Aus der Blütezeit des Projects
27.06.2004 (28.06.2004)
Pro:
Hervorragend komponiert und arrangiert
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Milsch
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:192
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vier Jahre nach dem legendären Erstling „Tales Of Mystery And Imagination“ gelang den Machern des Projects, Alan Parsons und Eric Woolfson, nach mehreren auch durchaus guten bis sehr guten Alben hier wieder ein grosser Wurf. Zwischen allen bis dahin veröffentlichten Studioalben weisen die „Tales“ und „Turn Of A Friendly Card“ auch die grössten Parallelen auf. Parallelen zum grossen Debut-Album ----------------------------------------------------
Erstens hat Alan Parsons nach einigem Experimentieren mit Synthesizern und Computern hier wieder verstärkt zu Gitarre und klassischem Keyboard gegriffen. Natürlich setzt er Synthesizer ein, doch dominieren sie weniger als auf den Vorgängern, das Album wirkt dadurch bodenständig und sogar rockig – allerdings niemals schlicht, denn die Kompositionen sind wieder durchweg auf hohem Niveau und die Arrangements gewohnt ausgefeilt. Zweitens bringt Parsons (zu LP-Zeiten auf der 2. Seite) wieder ein monumentales Stück mit etwa einer Viertelstunde Laufzeit, und er setzt auch wieder reichlich Orchesterklänge ein, die allerdings hier eher den Klangteppich bilden und sich den anderen Instrumenten unterordnen müssen.
Und drittens verfolgt er mit „Turn Of A Friendly Card“ wieder den Gedanken eines Konzeptalbums, das ihm so sehr liegt. Diesmal hat er sich das Thema „Spiel“ in seiner weitesten Bedeutung gewählt, alle Songs drehen sich mehr oder weniger darum, bis auf das Instrumental „The Gold Bug“ – übrigens eine Geschichte von Edgar Allan Poe, um den es in den „Tales“ ging, und damit eine augenzwinkernde Erinnerung an sein erfolgreiches Debut. Die Songs ---------------
Mit kräftigen Fanfarenklängen und grossem Orchester eröffnet Parsons, um dann aber sehr schnell in aggressive Gitarrenriffs und griffigen Beat überzuleiten. „May Be A Price To Pay“ ist ein astreiner Mainstream-Rocksong, gefolgt von „Games People Play“, einer recht erfolgreichen Up-Tempo-Nummer, die sich auch auf fast allen Best-Of’s wiederfindet. Hier wird das Thema Spiel inhaltlich bereits variiert: geht es im Eröffnungstrack noch um Glücksspiel und damit verbundenen Kontrollverlust, so werden jetzt die zwischenmenschlichen Spielchen thematisiert, die zwei Menschen miteinander treiben können, die mit ihrem Leben nichts Rechtes anzufangen wissen. Der immer wieder einsetzende, hektische Orgelsound kann bei diesem Song allerdings nervig werden. „Time“ ist dann eine wunderbar ruhige, von einem schleppenden Schlagzeug getragene Ballade, die auch musikalisch das Dahinfliessen der Lebenszeit symbolisiert. Es folgt ein Stück über einen Spieler, der nicht aufhören kann („I Don’t Wanna Go Home“), eine angerockte Nummer mittleren Tempos, die vor allem durch die geschickt verschachtelten, kanonartigen Gesänge hervorsticht. Für mich persönlich ebenfalls einer der besten Parsons-Song, der aber immer ein Titel aus der zweiten Reihe blieb.
Anschliessend kommt das bereits erwähnte, melodische Instrumental „Gold Bug“ – im Gegensatz zu anderen instrumentalen Stücken des Projects auch sehr durch klassische und akustische Instrumente dominiert und damit gut ins Gesamtbild des Albums passend. Danach sind wir schon beim Epos des Titelsongs, insgesamt wiederum in 5 Stücke unterteilt: „Turn Of A Friendly Card Part 1+2“ bilden Auftakt und Schluss. Diese sehr melodische, von intensiven Streichern getragene Ballade dürfte vielen auch als Single-Auskopplung bekannt sein. Desweiteren „Snake Eyes“, das in Rhythmus und Melodik stark an „I Don’t Wanna Go Home“ angelehnt ist – auch dies ist eine Spezialität von Parsons, Motive in geeigneter Form und an passenden Stellen zu wiederholen und damit seinen Werken einen Gesamtrahmen zu geben. “The Ace Of Swords“ ist wiederum ein rockiges Instrumental, und „Nothing Left To Lose“ ein schönes, einfaches Lied, im wesentlichen nur von akustischen Gitarren begleitet und gesungen von Eric Woolfson selbst.
Tracking List ------------------ 1. May Be A Price To Pay 2. Games People Play 3. Time 4. I Don’t Wanna Go Home 5. The GoldBug 6. The Turn Of A Friendly Card a) Part One b) Snake Eyes c) The Ace Of Swords d) Nothing Left To Lose e) Part Two Fazit -------
Parsons hat sich hier – vielleicht stärker als bei jedem anderen Werk seit seinem Erstling – auf seine absoluten Stärken konzentriert: sorgfältige Kompositionen und Arrangements, ein Rahmenkonzept, Wechsel von rockigen Titeln mit einfachem Beat und getragenen Balladen. Er setzt auch wieder auf unterschiedliche Sänger, wodurch die Songs eine grössere Eigenständigkeit erhalten. Er wird zwar schon zunehmend kommerzieller, schielt aber nicht allzu offensichtlich nach gängigen Charthits, obschon einige Auskopplungen sehr erfolgreich waren. Wer schon das Eine oder Andere vom Project kennt und Lust auf mehr hat, wird mit diesem Werk unter Garantie nicht enttäuscht, für Fans ist es ohnehin ein Muss. Wer viel Wert auf Sound und Komposition legt, trifft mit diesem Album eine hervorragende Wahl – nur Revolutionäres und Experimentelles darf man nicht erwarten, es bleibt grundsätzlich Mainstream, aber im besten Sinne des Wortes.
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03.02.2008 22:23
Auch 'The Gold Bug' passt meines Erachtens gut zum Thema "The Turn of a Friendly Card". Einmal, weil in der zugrundeliegenden Geschichte glückliche Fügungen sich aneinanderreihen und das Schicksal der Protagonisten sich zum Guten wendet; und zum anderen, weil die Enthüllung des zentralen Geheimnisses etwas sehr Spielerisches hat.
17.03.2006 01:07
die mama weiß, wovon sie spricht ; )
16.03.2006 08:04
Achso: Schöner Erstbericht, weiter so! Nehme Dich gleich mal in mein CIS auf! Gegenlesungen erfreuen das Herz! Und wenn Du Hilfe brauchst, wende Dich vertrauensvoll im PGB an mich. Ich lasse gleich mal ein paar Tipps da. *Zwinker*