in den meisten Fällen auf klaren Gesang gesetzt, was die Musik schon fast (aber eben nur fast) radiotauglich macht. Ansonsten dominieren natürlich Gitarren und Drums, in einigen Songs sind auch kurz Keyboard- bzw. Klaviertöne zu vernehmen.

KONEVITSAN KIRKONKELLOT
Schöner Titel, der meine Freundin gleich zu der Frage hinriß, was denn das „verdammt nochmal“ für eine Sprache sei. Das Intro der CD klingt wie eine finnische Blair Witch Version: Wir starten mit dem Schrei einer Eule - sehr unheimlich. Auch als die Gitarren dazukommen, wird es nur noch unheimlicher. Als Höhepunkt erklingt ein finaler Glockenschlag zusammen mit einem Unheil verkündenden Gitarrenriff. Fast unmerklich geht dieses Intro in Track 2 über.

CROSS MY HEART AND HOPE TO DIE
Noch so ein schöner Titel, mittlerweile aber Gott sei Dank auf Englisch und daher verständlich. Sentenced scheinen sich auf Depression/Melancholie/Tod zu verstehen. Wenn es auch Bands gibt, die defintiv schwermütiger klingen, so sind die Sentenced Texte doch recht finster.

Der eigentliche Opener geht mit zügigem Tempo voran und ich weiß schon nach den ersten drei Takten, daß ich die CD mögen werde (kommt selten vor, sowas). Der Anfang von Gitarre und Drums erinnert fast ein bißchen an die 69 Eyes, aber Villes Gesang bringt dann doch eine ganz andere Note ins Spiel. Nach zwei Minuten scheint der Song schon zu Ende, rafft sich dann aber noch einmal auf: Der Mittelteil wird ruhiger, Textzeilen werden gesprochen, nur mit einem leichten Klangteppich unterlegt, bis alle Instrumente wieder einsetzen und nach einem Gitarrensolo klingt alles einfach aus.

BRIEF IS THE LIGHT
Schon wieder so ein deprimierender Text:
/the bells again ... someone has died
/the bells of the end, toll to remind
/that life's but a race against time

Der Song startet mit einer Gitarre, die mit ein paar fast unhörbaren Orgelklängen unterlegt wurde. Ville setzt mit einem „yeahyeah“ ein und plötzlich wird alle Instrumentierung bis auf eine Gitarre zurückgenommen, um dann langsam während der Strophe wieder aufgebaut zu werden. Die Melodie ist schwermütig, aber trotzdem eingängig. Und wieviel Text Ville in einer Zeile unterzubringen hat, stellt man erst fest, wenn man mal mitsingen will: Da muß man schnell sein! Trotzdem macht der Song eher einen getragenen Eindruck, nur im Refrain wird es etwas rockiger.

NEVERLASTING
Hier geht es wieder etwas schneller zur Sache. Der Schlagzeuger drummt vor sich hin, der Bass zupft sich die Finger wund und Ville hetzt durch seinen Text. Das gibt „Neverlasting“ eine sehr belebte Note, allerdings auf eine eher beunruhigende Art und Weise. Im Refrain dürfen dann auch die anderen Bandmitglieder einstimmen, was im Gegensatz zu Villes überzeugender Stimme (ich kann es nicht oft genug sagen) etwas schwachbrüstig klingt. Gegen Ende des Songs darf die Lead Gitarre mal so richtig loslegen, bis dann nur noch Gesang und eine Art Schnipsen als Begleitung zu hören ist. Der Sound klingt plötzlich nach alter Schellack-Platte und man ist erleichtert, wenn die letzten 30 Sekunden noch mal alle ordentlich loslegen.

AIKA MULTAA MUISTOT (EVERYTHING IS NOTHING)
Und wieder wird es ruhiger. Villes Stimme erklingt nur zu einer Gitarre von ganz weit weg. Als würde er schon von der anderen Seite des Grabes singen +schauder+. Erst nach einer ganzen Strophe wird der Gesang auf normales Niveau hochgedreht. Zur ruhigen Gitarre und dem Schlagzeug kommen Streicher und dann ein einsames Piano, das seine Melodie fast spielt, als wäre alles andere unwichtig. Und nach einem aufbegehrenden „Hey“ wird der Sound plötzlich schwerer, die Gitarren hauen ordentlich rein und es gibt wieder ein Gitarrensolo. Der Song endet wieder mit dem Streicherakkord.

EXCUSE ME WHILE I KILL MYSELF
Bei diesem Titel kann man sich das Schmunzeln einfach nicht verkneifen. Wenn man beschließt, sich zu diesem Song das Gehirn aus dem Schädel zu pusten, dann hat man leider die feine Ironie nicht verstanden;-)
/i will pull this through
/not having a reason is no excuse
/what the hell do you suppose i have left to lose

Der Grundrhythmus ist wieder schneller. Die lapidare Vortragsweise setzt dem Text noch die Krone auf und am Schluß endet das „I kill myself“ in einem so harmonischen Dur-Ton, daß man denkt, man befindet sich in einem Rosamunde Pilcher TV-Movie.

BLOOD & TEARS
Einleitende Gitarren, die Melodie des Refrains wird von der Lead-Gitarre schon einmal eingeführt. Die Gitarrenbegleitung der Strophe klingt fast verspielt.
/we'll lose the things we've fighted for
/each rise is followed by a fall

Die Thematik der Songs besteht weitestgehend aus Tod und Verlust. So natürlich auch hier. Und wieder wird ein wenig an den Reglern gespielt, so daß Villes Stimme noch distanzierter und nur noch spärlich begleitet klingt. Ansonsten ein ordentlicher Song zum Rocken, Bangen und Mitsingen.

YOU ARE THE ONE
Ich habe die starke Vermutung, balladiger wird es nicht werden. Daher ist „You are the One“ sofort eines meines Lieblingslieder. Der Grundrhythmus ist nicht übermäßig langsam und die Begleitung wird noch durch ein Keyboard verstärkt. Im Refrain darf die ganze Band mitspielen, wohingegen in der Strophe die Begleitung eher spärlich ist. Neben der Gitarre läuft noch eine einfache Keyboardmelodie, fast unabhängig vom Rest des Songs.

GUILT AND REGRET
/guilt and regret, they are my two inbred brothers
/guilt and regret
/o god how i hate them both from the bottom of my heart

Was soll der banale Text jetzt plötzlich? Also am besten nicht darauf hören, was hier gesungen wird, es macht ohnehin keinen Sinn. Der Song steigt mit einer einfachen Klavierbegleitung ein: hauptsächlich Akkorde. Dazu stellt Ville dann erstmal die Melodie vor, bevor auch das Schlagzeug einsteigt und als letztes die Gitarren dazukommen.

THE LUXURY OF A GRAVE
Hier geht's ungewöhnlich elektronisch los. Man fühlt sich fast wie im Weltraum - unendliche Weiten. Aber glücklicherweise kommen dann bald Gitarre und Schlagzeug dazu, so daß das Keyboardgeklimper schnöde übertönt wird. Ville zeigt hier mal, daß er auch rauher kann. Growlen kann man es nicht nennen, aber seine Stimme ist hier eindeutig kantiger als in den anderen Songs (Wodka? Zigaretten?). Es geht, wie sollte es auch anders sein, um Tod:
/when you get finally rid of me
/just let my corpse decay - unburied
/i do not deserve the luxury of a grave

Das wird alles ziemlich gleichgültig vorgetragen, wieder mit einem ordentlichen Tempo, daß nur im Mittelteil bei den Solos etwas zurückgeschraubt wird.

NO ONE THERE
Die Singleauskopplung von „The Cold White Light“ zu der auch ein sehr melancholisches Video existiert (mit wunderschönen Bildern, Prädikat „unbedingt sehenswert“). Schon die Anfangstöne künden von der melancholischen Grundstimmung und Ville trägt seine Strophe nur mit spartanischer Begleitung von Gitarre und Schlagzeug vor. Weniger ist hier zunächst mehr. Erst langsam steigern sich die Instrumente und im Refrain setzen dann alle ein. Der Song ist eingängig genug, als daß er auch mal bei MTV laufen könnte (wenn es schon das Video gibt, sollte man es auch mal im TV sehen dürfen!), aber trotzdem so voller Schwermut, daß er nicht aus dem Gesamtkonzept des Albums herausfällt. Hier kommt auch wieder das Klavier zum Einsatz, das eine ganz unkomplizierte Melodie spielt - scheinbar nur für sich selbst. Gegen Ende wird der Song immer verzweifelter und endet mit der ziemlich einsamen Klaviermelodie und einem dazugemischten Windgeräusch.

Nach dem Lied setzt wieder die Eule vom Anfang ein (wir erinnern uns: Blair Witch), es kommen ein paar elektronisch verzerrte Grillen dazu (so würde ich dieses unheimliche Geräusch jedenfalls bezeichnen). Alles wird lauter, kraftvoller, unerträglicher und einfach schräg. Wenn man die CD allerdings mit Repeat laufen hat, bildet dieser akustische „Waldeindruck“ einen gelungenen Rahmen um die restliche CD.

Was könnte man abschließend noch sagen? Sentenced war definitiv die Entdeckung wert. Die Songs sind melodisch, gehen ins Ohr und sind dabei trotzdem noch lange kein Mainstream. Wer wie ich eine leichte morbide Ader hat, wird auch an den Texten Gefallen finden und Sentenced lange Zeit nicht aus dem Player nehmen. Wer sich erstmal einen Eindruck verschaffen will: Als Anspieltips würde ich „Brief is the light“, „You are the One“, „The Luxury of a Grave“ und „No One There“ besonders empfehlen. Allerdings ist „The Cold White Light“ eines der wenigen Alben, auf denen kein Lied ein Füller ist. Man fühlt sich in keinem Moment versucht, die Skip-Taste zu betätigen.
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Allgemeine Infos
Sentenced
„The Cold White Light“
Century Media, 2002

Carpe Noctem! Michi, Januar 2003.

Mit herzlichem Dank an Lothar;-)
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
voodoo-666

voodoo-666

02.07.2003 13:48

SeNtEnCeD ist einfach nur genial! Mehr kann man über die Band und ihre hIsToRy nicht schreiben! ;) ..., auch wenn mir der Vorgänger "cRiMsOn" noch einen Tick besser gefällt als "tHe cOlD wHiTe lIgHt" ^^ ..., aber bla, dieses Album rockt einfach!!! » rEaD dIcH «

Chaotin6

Chaotin6

09.04.2003 12:48

freu mich schon die dieses jahr endlich live zu sehen!! hab auch mal ein paar lieder von "the cold white light" gehört und fand die (wie die anderen lieder die ich von denen kenne) echt hammer!!

Sepp-das-Wiesel

Sepp-das-Wiesel

28.02.2003 23:45

Hättest die Jungs mal Live erleben sollen! In Nürnberg kochte der Saal, die Songs bekommen gerade Live eine noch bessere intensität -- töffter Text übrigens -- Gruss vom Sepp

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  1. Schnuffelelch
  2. voodoo-666
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