VOX Lil Night Train NT-2H

Erfahrungsbericht über

VOX Lil Night Train NT-2H

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung VOX Lil Night Train NT-2H

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Ein grandioser Couch-Potato...

4  01.01.2011 (12.01.2011)

Pro:
Sehr gute (VOX - )Sounds in Wohnzimmer - Lautstärke, guter (Home - )Recording - Amp

Kontra:
Keine Einschleifwege und Effekte, V110NT - Box eher für kleine Räume geeignet

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Ciaobock

Über sich: Bin ein manchmal netter aber immer ehrlicher Zeitgenosse... - ich bitte auf JEGLICHE Bewertung meine...

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Erfahrungsberichte:28

Vertrauende:18

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Vorwort:

Leider hat CIAO bei meinem Produktvorschlag das Wort „Set“ unterschlagen, auch wenn auf dem Produkt-Foto ganz klar nicht nur das NT-2H Topteil, sondern auch die dazu gehörige Box V110NT abgebildet ist.
Dieser Bericht dreht sich also nicht nur um das VOX Topteil, sondern um das komplette Set…

ooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo


Hallo liebe Gitarren-Fans,

Kaum zu glauben wie die Zeiten sich ändern… - noch vor 20 Jahren konnten Gitarren-Verstärker nicht groß genug sein; wer mit weniger als 100 Watt bei der Probe ankam konnte meistens gleich wieder einpacken…
Irgendwie schien damals die ganze Welt am Wettrüsten zu sein!

Inzwischen geht aber auch bei uns Gitarristen der Trend wieder in die andere Richtung. Ähnlich wie es immer mehr Autofahrern dämmert, dass 300PS in den üblichen morgendlichen, abendlichen und sonstigen Staus leider auch nicht glücklicher machen, wachen auch bei den Musikverstärkern immer mehr Leute auf und stellen fest, dass Ihnen ihre Verstärker-Türme meistens gar nichts nutzen weil man erstens meistens NICHT in Fußballarenen oder Mega-Hallen spielt und zweitens die großen Watt-Monster leiser eingestellt meistens recht lahm klingen.
Da kommt dann einer mit einem kleinen 15 Watt Koffer zum Gig in der Kneipe nebenan, reißt das Ding ohne jedes Risiko auf physische Gegenmaßnahmen von Wirt und Gästen weit auf und spielt damit die versammelte schaumgebremste 100W Marshall-Liga aus dem Stand an die Wand… - da hilft dann auch kein „Jaaa aber, weeste noch, auf dem Dorffest vor 1800 Leuten da klang das voll gut, ey…“ Das Leben ist hart aber ungerecht!

Irgendwann stellt man sich dann Fragen wie: „was mache ich mit meinem drohenden Tinitus“, „warum stöhnt der Toningenieur im Studio immer über meine geile 200 Watt Kiste“, „warum muss immer ich zum Aufnehmen in den Keller“ oder „wie klingen wohl 5 Watt“???
Tja, und dann stellt mancher Watt-Freak irgendwann fest, dass auch die kleinen Dinge richtig viel Spaß machen können, wenn es dabei weniger um „Einsparungen“ als vielmehr um richtig geilen Klang bei noch erträglicher Lautstärke geht und genau darum soll es in diesem Bericht gehen.

Inzwischen haben eigentlich alle Verstärker-Hersteller die Zeichen der Zeit erkannt und liefern teils beachtlich vielseitige und vor allem gut klingende Mini-Vollröhren-Verstärker mit 0,5 bis 15 Watt Ausgangsleistung. Anspieltips gäbe es da etliche… - das geht vom 5 Watt Vollröhren-Combo von Marshall (sic!) und endet bei noblen Manufacture-Verstärkern von Reußenzehn und anderen.
Nachdem sich langsam herumspricht, dass weniger oft mehr ist und die Lust auf High-End-Sounds sich in den letzten Jahren immer weiter vom Probenbunker über Studio und Jam-Bühne bis hin ins heimische Wohnzimmer ausweitete, legen einige Hersteller die Ausgangsleistung jetzt noch tiefer…


Deshalb gibt's heute mal wieder einen Gitarrenverstärker-Bericht von mir über das nagelneue – erstmals im Oktober 2010 ausgelieferte - VOX Lil' Night Train Set, bestehend aus dem winzigen 2 Watt (in Worten: zwei) VOX NT-2H Röhren-Top und der passend dazu entwickelten Box V110NT, die seit dem 28. Oktober 2010 bei mir eingezogen sind.

In naher Zukunft sollen beide Teile laut Aussage von Vox Deutschland auch einzeln lieferbar sein, zur Zeit gibt es sie jedoch nur im Komplettset incl. einem hochwertigen Lautsprecherkabel mit ca. 140cm Länge und einem schwarzen Poliertuch mit VOX-Logo für das fettfingerempfindliche Chromgehäuse des kleinen Topteils.
Der Listenpreis ist von VOX mit 365€ angegeben, wobei der Straßenpreis wie üblich deutlich nach unten abweicht, zur Zeit ist das Set für unter 300€ im ausgesuchten Fachhandel erhältlich.

Schon vor über einem Jahr hatte ich mich spontan in den "großen" Bruder dieses Miniatur-Röhren-Amps verliebt, den 15 Watt starken Vox Night Train. Dieser Verstärker ist - wie ich es liebe - auch ein echter Ein-Kanal-Purist und hat in Verbindung mit dem von VOX speziell dafür designten 12" Kabinett einen unglaublichen Sound - der reine Wahnsinn. Ich habe selten einen Verstärker gespielt, der so an den Fingern des Gitarristen hing wie dieser VOX Night Train. Das können selbst die hochgelobten neuen VOX AC15/AC30 Reissue nicht besser.

Trotz aller Verliebtheit habe ich den "großen" Night Train seinerzeit nicht gekauft, da er erstens viel zu laut war um ihn in einer Mietwohnung einsetzen zu können und er sich zweitens klanglich irgendwo zwischen meinen bereits vorhandenen Fender Princeton Reverb und Laney LC15R Verstärkern bewegte.
So blieb seinerzeit nur große Bewunderung und die Resignation vor den beengten Platzverhältnissen zu Hause angesichts von 27 Gitarren, 2 Bässen und 3 Keyboards nebst bereits 4 vorhandenen Gitarren-Verstärkern... - man kann leider nicht alles haben...


Vor ein paar Wochen geschah dann ein kleines Wunder... - ob die Leute bei VOX wohl meine Gedanken lesen können? In einem meiner Gitarren-Magazine wurde ein Miniatur-Halfstack von Vox mit dem Namen "Lil' Night Train" angekündigt, mit einem winzigen, nur 2 Watt „schwachen“ Vollröhren-Topteil und einer zugehörigen Lautsprecher-Box mit einem hochwertigen Celestion 10" VX Speaker. Ohne zu zögern griff ich zum nächstbesten Telefon, rief meinen Lieblingshändler in Regensburg an und bestellte das Teil.

Ein paar Tage später war es so weit... - ein mittelgroßer, recht unhandlicher Karton wartete auf die Abholung in sein neues Zuhause. Schwer war die ganze Sache nicht, die Waage zeigte gerade einmal knappe 10kg für das ganze Paket an, aber zumindest für meine Armlänge sperrig zu tragen. Wäre toll, wenn da ein Henkel zum Tragen dran gewesen wäre...

Wer ist VOX?

Die Väter der Firma VOX waren Tom Jennings und der Gitarrist und Elektroniktüftler Dick Denney, die sich erstmals während des zweiten Weltkriegs über den Weg gelaufen waren. Nach einigen kurzen Intermezzi ist es 1957 dann soweit; Tom Jennings eröffnet die Jennings Musical Instruments (JMI) und stellt Dick Denney als Chefingenieur ein. Im Januar 1958 erschien dann schon der erste Gitarrenverstärker unter dem Markennamen VOX – der heute legendäre AC15 mit 15 Watt Ausgangsleistung und einem 12“ Lautsprecher.
Ende 1959 erschien der AC30/4 Verstärker mit 30 Watt Ausgangsleistung und zwei 12 Zöllern von Goodman, die allerdings nicht wirklich zufriedenstellend klangen. Erst als 1960 die Lautsprecher durch neuentwickelte Celestion Bulldog-Speaker mit Alnico-Magneten ersetzt werden, entsteht der legendäre Sound des heute noch begehrten AC30 Originals. Nachdem die Gruppe „The Shadows“ mit ihrem Song Apache im Sommer 1960 einen Nummer 1 Hit landete, dessen Sound extrem auf dem AC30 beruhte, war die Legende geboren.
In den folgenden Jahren wurde der AC30 weiter modifiziert, unter anderem durch das hinzufügen eines dritten Kanals (Brilliant) sowie einer „Top-Boost“ genannten zusätzlichen Vorverstärkung. Ab 1962 steigen die Beatles auf VOX-Verstärker um und verstärken damit die Nachfrage weiter.
Die nötigen Investitionen übersteigen die Möglichkeiten von Tom Jennings und so verkauft er 1964 seine Firma an die Royston Gruppe, die die VOX Verstärker erstmals auch in den USA regulär vertreiben lässt. Neben den bekannten Verstärkern entwickelt und baut VOX auch Gitarren, Orgeln und Effektgeräte.

1965 übernimmt der US-Distributor, die Thomas-Organ-Company, große Anteile an der Royston Gruppe, womit Tom Jennings seine Kontrolle über VOX in den USA verliert. Danach werden in den USA überwiegend nur noch Transistorverstärker angeboten, was von den meisten Gitarristen als Nachteil angesehen wird. Dazu kommt, das neue Stars wie Jimi Hendrix oder die Super-Gruppe Cream mehr auf Marshall-Verstärker als auf VOX-Amps stehen und die Nachfrage nach VOX-Verstärkern dadurch deutlich zurückgeht.

Nach einigen Fehlinvestitionen wird Royston Industries liquidiert und die Corinthian Bank übernimmt die Firma Vox unter dem Namen VOX Sound Ltd. 1970 wird die VOX Sound Ltd. an ein Konsortium unter George Stowe und John Birch verkauft und schon 1971 dann an CBS Arbiter, Importeur der Fender Produkte in England.

CBS Arbiter übernahm die Produktion der AC30 Verstärker in der eigenen Fabrik in Shoeburyness und sparte sukzessive Features ein um die Herstellungskosten der VOX Verstärker zu senken – sehr zum Unwillen der VOX-Fans.
1972 brachte der Queen-Gitarrist Brian May die VOX Verstärker zwar wieder in aller Munde mit seinem legendären Bühnen-Setup von 12 AC30 Verstärkern,
trotzdem gelang es CBS Arbiter aber nicht, den Glanz der alten VOX Amps am Leben zu halten und verkaufte deshalb 1979 die Firma VOX an Rose Morris, den früheren Vertrieb der Marshall Amps.
Bis 1992 gelingt es Rose Morris die Qualität der Verstärker wieder in Richtung der legendären Original-Modelle zu bringen und diese teils sogar zu übertreffen, dann wird die Firma aber von der Rezession in den späten 80er und Anfang der 90er Jahre voll erwischt und Vox wird erneut verkauft, dieses Mal an die japanische Firma KORG, die mit ihren Keyboards und Synthesizern zu einem Global Player wurde.
KORG erweiterte das Entwicklungspotential der VOX Produkte beträchtlich: auf der einen Seite wurden wieder originalgetreue Versionen der ursprünglichen AC15 und AC30 Verstärker produziert und verkauft, andererseits aber auch sinnvolle Erweiterungen und Modifikationen basierend auf der Modelling-Expertise von Korg angeboten, so dass die Produktpalette über die Jahre stetig wuchs und VOX heute wieder einen ebenso makellosen Ruf hat wie in den sechziger Jahren.
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(Quelle: www.voxamps.co.uk und Wikipedia)

Technische Daten:

Lil’
Bilder von VOX Lil Night Train NT-2H
  • VOX Lil Night Train NT-2H VOX-Lil-NightTrain-09 - VOX Lil Night Train NT-2H
  • VOX Lil Night Train NT-2H VOX-Lil-NightTrain-04 - VOX Lil Night Train NT-2H
  • VOX Lil Night Train NT-2H VOX-Lil-NightTrain-08 Test-Setup - VOX Lil Night T
  • VOX Lil Night Train NT-2H VOX-Lil-NightTrain-06 - VOX Lil Night Train NT-2H
VOX Lil Night Train NT-2H VOX-Lil-NightTrain-09 - VOX Lil Night Train NT-2H
VOX Lil Night Train NT-2H Set
Night Train NT-2H Top
  • Ausgangsleistung: 2W RMS an 16 Ohm 1,5W RMS an 8 Ohm
  • Bedienelemente: Gain, Volume; Bass, Treble; Moduswahl– Bright, Thick
  • Ein-/Ausgänge: Gitarreneingang, Boxenausgang (16/8 Ohm), Kopfhörer-/Line-Ausgang
  • Röhrenbestückung: Vorverstärker= 2x 12AX7, Leistungsstufe= 1x 12AU7
  • Abmessungen (B x H x T): 222 x 117 x 117mm
  • Gewicht: 2,2kg
  • Stromaufnahme: max. 30W, 230V
  • Lieferumfang: Netzkabel, VOX-Lautsprecherkabel, Poliertuch

    V110NT Box
  • Lautsprecher: 10” Celestion VX 10, Spezialanfertigung
  • Abmessungen (B x T x H): 420 x 160 x 300m (Bassreflex, Öffnungen vorne)
  • Gewicht: 5,26kg
  • Max. Eingangsleistung: 30W RMS an 16 Ohm
Warum ein altertümlicher Röhren-Verstärker?

Gute Frage… - diese Frage habe ich mir früher auch jahrelang gestellt und mangels Antworten einen Bogen um die in Anschaffung und Unterhalt teureren und in der Klangvielfalt meist sehr limitierten Röhren-Dinosaurier gemacht. Wenn man hier die regelmäßig notwendigen Röhrenwechsel, das meist notwendige Einmessen der Röhren und deren Empfindlichkeiten (Erschütterungen, Überlastung, sogar auf Luftdruck, -temperatur und –Feuchtigkeit!) in die Kosten-Nutzen-Betrachtung einbezieht, dürfte eigentlich niemand mehr nach solchen Verstärkern fragen…
Die digitale Revolution und die damit mögliche Reproduktion dutzender sauteurer Kult-Verstärker in einem einzigen kleinen Gehäuse versprach ein neues Zeitalter und hat dieses Versprechen sogar irgendwie gehalten…

So zogen bei mir jahrelang vom ersten Line6 POD über den POD 2.0, den POD XT, Boss VF1, GT-6 und GT-Pro und Native Instruments Guitar Rig bis zum Vox ToneLabs SE digitale Modeller zuhause ein und machten dort ihren Job so gut oder manchmal sogar besser als ich es erwartete.
Statt zigtausend Euro für ein paar Dutzend Kult-Amps auszugeben und eine halbe Tonne Equipment transportieren zu müssen war alles in kleinen handlichen Kisten untergebracht und wenn man die Aufnahmequalität auf CD-Norm reduzierte war der Unterschied zu den Originalen eigentlich nicht mehr auszumachen…

Allerdings fiel mir beim „Live“-Spielen und auf meinen qualitativ hochwertigen Eigenaufnahmen (88,2 kHz, 24 bit) zunehmend auf, dass ein echter Röhren Verstärker halt doch noch schneller, detaillierter und dynamischer agiert als die digitalen Kopien und vor allem deutlich mehr Charakter offenbart – der Spaßfaktor und auch die Spielmotivation lagen mit einem „richtigen“ Amp einfach höher.
Nachteil ist allerdings, dass ein Röhren-Amp launischer, klanglich weniger vorhersehbar und sensibler auf diverse Gitarren, und manchmal sogar Wetterlagen, reagiert als die Modelling-Fraktion.

Trotzdem, ich ertappte mich immer häufiger damit, dass ich lieber über meinen Laney Röhren-Verstärker spielte als über die versammelte Armada digitaler Emulationen. Wer, außer einem Gitarristen in einer Top-40 Cover Band, braucht schon ein dutzend verschiedener Verstärker Sounds?
Ich drehe normalerweise an den Reglern bis mir ein Sound besonders viele Nackenhaare aufstellt und dann ändere ich manchmal wochenlang nix mehr… - ein Heimspiel für Röhrenverstärker.

Als ich mir Anfang 2010 meinen Fender Princeton Reverb Reissue Combo kaufte war die Sache endgültig entschieden… - meine digitalen Modeller bleiben zwar in Amt und Würden, Neuinvestitionen gehen aber definitiv in Richtung Röhren-Amps.
Was der Fender Princeton lieferte verschlug mir die Sprache… - das war kein „Gitarre spielen über einen Amp“ mehr, das war pure Kommunikation, ein Ping-Pong-Spiel von Input und Output, von Tönen die ich spielte und die der Princeton auf seine Art quasi als Antwort und Frage zugleich zurückspielte… - Gänsehaut pur!
Dieses „Feedback“ des Verstärkers hatte mehr Einfluss auf mein Gitarrenspiel als alles andere davor. Deshalb suchte ich auch vermehrt nach einem Amp, der mir dies auch auf Wohnzimmerlautstärke bieten könnte.

Auch wenn ich immer wieder die kleinen Vollröhren-Gitarrenamps in diversen Musikläden antestete, so richtig gefiel mir da keiner. Entweder waren sie an dem Punkt, an dem sie anfingen richtig gut zu klingen immer noch zu laut oder sie klangen trotz Röhrenverstärkung irgendwie gar nicht richtig gut.
Egal ob Marshall Class 5, Bugera V5, Vox AV4TV... - keiner fühlte sich richtig gut an. Nur der kleine Blackstar HT-1R brachte mich mit seinem Rockerherz kurz ins grübeln, konnte aber letztlich doch nicht vollständig überzeugen.

Also blieb ich weiter meinem kleinen digitalen VOX DA-5 treu, der mir zwar zu Hause und auf Reisen ein guter und sympathischer Sparringpartner war und ist, allerdings genau das schuldig blieb, was mir mein Fender Princeton Reverb Reissue als Mehrwert zurückgab.
Ob jetzt der Vox Lil Night Train diesen Mehrwert liefern würde, nach dem ich so suchte?

Erster Eindruck:

Zuhause angekommen wurde das kleine Set umgehend aufgebaut, wobei ein größerer Stapel einzelner Kartons ziemlich viel Abfall produziert. Alle Teile waren einzeln in hochglanzbedruckte Umkartons verpackt und wurden dort von großzügig dimensionierten Schaumstoff-Ecken in Position gehalten. Klar, damit reduziert man die Gefahr von Transportschäden nahezu auf Null, aber ein wenig mehr an die Umwelt dürfte man schon denken… - na ja, das ist halt Made in China.

Glücklicherweise liefert Vox das Lil’ Night Train Set komplett spielfertig aus. Nicht nur wird ein hochwertiges, wenn auch nicht zu Ende gedachtes Anschlusskabel (gerader statt abgewinkelter Stecker) für die Lautsprecherbox (6,35mm Mono-Klinke, 140cm lang) mitgeliefert, sondern sogar ein Putztuch mit Vox Aufdruck für das sehr fingerabdruck-empfindliche, hochglanzverchromte NT-2H Topteil.
Edel und etwas vintage-mäßig sieht das ja aus (siehe Fotogalerie) aber jetzt bin ich hin- und hergerissen… - eigentlich wollte ich damit Gitarre spielen und nicht nur putzen, andererseits sieht es schmuddelig aus, wenn der Chromglanz mit Fingerabdrücken übersäet ist… - seufz. Also doch putzen…


VOX NT-2H Topteil (...also der kleine silberne "Toaster", der den Verstärker beherbergt...)
Das Gehäuse des kleinen NT-2H ist rundum superstabil verarbeitet, die Abdeckhaube sauberst verchromt, die ChickenHead Knöpfe laufen spielfrei, satt und sehr gleichmäßig, der Umschalter Bright/Tight ist zwar recht klein, macht aber trotzdem einen ausgesprochen soliden Eindruck. Logischerweise ist für diesen Preis keine Handverdrahtung möglich aber trotzdem wurden hier auf der Platine hochwertige Komponenten eingesetzt und die Röhren stehen gut gesichert in ihren Metall-Halterungen. In der Vorstufe werden wie üblich bei VOX zwei 12AX7 Röhren eingesetzt, allerdings ist mir die einzelne 12AU7 Röhre, die in der Endstufe verwendet wird, vorher noch nicht über den Weg gelaufen. In Europa wird dieser Röhrentyp auch unter der Bezeichung ECC82 (Mullard-Philips) geführt und in HighEnd-HiFi-Komponenten verwendet.
Klare Ansage: das Teil sieht trotz seiner Winzigkeit keinesfalls wie ein Spielzeug aus – hier wird nicht nur optisch ein HighEnd-Anspruch vermittelt.


VOX V110NT Kabinett (...also die Lautsprecherbox...)
Etwas weniger imposant ist das immerhin stabil und passgenau verarbeitete Boxengehäuse, das von vorne betrachtet optisch sehr an das größere Kabinett vom großen Night Train erinnert und genauso stylisch daherkommt. Auch die Bezugfolie an den Seiten wurde sauber verarbeitet, was bei den abgerundeten Kanten wohl gar nicht so einfach ist. Die Rückwand wurde allerdings - wie bei dem Preis auch nicht anders zu erwarten ist - lediglich schwarz gefärbt und nicht bezogen. Von außen also insgesamt wirklich hui, wie sieht’s aber wohl innen aus?
Nach dem Entfernen der von immerhin 12 Holzschrauben gehaltenen Rückwand aus dünner Pressholzplatte sieht man allerdings, dass hier wohl nicht allzu viel abgestimmt wurde. Zwei einfache Löcher mit ca. 4 cm Durchmesser und ohne Bassreflexrohr oder sonstige Strömungsverbesserungen sorgen für Druckausgleich im nicht gedämmtem und hinten geschlossenen Kabinett, dass dadurch immerhin recht wandnah aufgestellt werden kann.

Der speziell für das V110NT von Celestion gebaute VX-Lautsprecher mit maximal 30 Watt Belastbarkeit und einer Impedanz von 16 Ohm ist mit nur 4 Schrauben an der Frontplatte verschraubt, obwohl der Stahlkorb des Speakers für 8 Schrauben Löcher aufweist (siehe Fotogalerie). Trotzdem sitzt der Lautsprecher fest und klappert oder klirrt nicht.
Optisch erinnert der VX-Lautsprecher zwar an den Celestion G10N-40, einen Lautsprecher, der auch von anderen renommierten Herstellern verwendet wird, allerdings soll es sich hier um eine spezielle Abstimmung für den Lil’ Night Train handeln… - weshalb dafür aber eine Belastbarkeit von 30 W nötig ist (bei gerade einmal maximal 2 Watt Ausgangsleistung des Lil' Night Train) wissen wohl nur die Götter und die VOX Produktmanager…

...weiter geht's...
Okay, alles verkabelt, Verstärker eingeschaltet (kein StandBy-Schalter) und den Röhren ein paar Minuten Zeit zum aufwärmen gegeben und dann geht’s los.

Uff… - erstmal werden die Lautstärke-Koordinaten wieder neu eingenordet. Auch "nur" 2 Watt Ausgangsleistung können in dieser Kombination schon ganz schön laut im Wohnzimmer sein! Alle Regler voll aufreißen ist zumindest in einer Mietwohnung nicht zu empfehlen, auch nicht mit nur 2 Watt.
Glücklicherweise verfügt der Zwerg über einen Master-Lautstärkeregler, so dass man die Lautstärke auf nachbarschaftsfreundliche Werte zurückdrehen kann ohne dass zu viel Röhrenverzerrung auf der Strecke bleibt. Im Gegenteil… - im „Thick“ Modus mit aufgedrehtem Gain-Regler singt sogar eine SingleCoil-Gitarre mit Wohnzimmerlautstärke im Rockstar-Sound. Nicht schlecht!

Ausstattung:

Ausstattungs- und anschlusstechnisch ist der Lil’ Night Train so puristisch – um nicht das Wort spartanisch zu verwenden – ausgestattet wie die meisten Kollegen seiner Preisklasse leider auch. Mehr als eine Lautsprecherbox kann nicht angeschlossen werden, eingebaute Effekte sind weder vorhanden noch gibt es einen Einschleifweg dafür, nicht einmal ein Line-In-Eingang für MP3-Player oder Drum-Computer ist vorhanden.
Macht nix… - dann macht die heimische Stereoanlage halt den Backing-Track und die Effekte kommen aus den kleinen Bodentretern, mit denen der Lil’ Night Train übrigens gut harmoniert.
Sowohl Einzelkomponenten wie mein Ibanez TubeScreamer als auch digitale Multieffekte wie mein Boss ME-70 klingen gut und verbiegen weder den charakteristischen Gitarrenklang noch den grundsätzlichen Klang-Charakter des VOX Lil’ Night Train. So soll es sein. Natürlich muss man mit Chorus und Reverb Effekten ein wenig vorsichtig sein - was aber grundsätzlich für alle Verstärker gilt, wenn diese Effekte vor der Vorstufe eingesetzt werden - aber ansonsten verhält sich der kleine VOX auch mit Pedalen im Eingang vorbildlich.

Immerhin gibt es aber im Bright-Modus eine aktive Klangregelung mit separaten Bass- und Höhen-Reglern und nicht nur eine Tonblende sowie den Master-Lautstärkeregler, der immerhin volle Vorverstärker-Verzerrung bei relativ niedrigen Lautstärken ermöglicht.
Besonders interessant beim VOX Lil' Night Train ist ein Umschalter zwischen dem oben bereits erwähnten Bright-Modus und dem Thick-Modus, der die Klangregelung umgeht und stattdessen ein Pfund mehr Gain und Mittendruck in die Waagschale wirft. Das weckt sofort Assoziationen zu "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" oder "Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust..." - wobei es sich hier nicht um den ersten Teil einer Tragödie handelt... *grins*

Anders als die allermeisten anderen Röhren-Amps hat der VOX einen kombinierten Line-Out/Kopfhörer-Ausgang, der entweder für Aufnahme-Zwecke direkt abgegriffen werden kann oder halt mit Kopfhörern um sich zu fortgeschrittener Stunde noch die Dröhnung geben zu können.
Laut Vox verfügt der Ausgang sogar über eine Boxensimulation… - nun ja, leider hat man da wohl aber doch eher preiswerte Boxen simuliert.
Bitte nicht missverstehen, das Tonsignal am Headphone Ausgang ist nicht völlig unbrauchbar - so wie zum Beispiel beim kleinen, wenn auch deutlich teureren Marshall Class 5 Combo - aber es klingt doch deutlich spröder/greller/dünner und weniger dynamisch als das, was aus der zugehörigen Box auf die Ohren drückt, selbst bei Verwendung hochwertiger Kopfhörern (AKG 271 Studio, AKG K701, Sennheiser HD-25).
Nutzt man den Ausgang als LineOut in ein Mischpult, ist der Ton schon etwas körperhafter und mit ein wenig EQ-Einsatz bekommt man auch das leicht Grelle im Ton weg, der Ansatz von Sprödigkeit bleibt jedoch erhalten, vor allem im Bright-Modus.
Vielleicht bin ich hier ja ein wenig überkritisch oder von meinem speziell für solche Zwecke designten DamageControl Womanizer zu sehr verwöhnt, weil andere Gitarristen anscheinend auch von der Klangqualität des LineOut sehr angetan sind, mir gefällt jedoch die Abnahme per Mikrofon in diesem Fall deutlich besser. Ich persönlich würde mir für Recording-Zwecke also im Fall der Fälle wirklich die Mühe machen, den Lil’ Night Train mit einem brauchbaren Mikrofon abzunehmen um optimale Ergebnisse zu bekommen.

Wer sich aber nachts unbgedingt noch per Kopfhörer die Dröhnung geben will, kann durchaus ohne Frustgefühle auf diesen Ausgang zurückgreifen…
Aber Obacht dabei! Um die Röhren zu schonen sollte man dringend zuerst beide Lautstärkeregler auf Null drehen, dann den Kopfhörer einstöpseln und erst danach das Kabel aus der Lautsprecherbuchse ziehen. Danach kann man Gain und Volume wieder auf die gewünschten Einstellungen bringen.

Klang und Handhabung:

Der kleine Lil’ Night Train klingt tatsächlich wie ein VOX! Im Clean-Betrieb dynamisch-glockig und im Zerr-Betrieb dann zunehmend bissig, nie wirklich linear – wie zum Beispiel mein Fender Princeton Reissue – aber dafür auch nie grell oder gar schrill und immer lustvoll zupackend.
Meine Fender Stratocaster klangen dynamisch glockig bis twangig, meine Gibson LesPaul voluminös bis bluesig dreckig (LesPaul Faded und Traditional Pro) und eine Hollowbody-Jazz-Gitarre kehlig perkussiv wie man das von einem echten VOX Verstärker auch erwartet. Es bleibt aber immer ein leicht näselnder VOX Grundton, der allerdings für diverse Musikstile stilbildend war und ist.

Allerdings ist es mit den Clean-Reserven des VOX NT-2H Topteils nicht allzu weit her... - während es bei Vintage-SingleCoils bei voll aufgedrehtem Volume-Regler auf der Gitarre durchaus noch bei 12 Uhr Gain-Einstellungen weitgehend sauber klingt, zwingen meine Gibson LesPauls den kleinen VOX bereits bei 9 Uhr Stellung des Gain-Reglers in den Overdrive [wohlgemerkt im Bright- und nicht etwa im Thick-Betrieb!!!].
Da aber wohl beim kleinen VOX NightTrain sowieso nur Ignoranten einen Clean-Headroom wie bei einem Fender- oder einen Transistor-Amp erwarten würden, bewerte ich das mal nicht weiter negativ und weise nur der Vollständigkeit halber darauf hin....

Grundsätzlich ist das Lil Night Train Set klanglich so brauchbar abgestimmt, dass man nahezu alle Gitarren bei neutraler Klangregelung mit guten Ergebnissen spielen kann… - ein SingleCoil Stegtonabnehmer klingt nicht übermäßig schrill und ein Hals-Humbucker verschwimmt auch nicht im Mulm, es sei denn das die Tonabnehmer an sich schon arg daneben klingen.

Die Klangregelung, die nur im Bright-Betrieb aktiv ist, ermöglicht eine brauchbare, aber eher "old-school"-mäßige Kontrolle über die Endbereiche des Klangspektrums, wobei die Höhen-Regelung mit dem mitgelieferten Speaker-Kabinett deutlich weiter greift als die Bass-Regelung, was allerdings eher am kleinen 10“ Lautsprecher im ebenfalls kleinen Gehäuse der VOX V110NT liegt als an der Klangregelung an sich, wie ein Test mit einer knapp 450€ teuren 2x12“ Lautsprecherbox zeigt… - hier drückt dann auch der Tieftonbereich bei Bedarf kräftig… - überraschend bei diesem kleinen Verstärker.

Trotzdem ist die Klangregelung eher vintagemäßig ausgelegt: erstens ist der Regelbereich "nur" musikalisch aber nicht extrem ausgelegt und zweitens beeinflussen die Regler auch daneben liegende Frequenzbereiche mit. Drehe ich den Bass auf, werden gleichzeitig die unteren Mitten etwas ausgedünnt. Die Klangcharakteristiken lassen sich schnell erkunden und gut merken und sind allemal ausreichend um kleine Schwächen im Gitarrensound zu kompensieren oder persönliche Klang-Vorlieben zu unterstützen, solange es nicht ins Extreme geht - und einem einfachen Klangregler immer noch um Lichtjahre überlegen!

Die im Set mitgelieferte kleine V110NT 10“ Box klingt in diesem Vergleich dann schon etwas flach, die Unterschiede sind doch heftiger als ich dachte… - na gut, immerhin kostete die 2x12“ Box alleine schon 50% mehr als dieses ganze Vox Set. Trotzdem stellt sich erst einmal eine leichte Ernüchterung ein…

Erst der Vergleich mit meinem VOX DA-5 Mini-Amp rückt mir dann wieder das Grinsen ins Gesicht. Jetzt machen sich der dreifache Einstandspreis, die Röhrenschaltung und das deutlich größere Gehäuse des Lil’ Night Train Sets doch wieder deutlich bemerkbar, trotz der 5 Watt Ausgangsleistung des VOX DA5 Mini-Amps und seines durchaus guten Digital-Modelling.
Der VOX Lil Night Train „hängt“ einfach deutlich mehr an den Fingern des Gitarristen und bietet dynamisch eine dicke Schippe mehr Druck, wirkt schneller und deutlich detaillierter und differenzierter, einfach genauer.

Kein Wunder, der kleine Vox DA-5 hat halt nur einen winzigen 6.5“ Lautsprecher und keine Röhren im Verstärker… - da helfen dann weder Digital-Modelling noch die eingebauten Effekte wirklich weiter…

Im Vergleich zum dann wiederum dreimal teureren Fender Princeton Reissue sieht der kleine VOX dann allerdings keine Sonne mehr. Obwohl der Fender Princeton auch „nur“ einen 10“ Speaker hat, liefert er mit seinen 15 Watt Ausgangsleistung und größerem Gehäuse doch deutlich mehr Substanz, Feindynamik, Wärme und Druck als der kleine Vox, was mir allerdings von vorneherein klar war…
Allerdings bleibt der VOX bis zu mittleren Lautstärken trotzdem dicht dran und je crunchiger/rockiger der Sound werden soll, desto mehr Spaß macht im Vergleich der kleine Vox, vor allem wenn die Umstände die maximale Lautstärke begrenzen.

Auch mein nur 50€ teurerer Laney LC15R drückt mit seinem ebenfalls 10“ kleinen Celestion Tube10 Speaker (30 Watt maximal, 8 Ohm) und 15 Watt Ausgangsleistung ein ganz anderes Pfund heraus und genau das wird diesem Amp im Wohnzimmer zum Verhängnis… - er braucht für seinen guten Klang eine Lautstärke die zwar im Übungskeller prima passt, zu Hause dann aber doch schon etwas heftig ist.

Wenn man nun die Lautstärke auf nachbarschaftsfreundliche Werte reduziert klingt der Laney LC15R zunehmend gelangweilter, undynamischer, glatter und vor allem fällt dann der durchaus vorhandene Rauschteppich auf einmal störend auf... - je leiser es wird desto mehr sticht dann der kleine VOX Lil’ Night Train.
Der klingt auch bei Wohnzimmerlautstärke schon beachtlich und die im Bright-Betrieb etwas fehlenden Tieftonanteile lassen sich mit dem Bass-Regler ausreichend nachregeln.
Klarer Fall: wenn im Wohnzimmer gerockt werden soll, ist der Lil Night Train der Sieger.

Im „Thick“-Modus klingt der kleine VOX Verstärker dann insgesamt noch einmal deutlich fetter und wiederum so ausgewogen, dass die dann abgeschaltete Klangregelung zumindest bei klassischem Blues- oder Rock-Sound kaum noch vermisst wird.
In diesem Modus wird der Klang nur noch durch die Gitarre und Anschlagtechnik definiert, was für ein gesundes „Rock-Brett“ auch tatsächlich ausreicht! Auch wenn der Sound hierbei eher leicht in Richtung „Brustton“ tendiert, bleiben die Höhen nach wie vor im Klangbild erhalten, so das dem Gitarristen alle Optionen unter Einsatz des (hoffentlich brauchbaren) Tonreglers seiner Gitarre(n) erhalten bleiben. Hier zeigt das VOX Lil Night Train Set eine wirklich brauchbare Abstimmung und vor allem überraschend viel Dampf und Biss – Lead-Sounds kippen überraschend leicht in die Obertöne und man muss sogar etwas auf den Abstand zum Lautsprecher aufpassen, wenn man keine Feedbackorgie anschieben will – erstaunlich!
Logisch, die Metaller-Fraktion wird da immer noch die Nase rümpfen aber sei’s drum… - man kann es nicht jedem recht machen.

Klar, die maximale Lautstärke reicht nicht für die Bühne, bestenfalls für eine kleine Jam-Session mit einem gepflegt spielenden Drummer könnte es gerade so langen – für solche Einsätze wurde der Lil’ Night Train aber auch nicht entwickelt, hier gibt es deutlich passendere Angebote.

Je lauter es wird, desto mehr setzen sich im Vergleich dann die leistungsstärkeren Amps wie mein kleiner Laney LC15R durch. Bei voller Lautstärke ist der nicht nur viel lauter als der kleine Lil Night Train, er klingt dann auch durchaus erwachsener. Wenn man den Laney dann auch noch „on-the-road“ einsetzt, dann startet er mit seinem Einschleifweg für externe Effekte und anderer Features endgültig durch und lässt den kleinen VOX Lil Night Train beschämt zurück.

Ich habe versuchsweise mal die mitgelieferte Box V110NT an meinen Laney Amp als externe Box angeschlossen, um den Klang mit dem im Laney LC15R verbauten Celestion Tube10 Speaker zu vergleichen, was sich allerdings als schwierig erwies, weil hier auch klar die unterschiedlichen Gehäusebauweisen in den Klang mit hineinspielten.
Der Laney-Lautsprecher klang etwas heller, offener und minimal detaillierter in diesem Vergleich, das Vox V110NT Kabinett klang etwas kompakter, runder und druckvoller in den unteren Mitten (mehr Brustton) und auch minimal lauter und anspringender, dafür aber waren die Höhen etwas weniger präsent, was sich mit dem Höhenregler allerdings leicht ausgleichen lässt.
Für mich ein klares Unentschieden; die Klangunterschiede werden wohl eher von der Bauweise der Gehäuse als von den Lautsprechern bestimmt. Gut klingen definitiv beide, hier ist der persönliche Geschmack entscheidend und groß sind die Unterschiede auch nicht wirklich.

Was mir in der bisherigen Testzeit auffiel, ist dass sich der Klang des kleinen Kabinetts jeden Tag ein wenig verbesserte. Anfangs klang das Set noch leicht verhalten, etwas mittig und lies feine Details vermissen – ein wenig wie Lautsprecher, die jahrelang in hoher Luftfeuchtigkeit herumstanden und bei denen die Membranen dann zu schwer und zu weich sind um sauber zu arbeiten.
Nach einigen Tagen klang es dann auffallend runder, anspringender, knackiger und auch detaillierter. Entsprechend musste ich diesen Testbericht mehrfach anpassen, anfänglich festgestellte Schwächen ließen sich 14 Tage später auch beim besten Willen nicht mehr reproduzieren.


Anscheinend hat man bei VOX wohl nicht erwartet, dass dieses Mini-Stack auf Tournee mitgenommen wird; anders als beim großen Bruder wird deshalb wohl auch keine schützende Transport-Tasche mitgeliefert.
Macht aber nix, das kleine Topteil passt zur Not prima in meine Canon-Fototasche und die Box kann am Henkel mitgeschleppt werden – was aber wohl doch eher selten nötig sein wird.

Der Lil’ Night Train ist das ideale Verstärker-Set, wenn man auch zu Hause auf gepflegte Röhren-Sounds steht, seine Ohren (und Nachbarn) aber nicht ständig mit dem Schalldruck eines ausgewachsenen Verstärkers quälen will.
Das Revier des kleinen VOX Lil’ Night Train ist eindeutig das heimische Wohnzimmer. Wenn im Wohnzimmer gerockt wird ist der Lil’ Night Train mein neuer Favorit, für lautere Einsätze empfiehlt sich aber wohl eher sein großer Bruder oder ein anderer größerer Amp.

Nur wenn ausschließlich jazzig-cleane Sounds angesagt sind, bleibt mein Fender Princeton Reissue auch im Wohnzimmer der eindeutige Sieger. Natürlich verliert auch der Princeton Potential wenn „nur“ Wohnzimmerlautstärke verlangt wird, allerdings reicht es immer noch, um dem kleinen VOX Set knapp die Rücklichter zu zeigen.


Auffällig im Test war, dass dieses Set etliche Tage Einspielzeit brauchte, um die volle Klangpracht zu erreichen. Von Tag zu Tag und je weiter ich auf vermeintliche „Mängel“ im Sound achtete, desto souveräner spielte der Lil’ Night Train auf… - und mein Grinsen wurde täglich breiter und der Bericht nicht nur länger, sondern auch positiver…

Testumgebung:
Getestet wurde mit Fender Stratocaster 54er CustomShop Reissue von 1994, Fender Standard Stratocaster, Gibson LesPaul Standard Faded und Traditional Pro, Framus Spitfire, Ibanez AF105 und Epiphone Sheraton II.
Verwendete Effekte: Ibanez TS-808 TubeScreamer Reissue, Ibanez PT-7 Vintage Phaser, Boss RE-20 SpaceEcho, Boss SD-1 und Boss ME-70.

Fazit:

Für aktuell nicht einmal 300€ Straßenpreis ist das kleine VOX Lil’ Night Train Set meiner Meinung nach ein durchaus noch empfehlenswertes Verstärker-Ensemble, vor allem wenn ein brauchbarer Röhren-Sound mit VOX AC15/AC30 Charakter nebst einiger Anleihen an moderne Sounds für die heimische Mietwohnung gesucht wird und auch die Optik eine Rolle spielen darf – und man für Auftritte und Band-Proben einen leistungsstärkeren Verstärker in der Hinterhand hat.

Auch für das Homerecording ist der VOX Lil' Night Train ideal. Erstens wegen des guten Zerrsounds schon bei niedrigen Lautstärken und zweitens wegen der sehr niedrigen Nebengeräusche auch mit Single-Coil-Gitarren; rauschen oder brummen liegen auf unkritischem Niveau so das selbst mit geringem Aufwand (siehe Foto Nr.5 in der Fotogalerie) sehr gut klingende Aufnahmen gemacht werden können.

Der Klang ist letztlich deutlich lebendiger, dichter und dynamischer als das, was die mir bekannten Modelling-Amps in dieser Preisklasse zustande bringen – allerdings sind die nicht nur lauter, sondern mit ihren vielen unterschiedlichen Verstärkermodellen und Effekten auch meilenweit variabler. Auch leise klingen einige dieser Modelling-Verstärker wirklich gut, selbst wenn im Vergleich zum VOX Lil’ Night Train das letzte Quäntchen Sound und Details und Impulsivität und Direktheit dann doch fehlt.

Wer also weiß was er will kann hier beim Lil’ Night Train zuschlagen.
Wer noch am experimentieren ist oder viel klangliche Variabilität sucht oder aber auch ab und zu etwas mehr Lautstärke braucht, der wird mit dem VOX Lil Night Train wohl nicht so glücklich werden.

Die sehr gute Verarbeitung des Topteils, eine edle und stylische Optik und der erwachsene Röhren-Sound bei niedrigen Lautstärken sind die Pluspunkte dieses kleinen Verstärker-Sets.
Limitierte Anschlussmöglichkeiten und die meiner Meinung nach doch nicht ganz adäquate mitgelieferte V110NT Box (Verarbeitung, Abstimmung) sind die winzigen „Schwachpunkte“ des Sets. Was mich auch zunehmend ärgert je länger ich diesen Amp spiele ist, dass es keine Möglichkeit gibt, per Fußschalter zwischen Bright und Thick Modus umzuschalten. Immer aufstehen, zum Verstärker latschen und dann umschalten ist echt lästig und dann läßt man es meistens ganz. Na ja, für den aufgerufenen Preis kann (darf?) man wohl nicht mehr verlangen...

Die naturgemäß eingeschränkte Lautstärke (vor allem wenn es Clean bleiben soll) ist gleichzeitig auch die große Stärke des Sets im heimischen Einsatz und wird hier deswegen nicht in die Wertung einbezogen.
Was auffällt ist, das der kleine Verstärker mit einer größeren Box deutlich fetter (und auch lauter) klingen kann als mit der mitgelieferten V110NT – ohne dieses stylische kleine Kabinett damit jetzt abwerten zu wollen.
Wer auf Optik nicht so viel Wert legt, etwas mehr Bass-Volumen braucht und/oder sowieso schon eine andere Box hat, sollte also vielleicht warten bis der kleine NT2H Verstärker auch einzeln angeboten wird.

Am Ende des Tages gibt es von mir 4 von fünf Sternen und eine gute Bewertung, wobei hier die stylische Optik nicht einmal den Ausschlag nach oben gebracht hat. Trotzdem ist dieser Amp wohl eher für Sammler und VOX Fans interessant – als Einsteiger-Amp wäre er zumindest mir doch zu teuer, zu unflexibel und er kann natürlich nur relativ leise, auch wenn er das hervorragend kann.
Allerdings ist der kleine VOX Set nicht nur soundtechnisch gewissermaßen „Luxus“, sondern auch optisch ein echtes kleines Highlight im Wohnzimmer… - und ICH liebe diesen Mini-Verstärker inzwischen sehr, nicht nur weil er Ecken und Kanten hat und ehrlich ist.


Uff… - das ist auch wieder so ein Bericht, der einfach nicht aufhören wollte… - so lang hatte ich ihn eigentlich nicht geplant – bei so einem kleinen Verstärker…

Das war’s mal wieder aus diesem Lichtspielhaus. Ich hoffe, ihr könnt mit diesem Bericht etwas anfangen und habt Spaß gehabt beim Lesen und Fotos anschauen und wer noch Fragen oder Anregungen hat ist wie üblich herzlich eingeladen...

© 2011 Bernd Almstedt

Nachtrag vom 12.01.2011:
Gestern hat VOX die Einzelpreise bekannt gegeben und die sehen wie folgt aus:

VOX NT2H Top: 297€ empf. VK (ca. 250€ Straßenpreis aktuell)
VOX V110NT Box: 142€ empf. VK (ca. 110€ Straßenpreis aktuell)

Die größere Box V112NT mit einem Original Celestion 12" Greenback kostet im Laden aktuell zwar auch nur ca. 180€, dafür bekommt man die kleine V110NT Box zur Zeit im Set (solange es noch verfügbar ist) quasi für 40€ bis 50€ Aufpreis auf den Einzelpreis des Tops - und das ist die kleine Box mit Sicherheit wert!
Also, wem der Mehrpreis von zur Zeit ca. 130€ bis 140€ für die größere Box keine Kopfschmerzen verursacht, der kann sicher bei den Einzelteilen zugreifen (sobald das kleine Top einzeln lieferbar ist - leider wurde noch kein Liefertermin genannt). Wer den kleinen Halfstack nur zu Hause einsetzen will, kann sich das Geld eigentlich aber auch sparen...

So, nun habe ich mir die größere Box Vox V112NT mit dem 12" Celestion Greenback auch zugelegt und bin überrascht. Der klangliche Eindruck ist wieder gänzlich anders als erwartet.
Da wo das kleine V110NT Kabinett schon mit Druck und quasi "wadenbeißerisch" zupackt klingt das größere, hinten offene V112NT Kabinett räumlicher, aufgeräumter, klarer und präziser. Interessanterweise klingt das kleine Kabinett bei niedrigen Laustärken druckvoller und voluminöser als das größere Kabinett mit dem 12" Greenback. Erst bei höherer Lautstärke schiebt der größere Speaker dann auch im Frequenzkeller mehr Luft als das kleine Bassreflex-Kabinett... - sehr interessant aber auch echt schwierig eine Kaufempfehlung auszusprechen.

Wer eher nur zu Hause spielt und empfindliche Nachbarn hat wird sicher mit dem kleinen V110NT Kabinett absolut glücklich und kann sich die Mehrausgabe sparen. Wer sein NT-2H Topteil auch mal aufreißen kann und will und auf ultra-präzise, räumliche und glasklare Sounds steht, für den lohnen sich die ca. 70€ Mehrausgabe für das V112NT Kabinett.
Aber Achtung! Leider kann man das NT-2H Top NICHT so einfach auf die größere V112NT Box stellen - der Griff des Kabinetts ist zu dick, zu hoch. Ich habe einfach vier "dickere" Gummi-Stöpsel unter mein kleines Night Train Top geklebt, was sicher nicht jedermanns Geschmack treffen würde. Hier ist überflüssigerweise Improvisation gefragt - leider!

Vorsicht auch beim antesten im Laden! Beide Lautsprecher brauchen ein bis zwei Wochen Einspielzeit bevor sie ihre wahre Qualität offenbaren. Wer ein neues Kabinett gegen ein gut eingespieltes Kabinett vergleicht, wird höchstwahrscheinlich immer das neue Kabinett stehen lassen und damit eventuell eine Fehlentscheidung treffen...

20.02.2011: Noch ein Nachtrag, der das Leben nicht einfacher macht!
Das "große" V112NT Kabinett gibt es anscheinend mit verschiedenen Lautsprechern, was allerdings nicht an VOX liegt, sondern am Hersteller des Lautsprechers, Celestion in England.
Dort nimmt man es - so wie man es von Engländern gewöhnt ist - mit der Arbeit nicht so genau und deswegen gibt es DEN Greenback eigentlich auch gar nicht.
Das Celestion den Greenback keineswegs nur mit grüner Lackierung des Lautsprecherkorbs verkauft hat, sondern je nach Verfügbarkeit und Lack-Kosten auch munter Beige, Schwarz, Grau und andere Farben verwendet hat ist ja nur noch ein Schmunzeln wert, dass man aber auch durchaus unterschiedliche Bautypen mit verschiedenster Belastbarkeit und auch unterschiedlichem Klang unter dem gleichen Namen vermarktet, ist doch etwas sehr dreist.
Während VOX auf seiner Homepage den G12M "Greenback" mit 30 Watt Belastbarkeit bewirbt und erste Modelle wohl auch solche Typenschilder aufwiesen, ist mein Modell nur noch maximal mit 25 Watt belastbar, so wie es auch auf der Celestion Homepage aufgeführt wird.
Wer nun in den aktuellen Celestion Katalog 2011 schaut erfährt, dass der G12M nur noch mit 20 Watt belastbar ist... - na was denn nun?!

Ich habe am Wochenende eine bereits Monate im Einsatz befindliche 30 Watt Version des V112NT spielen können und die klang etwas wuchtiger in den Bässen und unteren Mitten, aber nicht so spritzig wie meine 25 Watt Version. Die Unterschiede waren zwar nur Nuancen aber schon ziemlich 'ohrensichtlich'. Verwendet wurden die gleichen Gitarren, Kabel und der gleiche Verstärker, nur das Kabel wurde von einem Cab ins andere gesteckt.
Was nun besser gefällt ist ja vielleicht auch Geschmackssache - ich bin aber froh, dass ich das 25 Watt Kabinett habe. Die Bassfülle kann ich auch über die Klangregelung einstellen, die Lebendigkeit aber nicht.

Meine Empfehlung? Ehrlich gesagt bin ich im Moment etwas ratlos... Zum Trost sei gesagt, dass trotz kleiner Unterschiede beide Greenbacks sehr überzeugend klangen und die Unterschiede viel kleiner war als der zwischen meinem V112NT und meinem V110NT (was nun auch nicht verwunderlich sein sollte...).


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
suttorm

suttorm

13.04.2011 12:38

bh

crispu

crispu

19.02.2011 13:02

bh!!

mars725

mars725

27.01.2011 18:16

BH

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