Erfahrungsbericht über

Things to Make and Do - Moloko

Gesamtbewertung (3): Gesamtbewertung Things to Make and Do - Moloko

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Verliebt in eine Stimme

5  23.02.2002

Pro:
Einfach alles

Kontra:
Keine leichte Kost .  .  .

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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dasinnerevombroetchen

Über sich: von knapp 500 cis-mails hab ich knapp 491 gelöscht. bin ich wieder hier? nun, wenn ich mich mit den...

Mitglied seit:30.10.2001

Erfahrungsberichte:77

Vertrauende:53

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 119 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Plattenbörse.
Schon wieder.

Stöbern. Hier was finden, dort... *hm*
„Moloko“... Hab ich doch schon mal gehört. War das nicht die leckere Blonde (Zitat: Ralf Morgenstern)? Was hat denn die...? „The time is now“! Ach ja, und „Sing it back“! Die waren toll!

Nach kurzem handeln („Wieviel?“ „Zehn Mack“ „Alles klar“) hab ich die Scheibe eingepackt.

„Things to Make and Do“. Das war im August 2001.

Daheim angekommen – das Tütchen war voll bis obenhin – ging´s los...

...Oktober 2001: *hui* Da war ja noch eine...
„Moloko“? Wieso hab ich mir die denn gelegt? Wer war denn das...?

Heut könnt ich mich kloppen das ich so lange gewartet hab. Aber seht selbst!


Die Künstlerin
_________

Moloko ist eigentlich im wesentlichen die Frontfrau Roisin Murphy. Um die Enstehung zu „Moloko“ gibt es eine nette Anektode:

So soll Roisin (eine knackige junge Irin [Anm. des Schreiberlings]) 1994 auf einer Party in Sheffield kurzerhand den Produzenten Mark Brydon angelabert haben: „Do you like my tight sweater?"
„There´s a track in that!“ ist die schlichte Antwort. Dem geneigten Leser fällt etwas auf:
Das 1995 erschienene Debutalbum heißt: Do You Like My Tight Sweater?“

In der Tat wird die erste Scheibe ein Erfolg. Die Rhythmen sind sehr ungewöhnlich, aber nicht zuletzt der Erfolgs-Single „Fun For Me“ spielen sich Moloko in die Herzen der Fans.

Danach wird es ein wenig ruhig, und 1998 erscheint das Album „I Am Not A Doctor“. Eine nette Scheibe an sich – anfangs geht sie allerdings gnadenlos unter. Warum bin ich mir nicht sicher, jedoch stehen 2 Dinge fest:
1. Sie sind ihrer Linie treu geblieben (alle Stücke gehen super in die Beine) und 2. Als die Single „Sing it Back“ erscheint erinnern sich auf einmal alle Fans wieder an die Irin und der Sturm geht erneut von vorne los.

Ein geschickter Schachzu wie sich zeigen sollte, denn die Single erschien kurz vor ihrem letzten Album, „Things To Make And Do“ (April 2000).

Noch ein Wort zu dem Namen Moloko – der dürfte auch einigen, vor allem den Cineasten unter uns, bekannt vorkommen. Anthony Burgess schrieb einmal ein Buch – „A Clockwork Orange“, das später meisterlich verfilmt wurde (von Meister Stanley persönlich, aber das ist eine andere Geschichte). In diesem Buch gibt es einen Drink der Moloko heißt – was dort so viel wie Milch bedeuten soll.


Grundlegendes zur CD
___________________

Wem die bisherigen Werke von Moloko ein Begriff sind, dem wird „Things To Make And Do“ wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Getanzt werden darf nur sehr selten. Im Gegenteil – die Platte ist gerade zu Beginn nur sehr schwer zugänglich. Wer sich aber die Mühe macht und sich einhört wir schier unglaublich dafür belohnt!
Moloko wollen sich in kein Konzept pressen lassen; ursprünglich Trip-Hop, treffen auf dieser Platte Generationen aufeinander. Hip-Hop-Hintergründe, Gitarre und Bass, hin und wieder Saxophon, mal ein wenig Elektro-Sound UND – dasinnere ist verliebt – die gute, alte Hammond – Heim – Orgel!

Das Cover wirkt fast ein wenig wie das erste hören des Albums. Chaotisch. Eine Collage aus weis-nicht-was.
Aber das ist imho sowieso nebensächlich!


Die Tracks
_______

Radio Moscow
Eigentlich nicht erwähnenswert, da es sich nur um ein wirklich sehr kurzes Intro handelt.

Pure Pleasure Seeker
Ein Saxofon, gepaart mit hartem, taktangebendem Schlagzeug. Ein relativ langes „Intro“ führt zu diesem unglaublichen Gesang. Wenn man sich in eine Stimme verlieben kann, dann bestimmt auf diesem Album! Die ganze Palette ihre Stimme wirft Roisin gleich bei diesem Stück in die Waagschale. Mit größtem Erfolg!
Phasenweise wirkt sie wie eine Sängerin, die in anrüchigen Bars ihr Geld verdient, stellenweise möchte man schmelzen, weil man eine so klare Stimme noch nicht gehört hat.
Dieses Stück entwickelt sich mit dem hören. Aber nur kurz reinhören bringt wie gesagt bei der ganzen Platte nichts...

Absent Minded Friends
Ich hab mal gelesen, das es auf diesem Album Casio-Plastiksound geben soll. DAS ist wohl damit gemeint. Ein mehr als eigenartiges Intro führt zu einem Lied das den Hörer in die Knie zwingt. Wie kann ein Mensch allein eine solch großartige Stimme hat? Vor allem auf den Text sollte man bei diesem Lied achten. Bei diesem Song wurde ich das erste mal so richtig ins Moloko-Universum gezogen...
Zusammengehalten wird das Stück von diesem umwerfenden Gesang, der sich sanft - wie Seide - über die Stackato-Musik legt.
Den Musik-Stil würde ich hier schon beinahe im Trip-Hop ansiedeln, aber wenn am Ende die gute, alte Hamman einsetzt verliert man jeglichen Bezug zu irgendeinem Stil.
Aber das ist egal!

Indigo
Ein seltsames Stück. Dieser Track erinnert mich zu Beginn ein wenig an ein Musical... und plötzlich ist man mittendrin: der harte Beat im Hintergrund wir diesmal nicht überdeckt, er wird unterstützt von Roisin´s Gesang. Ich habe noch nie eine Frau so mit ihrer Stimme spielen hören! Die ganze Zeit über hat man das Gefühl aufgefordert zu werden. „Steh auf und tanze!“ scheint die Stimme zu sagen. Na gut...

Being is Bewildering
*wow * Gitarre, Heim-Orgel. Das sind die Instrumente. Mir läuft bei diesem langsamen Stück immer der kalte Schauer über den Rücken. Ganz aufgeregt bin ich.
Es beginnt harmlos mit einer Gitarre und – wie sollte es anders sein? – einem Hammer von Gesang. Auch wenn Roisin eigentlich die ganze Zeit einen absolut astreinen Gesang abliefert läuft doch hier irgend etwas aus dem Ruder. Spielend scheint sie eine Tonlage zu halten von der andere Sängerinnen nur träumen können.
Wenn im Verlauf des Liedes noch die Orgel einsetzt wird man einfach mitgerissen in die Welt des Träumens. Fantastisch.

Remain the Same
Orgel-Intro (hab ich schon erwähnt das ich auf Orgel steh?) – und plötzlich ein stakato – elektro – Rhythmus.
Hier ist die Stimme klar, da auf einmal hart und uneinsichtig. Der Track springt zwischen dem Lied und dem Refrain das es eine wahre Freude ist. Fast könnte man meinen zwei verschieden Frauen zu hören.
Zum Stil ist wenig zu sagen, da doch sehr wild gemixt wird. Wenn man allerdings einmal drin ist kann es ein absolutes Lieblingsstück werden!

A Drop In The Ocean
Und so klingt es auch – wie ein Tropfen im Sound-Ozean. Ein wildes Elektro-Intro führt zu einem einfachen Schlagzeug-Stück, das, mit einer sehr dezenten Gitarre untermalt, hin und wieder von bizarren Elektro-Einlagen unterbrochen wird. Sehr schwer zu greifen, das Stück, aber immer wieder werden einem Passagen aus dem Gesangsstil bekannt vorkommen. Unbedingt Zeit nehmen dafür!

Dumb Inc.
Ja, was ist das denn? Elektronischer Bossa-Nova aus dem Heimorgel – Rhythmus – Reservoir? In der Tat, das ganze Lied über nur dieser monotone, vorprogrammierte Sound. Elektronische Spielereien schlängeln sich wie kleine Würmer durch das Lied. Muß ich irgend etwas zu dem Gesang sagen?

The Time Is Now
Das Lied lief in allen Musiksendern hoch und runter. Gitarre, harter Bass, Engelsgesang.
Das Liedchen vermittelt einen wunderschönen Drive. Träumen erwünscht! Anspieltipp!

Mother
Jetzt wird´s mal wieder kompliziert. Der Sound wirkt ein bißchen wie Freak-Show; etwas anderes fällt mir dazu wirklich nicht ein! Ein sehr kompliziertes Stück, das ich wirklich jedem selbst überlassen muß.
Mein Fall ist es nicht. Nicht, das es mich abschreckt, aber es unterbricht imho einfach das „Fließen“ der Scheibe.

It´s Your Problem
Und das ist es wirklich! Der Sound wird immer abstrakter. Alles elektronisch verzerrt. Und wenn ich alles sage, dann mein ich das auch! Nicht mal mehr der Gesang wurde verschont. Nur ein kurzes Intermezzo, aber auf alle Fälle ein gelungenes Experiment!

It´s Nothing
Jetzt wird es wieder klar, und fast schon ist es nach den letzten Stücken so, als würde man eine Ohrfeige bekommen. Der Sound hält sich – zwar hart und immer präsent, trotzdem – immer im Hintergrund. Der Text zählt. Der Gesang. Hier wurde ein wenig gespielt, hin und wieder ein „nachziehen“ eingebaut.
Verrat mir mal jemand, wie ein Mensch so hoch singen und dabei immer absolut klar bleiben kann. Kein zittern in der Stimme, keine „Unebenheit“...

Bingo Massacre
Ist nur halb so schlimm wie´s klingt. Ein Intro, ein kleines Vorspiel auf das Folgende...

Somebody Somewhere
Wer das zuvor laufende „Biongo Massacre“ ausläßt verpasst doch einiges von dem Stück! Ein wahnsinniger Drive geht auch von diesem Lied aus. Ein Duett, allerdings nicht im herkömmlichen Sinne. Anhören und mitwippen!

Just You And Me Dancing
Ein sehr wildes Intro – ein sehr wildes Lied. Meine geliebte Orgel übernimmt die Führung. Beinahe kommt es einem so vor als wäre es der Gesang, der diesmal unterstützend wirkt. Wiederum nur ein kurzes Intermezzo mit hohem Spaß-Faktor!

If You Have A Cross To Bear You May As Well Use It As A Crutch
In der Tat, ein sehr komischer Titel zu einem sehr komischen Lied. Aber DAS muß man wirklich gehört haben. Klingt wie eine Mischung aus Rocky-Horror und weis nicht was. Die Melodie kenn ich auf alle Fälle!
Der verzerrte Gesang gibt dem ganzen einen recht unheimlichen Touch! Anspieltipp! (Und verratet mir woher ich die Melodie kenne)

Keep Stepping
Nicht erwähnenswert – ein kleines Intro zu „Sing It Back“.

Sing It Back (Boris Musical Mix)
Ein extra langer Club-Mix des bekannten Hits. Eines der „leichten“ Stücke. Wer sich hier nicht bewegt ist selbst schuld!


Fazit
_____

Ich wollte mich ohrfeigen! Wie konnte ich ein solches Schmuckstück so lange unbeachtet lassen?

Der Gesang... Wie gesagt, wenn man sich in eine Stimme verlieben kann, dann ist es hiermit bei mir geschehen! So facettenreich habe ich bis jetzt kaum eine CD erlebt. Zum einen sind da die verschiedenen, zum Teil im Stück selber, Stile, zum anderen diese Stimme!
Roisin beherrscht wirklich spielend jede Tonlage, sie wirkt fordernd, erleichtert, glücklich, je nachdem was gerade gut passt.

Und immer glaubwürdig!

Ok, ein wenig Zeit nehmen sollte man sich. Ausserdem sollte man ein Faible für Experimente haben.
Stimmen diese Voraussetzungen kann´s losgehen!

Bei mir war es der Anfang einer wunderbaren Freundschaft...
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Daniel-Becher

Daniel-Becher

16.12.2002 15:14

Da trink ich jetzt erstmal ein Glas Milch drauf ;))

logan

logan

26.10.2002 02:07

stimmt, ein tolles album. indigo hat fast den gleichen rhythmus wie the passanger von iggy pop. überhaupt könnte das zu soundtracks wie trainspotting oder a life less ordinary passen. sehr schöner bericht, auch!

BettyPage77

BettyPage77

23.03.2002 00:09

...ich hab noch das andere album, wo dieses "fun for me" drauf ist, lief bei mir ne zeitlang rauf und runter. auf der "things to make and to do" ist "indigo" einer meiner fav´s, "sing it back" fand ich irgendwie zu anstrengend....aber stimmt schon, die dame ist echt cool. hab mal ein interview mit ihr und charlotte roche gesehen, war sehr amüsant...grüße, meinereiner

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  1. nicki28
  2. SERENA1974
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