Erfahrungsbericht über

Unto the Locust - Machine Head

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Ehrfurcht

5  01.07.2012

Pro:
Machine Heads zweiter Meilenstein innerhalb von 5 Jahren .  Ein Meisterwerk .

Kontra:
-  -  -

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

Häufigkeit der Nutzung

Dieser Tonträger ist:

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Schlucke

Über sich: With forgiveness as our torch and imagination our sword - We'll untie the ropes of hate and slash op...

Mitglied seit:10.05.2007

Erfahrungsberichte:344

Vertrauende:23

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Als im Jahr 2007 The Blackening erschien, war das für viele Metalfans - und insbesondere für die von Machine Head - der Musik gewordene feuchte Traum; selten schlug ein Metalalbum so ein wie dieses und vor allem die Fans der Band wurden versöhnt, hatte es doch in der Vergangenheit nicht immer Begeisterung gegeben, was das Material nach dem ersten Album Burn My Eyes anging. Die Erwartungen an den Nachfolger von The Blacking waren gigantisch groß und eigentlich kann eine Band an einem solch riesigen Erwartungsberg nur scheitern. Doch alles Sorgen, so viel sei schon gesagt, erwiesen sich als völlig unbegründet. Meine Freunde, das hier ist Machine Fucking Head. Und die Band ist gekommen, um die Welt in Schutt und Asche zu prügeln.

Machine Head

Unter der Regie des mittlerweile 43 Jahre alten Sängers und Gitarristen Robb Flynn mischt Machine Head seit 1994 die Musikwelt auf. Schon längst hat sich die Truppe ihr eigenes Denkmal gebaut und untermauert dies mit Headliner-Auftritten beim weltgrößten Metalfestival der Welt: Wacken.

Seit 1994 erschienen mittlerweile sieben Studioalbum, aktuell werkelt man wohl an einer Live-DVD. Mit dem ersten Album schlug man Mitte der 90er Jahre ein wie eine Bombe (fragt mal beim Ky nach ;-)), schon damals wuchs rasant eine riesige Fangemeinde. Deren Erwartung an einen Nachfolger war riesig groß; und leider scheiterte die Band zunächst daran, denn in den folgenden Jahren wurden Alben veröffentlicht, die insgesamt zu verkopft klangen. Mehrere Experimente und Ideen hinterließen das Bild einer Band, die selbst nicht zu wissen schien, wie es mit ihr und ihrer Musik weitergehen sollte.

Bis 2007 eben The Blackening erschien und erneut die Metalwelt in helle Aufruhr versetzte. Was für ein Album! Und - wie oben schon erwähnt - auch nach diesem Werk bauten sich Erwartungshaltungen auf, an denen eigentlich jeder Musiker scheitern kann, schließlich wurde beinahe Unmenschliches von Robb Flynn und seinen Mitstreitern, nämlich Phil Demmel (Gitarre), Adam Duce (Bass) und Dave McClain (Schlagzeug) verlangt.

Heuschrecken


Unto the Locust heißt nun also das aktuelle Studiowerk, das im Herbst 2011 erschien und das wie eine Granate einschlug. Rumms. Renommierte Fachmagazine wie Metal Hammer kürten das Album zum besten Werk des Jahres, die Leser zogen nach und setzten die Scheibe auf den Albumthron des abgelaufenen Musikjahres.

Dies geschah auch berechtigerweise, denn Unto the Locust ist ein ultrabrutales, äußerst melodisches, technisch perfektes, anspruchsvolles, komplexes, abwechslungsreiches, Nackenschmerzen verursachendes und Kinnladen herunterklappen lassendes Meisterwerk. Ein Metalalbum, das in seinen 50 Minuten Laufzeit alles in Schutt und Asche legt. Und wer nach dem ersten Durchlauf tatsächlich noch steht, der wird spätestens beim 2. Hören gegen Wände geschmettert und zu Boden geworfen. Ein Bastard von einem Album, der trotz seiner gerade einmal sieben Songs (!!) niemals langweilt. Keine einzige Sekunde.

Alle Songs sind über 5:30 lang. Und jeder Song, JEDER EINZELNE VERDAMMTE SONG, ist ein eigenes kleines Meisterwerk. Voller Ideen, Überraschungen, Härte und Melodie. Niemals klingt das zu verkopft, niemals zu überladen; im Mittelpunkt steht stets das Lied.
Eröffnet wird der Meilenstein von dem aus drei Teilen bestehenden I am Hell (Sonata in C#), einem verschachtelten Monster, das den Hörer zunächst mit Choralgesang (auf Lateinisch!) in falscher Sicherheit wiegt, um plötzlich mit der Urgewalt eines Tsunamis loszubrechen. Schon nach gut einer Minute, wenn die ersten Gitarrenwände des Albums den Choralgesang ins Nirvana pusten, weiß man: Das Ding wird geil.
Besungen wird eine Frau, die aus Liebeskummer und einem gebrochenen Herzen Tod und Verderben in Form von Feuer bringt. Starker Tobak, das:
Where once a heart was beating
Nothing but embers glow
Our love it serves as kindling
To stoke this flames inferno
I am hell to thee
Down here all shall suffer with me
Während Robb Flynn diese und viele weitere Zeilen ins Mikrofon brüllt, wird er von messerscharfen Riffs, brutal-druckvollen Drums und Überschallsoli begleitet. Schon der Opener mäht nieder, was ihm im Wege steht, bis ...


...ein plötzliches Break mit einer akustischen Gitarre den letzten Teil des Albumöffners einleitet. Leute, hier solltet ihr Luft holen, denn viel mehr Möglichkeiten dazu werden euch Machine Fucking Head in den kommenden gut 40 Minuten nicht mehr bieten.

Ein episches Gitarrenintro leitet Be Still And Know ein, das zwar das Tempo etwas herunterschraubt, in Sachen Atmosphäre aber in ganz eigenen Sphären schwebt. Es fällt hier klar auf, dass die Refrains auf Unto the Locust im Vergleich zu den meisten anderen Veröffentlichungen der Gruppe melodischer und eingängiger geworden sind. Wer jetzt an schreckliche Begriffe wie Kommerzialisierung, Anbiederung an den Mainstream denkt, bekommt glücklicherweise von der Band selbst die passende Antwort geliefert, zum Beispiel in Form ein knüppelharten Thrashriffs.

Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, stellt sich keiner der sieben Songs als schlecht heraus .... im Gegenteil, alle sind meilenweit davon entfernt. Und doch gibt es natürlich noch Stücke, die ein wenig aus dem Albumkontext herausragen, weil sie eben einfach noch einen Ticken großartiger sind als der Rest. Mit dem Quasi-Titelsong Locust befindet sich der Höhepunkt der Höhepunkte auf Nummer 3 der Titelliste. 7:36 Minuten Perfektion. Viel mehr will ich dazu gar nicht schreiben, weil ich
a) eigentlich am liebsten auf die Knie fallen will, um dieses Meisterwerk zu würdigen,
b) finde, dass man das Lied selbst anhören und genießen sollte und
c) weiß, dass mir die Worte fehlen, um dieses Stück adäquat zu beschreiben.
Ich verneige mich in Ehrfurcht.

Eine eigene Ode an die Kraft der Musik liefert Darkness Within; was genau in Robb Flynns Lebens bisher geschehen ist, weiß ich nicht (Drogeneskapaden gehörten u.a. dazu), doch in diesem beinahe schon balladesken, atmosphärisch unfassbar dichten Stück zeichnet er das Bild eines Menschen, den ohne die Musik schon längst jeglicher Lebensmut verlassen hätte:
So pray to music build a shrine
Worship in these desperate times
Fill your heart with every note
Cherish it and cast afloat
Because God is in these clef and tone
Salvation is found alone
Haunted by its melody
Music it will set you free
Let it set you free
Neben diesen Gänsehaut verursachenden Textzeilen fällt hier auf, dass die Gesangsstunden, die der Obermaschinenkopf genießen konnte, ihr Ziel nicht verfehlt haben. Deutlich kontrollierter fällt der Klargesang hier aus, zudem Flynn fast ausschließlich auf ihn setzt, um vor immer treibenderen Gitarren seine Liebe und Obsession für Musik in die Welt zu tragen.

Pearls Before The Swine rammt einmal mehr alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Eine Metalgranate, die mit geilen Riffs nur um sich schmeißt.
Zum Albumabschluss haben sich die Herren verschiedene Überraschungen ausgedacht. Who We Are startet mit einem Kinderchor, der aus bandeigenen und bandnahen Kindern (z.B. denen von Produzenten) besteht. Schon dadurch wird eine großartige Stimmung erzeugt, die Robb Flynn gekonnt wegbrüllt. Musikalisch wildert der Song in den Gefilden des Power Metals, vergisst dabei aber selbstredend nicht die bandtypische Härte. Textlich klingt das zwar etwas klischeehaft, wie Zeilen wie
This is who we are
This is what I am
We have nowhere else to go
Divided we will stand
We are the ugly
Beaten and torn
Brooding with power and ready for more
We are the hungry
Sick of this world
beweisen, doch musikalisch ist auch der Abschlusstitel über alle Zweifel erhaben, zumal zum Ende mit einem Streicherquartett eine neue musikalische Idee eingebaut wurde, die einen starken Kontrapunkt zu den ausufernden Soli zuvor setzt. Natürlich darf auch der Kinderchor nicht fehlen, der noch einmal auftaucht und dann sogar hervorragend mit Robb Flynn harmoniert. Ich sagte es bereits: Die Gesangsstunden haben sich bezahlt gemacht.

Fazit

Wenn nach ca. 50 Minuten der letzte Ton verklungen ist und sich der Staub wieder gelegt hat, steht die Kinnlade offen. Man will keine Sekunde warten, man will dieses Werk sofort erneut hören, neue Spielereien, Details, Songstrukturen entdecken. Auch wenn sich Locust zumindest für mich den inoffiziellen Titel des besten Tracks des Albums gesichert hat, so stehen alle restlichen Stücke praktisch auf einer Stufe.
Hier passt einfach alles: Melodie und Härte passen perfekt zusammen, die Produktion gibt allen Instrumenten ihren Raum, die Gitarrensoli blasen alles weg und Robb Flynns Gesang klingt so abwechslungsreich wie noch nie zuvor.
Kaum zu glauben, dass eine Truppe, die 2007 mit The Blackening wohl DEN Metal-Meilenstein des neuen Jahrtausends veröffentlicht hat, dies vier Jahre später einfach wiederholt. Ich bin absolut begeistert, vergebe die Höchstnote und spreche selbstredend eine Empfehlung für alle Freunde härterer Musik aus.

Machine Head - Unto The Locust
1. I Am Hell (Sonata In C#)
I) Sangre Sani
II) I Am Hell
III) Ashes To The Sky
2. Be Still And Know
3. Locust
4. This Is The End
5. The Darkness Within
6. Pearls For Swine
7. Who We Are

Anhören:

http://www.youtube.com/watch?v=2jGZJxnJk-4 (LOCUST!)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Anacrusis

Anacrusis

29.09.2012 20:28

Heavy Metal finde ich ganz gut.

target1312

target1312

19.07.2012 12:59

War noch nie so richtig mein "Ding"

SexyGirl84

SexyGirl84

17.07.2012 09:09

Nicht meine Musik, aber klasse berichtet! =)

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  2. SexyGirl84
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