Erfahrungsbericht über

Tutu - Miles Davis

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Tutu - Miles Davis

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Miles hat's versemmelt

2  04.05.2003

Pro:
schöne Trompetensoli

Kontra:
miese Synthesizer

Empfehlenswert: Nein  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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plumtree

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:165

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der Titelsong dieses Albums von 1986 war eine Hommage an den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger und Bischof Desmond Tutu. Also legte ich gespannt diese CD ein.

Miles Davis, die Legende an der Trompete, war immer auch ein politischer Mensch, der solche Gelegenheiten stets nutzte um seine Position auch musikalisch klarzumachen.
Hier versucht sich Davis an einer speziellen Technik. Außer Markus Miller, der allerlei elektronisches Spielzeug zur Hand hat, gibt es nur wenige Instrumentalisten (Omar Hakim (drums), George Duke (bass), Paulinho da Costa (perc.)), die jeweils bei einigen Songs mitspielen.
Die CD haben die beiden weitestgehend im Alleingang hergestellt.
Musikalisch orientiert sich der Sound an einer Art Funk-Jazz mit ein paar Popanleihen. Im Grunde genau das, was Davis zu dieser Zeit immer gemacht hat.

1. Tutu - Die CD beginnt mit einem mächtigen Synthie-Akkord, geht dann in eine vertrackte und dennoch einfache Melodie über. Darüber meditiert Davis eine Zeitlang und lässt ein paar seiner Trompetenriffs los. All das wird unterstützt von Marcus Miller, dessen "all other instrument" vermutlich auf verstärkten Einsatz von Synthesizer deuten, wie man auch hört. Eigentlich ist es ein Synthesizer-Song mit eingebetteter Trompete.

2. Tomaas - Funk-Jazz, mit einem unglaublichen Drumeinsatz von Omar Hakim, der diesen rhythmischen Wahnsinn umsetzt. Sonst ist da ein klasse Groove mit ein paar hübschen Trompetenhüpfern zu hören. Umrahmt von allerhand Gitarrensamples.

3. Portia - Miles Davis klarer Trompetenton wird hier in einen eleganten Synthesizerteppich eingewoben, die wiederum Samples aller Art hervorbringen. Außer Paulinho da Costas Percussion spielt hier nur noch Marcus Miller (Bass, Synths) mit.

4. Splatch - Effektvolles Spaßlied. Wieder mit diesem Funky-Bass. Aber leider auch wieder mit elektronischen Spielereien überladen. Sogar die beiden Percussionisten beteiligen sich an der "Electronic Art". Hm, netter Song, aber die Umsetzung nervt allmählich...

5. Backyard Ritual - Die Trompete von Miles Davis ist auf diesem Stück ein Erlebnis. Die Synthieergüsse des Marcus Miller sind es nicht. Es gibt in der Mitte eine "Saxophon"stelle, die Miller mit Synthies spielt und das klingt einfach, sorry, Scheiße!

6. Perfect Way - Miles Davis goes Pop. Klingt als hätte er den Gesangsstil von Whitney Houston auf die Trompete übertragen. Und dazu der Versuch Großorchestrales elektronisch zu reproduzieren, ebenso wie erneut das Saxophon aus dem Vorsong.

7. Don't Lose Your Mind - Auch hier ist alles ein wenig dick aufgetragen. Die Message aus der Titelzeile wird musikalisch so aufbereitet als wenn die Mitspieler, ausser den beiden Hauptdarstellern noch Michael Urbaniak (elektr. Geige), ihren Mind längst geloset hätten. Der Rhythmus ist zickig, und die Effekte schrill, dafür aber Davis Trompete sehr gut. Das geht in dem unerheblichen Song leider etwas unter.

8. Full Nelson - Der Schluss ist ebenso beliebig wie weite Teile des Rests. Sogar Davis klingt hier, als hätte keine rechte Lust mehr auf diese CD gehabt. Poppig flockig (und das ist hier durchaus negativ gemeint) kommt die Musik aus dem Lautsprecher und man wartet eigentlich nur, das Peter Cetera (von Chicago) lossingt.


Ich hatte die CD eher aus Neugier gekauft und kannte sie bisher nicht, aber Miles Davis ist für jede Menge Jazz-Großtaten verantwortlich.
"Kind Of Blue", "Bitches Brew" oder "Scetches Of Spain", um mal ein paar zu nennen sind stilprägende, phänomenale Aufnahmen.
Und der Titel dieser CD klingt ja auch spannend. Er weckt die Erwartung eine weitere Ladung südafrikanisch angehauchter Musik (a la "Graceland") ins Ohr zu bekommen.
Aber leider werden die Erwartungen auf der ganzen Linie enttäuscht.
Selten habe ich eine so uninspirierte und langweilige Jazz-CD gehört. Mr. Miller spielt Bass wie George Duke, der auch ein paar Mal mitklampfen darf und beschränkt sich ansonsten auf seine ausgiebigen Einsätze an allerlei elektronischem Spielzeug. Außer der Trompete Davis und ein paar Percussion ist alles synthetisch.
Dagegen wäre im Grunde nichts zu sagen. Das Synthiemusik durchaus spannend sein kann, wurde auch bis dahin mehrfach bewiesen.
In diesem Kontext aber überfrachtet sie den Sound und engt Miles Davis Trompete unnötig ein.

Dabei spielen beide, natürlich(!), auf maximalem Niveau. Aber das nützt einfach nichts, wenn die Musik langweilig ist. Und außer dem Titelsong beisst sich hier nichts im Ohr fest. Die CD tröpfelt in 42 Minuten vorbei. Schade...

Dazu kommt noch ein ebenso liebloses wie uninformatives Booklet. Hier wird nichts erläutert, keine Hinweise auf Komponisten oder Aufnahme, geschweige denn auf Desmond Tutu, dem die CD ja immerhin gewidmet ist.
Das einzige Highlight ist die sehr gute Klangqualität. Ansonsten ein krasser Fehlkauf.
Wegen der immerhin manchmal schönen Trompetensoli vergebe ich mit Bauchschmerzen 2 Sterne.




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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
bad-guy2

bad-guy2

24.11.2008 19:52

Muss ich mal reinhören, ich hab seine Comeback-Phase der Achtziger Jahre bisher eher ignoriert, mit Ausnahme der schönen spanischen Filmmusik "Siesta". Aber Deine Beschreibung klingt ja gutes verheissend. Hätt ich die nur in den Achtziger Jahren schon gelesen, dann wär das Jahrzehnt nicht ohne Tutu verlaufen

zoobremia

zoobremia

23.07.2003 14:53

Klar, ich kenne Miles Davis, ich kenne auch Desmond Tutu, dennoch kenne ich weder dieses Album noch beide persönlich, einziger Zusammenhang, den ich zu Tutu kenne, ist der Song "Silver & Gold" aus dem U2-Album & U2-Film "Rattle & Hum": "This song was written in a hotel room in New York City 'round about the time a friend or ours, little Steven, was puting together a record of artists against apartheid ! This is a song written about a man in a shanty town outside of Johannesburg. A man who's sick of looking down the barrel of white South Africa. A man who is at the point where he is ready to take up arms against his oppressor. A man who has lost faith in the peacemakers of the west while they argue and while they fail to support a man like bishop Tutu and his request for economic sanctions against South Africa. Am I buggin' you? I don't mean to bug ya... Okay Edge, play the blues ..." Gruß, Sven (Zoobremia)

pantoholli

pantoholli

18.05.2003 03:00

Ich habe es noch nicht geschafft, mir das Tutu original anzuhören. Ich kenne nur die Tutu-versionen von Marcus Miller, aber als Bassist reicht mir das auch ;-) Holli

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"sehr hilfreich" von (100%):
  1. bad-guy2
  2. Donline
  3. zoobremia
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