Das königliche Gen...
02.05.2003
Pro:
mehr als eine Handvoll überdurchschnittliche Rocksongs; "Everything Too Short" ist gar ein Meisterwerk; erinnert angenehm an große Bands; vielfältig und abwechslungsreich
Kontra:
ein Song gefällt mir nicht ("Thirteen")
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 ABCElmo
Über sich:
"Der stete Ruf nach mehr Menschlichkeit vergißt mitunter, daß das Menschsein jahrhundertelang g...
Mitglied seit:30.09.2002
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Manchmal gibt es solche Glücksfälle. Da stöbere ich in den CDs meines örtlichen Plattendealers herum, und greife nach einer CD, obwohl die Band mir rein gar nichts sagt. Ja, ich finde nicht einmal das Cover besonders ansprechend, einmal abgesehen von dem Namen. Es ist wohl der Mangel an interessanten CDs, die ich an diesem Tage vorfinde, der mich dazu treibt, die CD nicht gleich wieder ins Regal zu stellen. Was soll´s, reinhören kostet nichts. Und keine 5 Minuten später wechselte die CD bereits ihren Besitzer. So erging es mir mit Union Youth und ihrem Album „The Royal Gene“, das ich nun seit nicht einmal einer Woche besitze und seither rauf und runter höre. Es reichten nur wenige Minuten des Probehörens, bei dem ich lediglich die ersten beiden Stücke anspielte, damit ich überzeugt war, daß ich dieses Album haben muß. Warum das so war, soll im späteren Verlauf geklärt werden, zunächst erst einmal einige Infos zu der Band Union Youth:
Die Band stammt aus Bad Bentheim und ging aus der Band Jonas hervor, die in den späten Neunziger Jahren von Tocotronic „entdeckt“ und gefördert wurden und mit "Suicide September Relationship" und "Sorry, I'm Sorry, I'm Sorry" zwei Alben auf Tocotronic´s eigenem Label Rock-o-Tronic veröffentlicht wurden. Der Erfolg wollte sich mit ihrer melancholischen Rockmusik allerdings nicht einstellen, und so löste sich die Band bald wieder auf. Matthias Exler (Gitarre und Gesang) und Jan Van Triest (Baß) machen erst einmal alleine weiter, und wenden sich gleichzeitig von ihren Förderern Tocotronic ab. In Zusammenarbeit mit Kurt Ebelhäuser (u.a Produzent von Scumbucket und Blackmail) entsteht im Jahr 2001 ein 5-Track Demo. Unter dem Namen „Union Youth“ werden die ersten Konzerte bestritten, u.a. im Vorprogramm von Scumbucket, Blackmail und Bush. Die Konzerte verlaufen so erfolgreich, daß jede Menge Plattenfirmen auf die Band aufmerksam wird, ein gewisser Fred Durst (seines Zeichens Frontmann der Band Limp Bizkit) wird auf die Jungs aufmerksam, doch Union Youth schlagen ihre Zelte bei EastWest auf, da ihnen dort mehr künstlerische Freiheiten eingeräumt werden.
Die Bandmitglieder selbst legen ihre deutschen Namen ab (in Hinblick darauf, daß die Band nicht nur im deutschsprachigen Raum vermarktet werden soll, nicht allzu falsch) und nennen sich fortan Maze Budget (Gitarre und Gesang), Bowy (Schlagzeug), Nosse K. (Bass) und Jon Orion (Gitarre). (Quelle der Band-Infos: http://www.laut.de/wortlaut/artists/u/union_youth/biographie/)
Im September 2002 erscheint das Debüt-Album der Band „The Royal Gene“. Und von diesem Album sollen die folgenden Textzeilen handeln:
1. „Fruits For The Nation“ (3:42) Der erste Song des Album ist auch gleichzeitig die erste Single. Nach einem kurzen Gitarrengeräusch-Intro setzen deftige Riffs ein, ehe dann die Strophe von Baß und Schlagzeug vom Rhythmus dominiert werden, der Gesang klar, noch aber recht unaufregend ist. Im Refrain dann geht´s wieder deftiger zur Sache, die Riffs vom Beginn finden sich wieder ein und Sänger Budget röhrt aggressiv wie Kurt Cobain zu seinen besten Tagen. Da werden bei mir gleich sehr angenehme Erinnerungen an den Nirvana-Frontmann wach. Die anschließende Strophe wird dann durch füllende Riffs ergänzt, insgesamt erinnert mich die Gesangsführung hier deutlicher an die Smashing Pumpkins („Bullet With Butterfly Wings“) als noch in der ersten Strophe, diesmal aber mündet die Strophe in einen anderen Part, der mir allerdings doch zu lasch ist. Die Gitarren eher im Hintergrund, der Gesang fast schon gelangweilt. Zum Glück finden die Jungs aber zum dröhnenden Refrain zurück, ja sie variieren zum Ende hin auch noch herrlich, da ist auf einmal nur die Gitarre zu hören mit luftigen Tönen, ehe die Band es danach dann richtig krachen läßt. Hui, da freut sich mein Grunge-Rock-Herz, wäre da nicht der lasche Part wäre der Song herausragend.
2. „Planet Of Pity“ (2:59) Jetzt geht´s was flotter zur Sache, ziemlich punkig die Riffs, das Schlagzeug schön scheppernd, Budget schreit sich verraucht die Seele aus dem Leib, um dann im Refrain etwas an Aggressivität rauszunehmen, ebenso wie die Gitarren, die durch die länger gezogenen Riffs einiges vom Tempo rauszunehmen, um dann in den Strophen wieder richtig aufs Gas zu treten. Hat vielleicht nicht so großartige Momente wie der erste Song, aber rockt von vorne bis hinten mit klasse Riffs, besonders das Gitarrensolo zum Ende hin kann ich noch hervorheben. Gute Up-Tempo-Nummer.
3. „Dead-Beat Type“ (4:34) Diese Nummer nimmt dann wieder etwas Tempo raus. Nach deftigem Beginn beschränkt sich die Strophe lediglich auf dezente Gitarrentöne und Gesang, zu denen sich erst recht spät Schlagzeug und Baß gesellen. Das Ganze wirkt dann auch eher nachdenklich, und in Kombination mit dem wieder deftig rockenden Refrain erinnert der Song ziemlich an die Smashing Pumpkins. Wenn die Band Corgan und Kollegen als Vorbild gehabt haben sollten, muß ich doch sagen, daß sie diese mit diesem Song wenn dann nur im Ansatz erreichen. Erst gegen Ende kann auch mich der Song etwas mitreißen, mehr aber auch nicht. Durchschnitt.
4. „Strawberry“ (4:07) Wieder ein Song, bei dem sich ein Vergleich anbietet. Nirvana liegen auch hier nicht weit weg, der Song klingt ziemlich krachig, was aber nicht negativ gemeint ist. Heftige Passagen wechseln sich mit schönen Baßläufen ab, teilweise wird´s auch richtig schön metallisch, nach zwei Minuten sogar für einige Momente ziemlich spacig-psychedelisch, und schließlich findet sich auch eine einem Stoner-Song entnommene Gitarre ein, ehe dann auch noch Monster Magnet grüßen. Und das tolle daran: Was sich jetzt sehr chaotisch liest, harmoniert klasse. Da fügt sich ein Part in den anderen, als sei es selbstverständlich. Am Ende bläst der Song mit seinen tiefen Riffs dann alles weg, was den Song letztendlich deutlich über den Durchschnitt hebt.
5. „Reverse Reverse“ (3:58) Was zu Beginn noch sehr psychedelisch klingt, vor allem dank der „Unterwasser-Gitarre“, endet in einem ähnlichen Mischmasch wie „Strawberry“. Der Refrain nämlich präsentiert sich mit hüftbetontem Rhythmus und knarzigen Gitarren, in der nächsten Strophe dann klingt der Gesang frech-rotzig nach den Sex Pistols. Im Anschluß an den zweiten Refrain dann packen die Jungs auch noch herrliche Riffs raus, variieren an allen Ecken und Enden, immer wieder finden sich neue Elemente ein, und heraus kommt ein wiederum überdurchschnittlicher Rock-Song.
6. „Everything Too Short“ (7:34) Meine Damen und Herren, ich präsentiere einen Übersong. Siebeneinhalb Minuten soll er dauern, und keine einzige Sekunde kommt auch nur ansatzweise Langeweile auf. Was sehr verspielt beginnt mit Gitarrenspielerei mündet schließlich in einen explosiven satten, von tiefen, kräftigen Riffs vorgetragenen Groove, der mich sofort mitreißt. Da dröhnt es voll aus den Boxen, die spätestens jetzt voll aufgedreht sein sollten. Die Strophen sind von entspannender Natur, der Gesang ist fast schon verkifft und vernebelt. Das klingt fast so, als hätte sich die Band vorgenommen, „Demon Cleaner“ von Kyuss mit dem Wüstengroove eben jener Band zu verknüpfen. Das fegt alles weg, sobald die Riffs aufdrehen, und entspannt ungemein in den ruhigeren Passagen. Teilweise kann man dem Gesang auch eine Vorliebe für die Queens Of The Stone Age entnehmen. Wer nach 5 Minuten glaubt, die bisher entfachte Begeisterung über den Song sei nicht mehr zu steigern, hat das beste noch gar nicht gehört. Die nach 5 Minute eintretende Gitarrenmelodie, die die Melodie des Gesangs der Strophen übernimmt, erzeugt Gänsehaut, ist traurig, ergreifend, und wunderschön. Sowas hab ich meinen Lebtag noch nicht gehört. Und selbst das wird fast noch getoppt. Wie der Song in der letzten Minute schließlich an Power noch zulegt, sich alle Energie scheinbar auf das Finale konzentriert, ist erste Klasse. Da hämmerts aus den Boxen, als gebe es kein Morgen. Zusammengefaßt. Ein Song, auf den jede andere Band neidisch sein darf. So ein Song gelingt einer Band wohl nur einmal im Leben.
7. „Inbreeding“ (3:52) Wieder flotter wird´s mit „Inbreeding“, der insgesamt wie schon „Planet Of Pity“ sehr punklastig ausgefallen ist. Schweinerock nennt man das wohl, wie ihn Gluecifer oder die Hellacopters spielen, die Riffs recht tief, die Gesangsmelodie geht in Ordnung, während sich die Gitarren in den Strophen etwas zurückhalten, drehen sie im Refrain dann richtig auf und rocken derbst ab. Gibt´s nicht viel zu meckern, mit einzelnen harmonisch eingefügten Parts bietet der Song auch genug Abwechslung um ihn als gut durchgehen zu lassen.
8. „In My Heart“ (2:26) Hui, da stampst´s gewaltig. Was zunächst wie Nirvana zu Bleach-Zeiten klingt – sprich, ziemlich krachig mit monoton brüllender Stimme und Gitarren im Hintergrund, die einfach das zu spielen scheinen, was ihnen gerade in den Sinn kommt, läßt schließlich auch ein Faible für die Queens Of The Stone Age („Six Shooter“) erkennen. Da wird sich gebrüllt als gebe es kein Morgen, ziemlich anarchisch und aggressiv das Ganze, wobei der Song aber so viele Elemente besitzt, die sofort Spaß machen, schön zum Luft rauslassen.
9. „Vanity Rock“ (4:12) Mit „Vanity Rock“ wird zwar gerockt, aber doch bedächtiger als zuvor. Die tiefen Stoner-Riffs walzen sich sofort in die Gehörgegend, die Gesangsmelodie kommt mir zwar irgendwie bekannt vor, auch die Riffs erfinden die Jungs sicher nicht neu, aber alles in allem ist mir das sowas von egal, weil das einfach alles paßt wie die Faust aufs Auge. Das sind etwas mehr als 4 Minuten purer Rock, mit himmlischem Gitarrensolo und vernebelt ruhigem Part in der Mitte. Ziemlich guter Song.
10. „Thirteen“ (4:16) Willkommen in Deinem Alptraum. Die Gitarren bewegen sich in nicht mehr wirklich irdischen Gefilden, schweben luftig in ganz anderen Regionen. Sänger Budget klingt auch wie eigentlich nicht ganz da, müde und erschöpft, vielleicht zumindest im Ansatz vergleichbar mit der Stimme der Screaming Trees. Insgesamt ist mir der Song allerdings zu psychedelisch, zu ruhig, zwar tauchen zur Mitte hin ein paar heftigere Gitarren auf, doch das alptraumhafte Thema des Songs mag mir nicht so ganz zusagen.
Fazit: Bei der Beschreibung der Songs sind viele Namen gefallen. Nirvana, Smashing Pumpkins, Queens Of The Stone Age. Drei Bands, die an sich erst einmal nur Eines gemeinsam haben. Sie haben musikalische Meisterwerke hingelegt. „Nevermind“ 1991, „Mellon Collie & Infinite Sadness“ 1995 und „Songs For The Deaf“ (2002). Alle drei Alben würden von mir 6 von 5 möglichen Punkten bekommen. Allerdings hätte ich nie gedacht, daß sich diese Bands musikalisch verknüpfen lassen. Doch Union Youth beweisen mir das Gegenteil. Man könnte jetzt hingehen und sagen, die deutsche Band würde sich nur das Beste herauspicken, Oder einfacher gesagt: Sie würde schlicht kopieren. Doch die Band macht mehr. Union Youth zitieren vielleicht an einigen Stellen diese großen Bands, doch wissen immer wieder mit eigenen, großen Ideen und eigenen Elementen zu überzeugen, so daß von Eigenständikeit jederzeit gesprochen werden darf.
Ich selbst habe jedenfalls selten eine deutsche Band so großartig im Alternative Rock Bereich musizieren hören. Erst recht nicht mit einem Debüt-Album. Ich hab das Gefühl, aus Union Youth wird noch etwas ganz Großes, und das nicht nur im deutschsprachigen Raum. Letztendlich vergebe ich für „The Royal Gene“ sehr gute 4 Punkte, da es bis auf „Thirteen“ für meinen Geschmack keine Ausfälle gibt, „Everything Too Short“ sogar ein Meisterwerk ist, aber kein anderer Song ähnlich herausragend ist, wodurch das Album die 5 Punkte knapp verfehlt. Empfehlenswert ist es aber auf jeden Fall, wer Nirvana oder die Queens Of The Stone Age mag sollte sich dieses Album nicht entgehen lassen.
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26.10.2004 22:21
Ja, so kann man das wohl auch sehen. Nur den Vergleich mit Nirvanas "Bleach" Album muss ich leider als Sakrileg werten. Bei mir erhält "The Royal Gene" einen Stern weniger.
25.09.2004 12:04
ich mag das ganze album gern, und vorallem live ist thirteen genial! naja, is aber eben alles geschmacksache....trotzdem ein guter artikel
12.05.2003 12:13
Danke für diesen gelungenen Bericht!