Unbeschreiblich / Unbeschreibbar
25.10.2005
Pro:
innovativ, atmosphärisch, bewegend, wird nie langweilig, geniale Musik - Mixes
Kontra:
bissl teurer als andere Alben, zeitweise vergriffen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Laia
Über sich:
...leider nur sporadisch hier, da Leben und Studium gerade etwas zeitaufwändig sind ^^
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 84 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Diesmal wieder ein etwas anderer Bericht, als man sie sonst von mir gewohnt ist. Ich versuche mich mal wieder an einer CD- Kritik bzw. euch diese näher zu bringen. Und zu dieser CD bleibt nicht viel zur Einführung zu sagen, außer, dass sie eine der größten Schätze in meinem CD- Regal ist und ich sie seit Jahren rauf und runter höre: mein Herzblut eben. Es handelt sich um das Debutalbum von VAST mit gleichnamiger Betitelung "VAST". Wer oder Was ist VAST???
VAST steht für Visual Audio Sensory Theater (und nicht etwa für Vermont Association of Snow Traverlers =) und das wiederum steht alleine für Jon Crosby. Die CD klingt, als wäre hier eine komplette Band beteiligt, wurde jedoch von Jon Crosby im Alleingang gesampelt. Crosby wuchs in Humboldt County in Californien auf und im zarten Alter von 13 Jahren erschien er schon als vielversprechender Gitarrist im Guitar Players Magazine. Mit 16 ging er früher von der Schule ab um mehr Zeit für Musik zu haben, beendete seine schulische Ausbildung jedoch von zu Hause aus. Mit 17 steht er dann endlich zum ersten Mal unter dem Namen "VAST" auf der Bühne. Was sich nicht unbedingt als leicht erwies, da er anfangs nur mit einem Bassisten und einer Drum Machine auftrat- ein ungewohnter Anblick bei Live Acts, wenn man eigentlich eine Band erwartet. Darum war VAST zu Beginn auch nicht mit rauschendem Erfolg gesegnet. Doch wie es der Zufall so wollte bekam ein amerikanischer College Radio Sender zufällig eines der wenigen existierenden Demobänder in die Hände und spielte es rauf und runter, was zufällig wieder jemand vom Label Elektra mitbekam und sich an Crosby wandte. Der Plattenvertrag kam schnell zu Stande und VAST wurde schnell bekannter. Außer in Europa, dort blieb er eher unbekannt und ich glaube, das ist auch heute noch so. Jon Crosby ist also ein kleines Wunderkind der Musikszene dem der amerikanische Traum passiert ist. Bisher sind drei Alben unter dem Namen VAST erschienen: - - 1998 das Debutalbum VAST - - 2000 "Music For People" hier spielte Crosby erstmals mit Band - - 2004 "Nude" hier hatte Crosby wieder alle gefeuert, sogar sein Label, und nahm das Album wieder alleine auf
Doch jetzt mehr zur CD an sich...
Meine Eindrücke zum Debutalbum von Vast "Here"(I) beginnt düster und sich langsam steigernd von kaum vernehmbar zu treibend laut. Viel E- Gitarre, eine Drum Machine und dazu dann die besondere Stimme von Jon Crosby…ein relativ hartes Lied, dessen Rhythmus sofort ins Blut geht, jedoch immer wechselnd zwischen dem harten treibenden Beat und melodiösen ruhigeren Pausen. "you´re never going to leave…have I been telling lies to myself? Hold me now, you know I am so afraid to be at all...have I been telling lies to myself?"
"Touched" (II) besticht durch schnelles Gitarrenspiel, rasch einsetzenden ruhigen Gesang von Jon, nur um plötzlich von einem Frauenchor unterbrochen zu werden. Der wiederum wird hart von Schlagzeug und E- Gitarre abgelöst. Ein sehr atmosphärischer Song, der zwar härter anmutet aber auch wieder die tolle Mischung zwischen Zuckerbrot & Peitsche aufweist. "Dirty Hole" (III) kann ich gar nicht so
Bilder von Visual Audio Sensory Theater - Vast
wirklich beschreiben…Crosby nutzt nämlich viele Soundeffekte aus der Konserve, da er a nicht mit echten Musikern spielt, da hört man vereinzelt eine Orgel, es wirkt sinister, ruhig und nachdenklich, Jon lässt seine vereinzelt eingestreuten Textpassagen wirken. Dann ein musikalischer Cut und es werden zu dem musikalischen Thema Sounds gesampelt, die klingen wie die Gesänge schwarzer Sklavenarbeiter, die auf Baumwollfeldern oder in Steinbrüchen arbeiten mussten. Absolut interessantes Element in diesem Song.
Lied IV überzeugt durch einen recht ruhigen Einstieg, der fast wie ein Herzschlag klingt um sich schnell als eingängige Melodie zu erkennen zu geben. Besonders toll finde ich hier den Text- "I didn´t want to hurt you baby, but you´re pretty when you cry (...)I didn´t really love you baby, but I´m pretty when I lie" .Ein paar Elemente klingen vereinzelt ein bissl wie electronic dark wave, auf jeden Fall maschinell aber kreativ! Auch wieder ein Chor, der Crosby mal lauter mal leiser begleitet. "Pretty when you cry" ist ein eher ruhiges Lied, aber dennoch dominant. "I´m dying" (V) wartet passend zum theologisch angehauchten Text über Jesus mit sakralen Mönchschören auf. Auch hier wieder kräftig im Einsatz: die Drum Machine und Mixes aus dem Computer um dem Lied Tiefe zu geben und es wirkt mitreißend, man wackelt automatisch mit dem Fuß, geht mit der Melodie mit.
Das sechste Lied auf der CD "Flames" deutet ja eher auf was Zündendes hin ist aber eine wunderschöne Ballade, ruhig, besinnlich, traurig, Crosby haucht hier nur noch ins Mikro und lässt so kleine Gänsehautschauer bei mir entstehen. Ein Cellosolo sorgen desweitern für die traurige Atmosphäre, könnte fast ein Liebeslied sein… "Close your eyes let me touch you now-let me give you something- that is real- close the door- leave your fears behind.." So ruhig es grade war, so rasant und aggressiv geht es im nächsten Lied weiter. Die E- Gitarre wird gespielt und man hat die Assoziation eines galoppierenden Pferdes vor Augen. Eine mitreißende Grundmelodie, viel Bass, viel Schlagzeug und düstere Klangelemente machen das Lied härter aber auch treibender. So ist das eben mit der "Temptation" (VII)- ein heißes Pflaster. Zu Jons Gesang kommt noch ein Chor, der in schnell begleitet und das Lied wieder außergewöhnlich werden lässt.
"Three Doors" (VIII) beginnt auch mit einem recht schnellen Einstieg, ist sogar leicht orientalisch angehaucht, wirkt als würde jemand einem Sitar nicht viel Gutes tun, Drums und Gitarren greifen auch wieder zur Genüge. " (…) this is your only chance at immortality, I´ll give you strenght but I cannot give you the keys" "The niles edge" (IX) wirkt im ersten Moment auch sehr ruhig…höre ich da helles Glockenspiel, das sich immer wieder von unten nach oben ansteigend wiederholt- ohne zu nerven, dazwischen wieder ein paar kleine "Gesangseinlagen" von Mönchen? Später wird es etwas härter weil ein Beat drunter gelegt wurde und Crosby´s Stimme an Kraft gewinnt.
Bei "Somewhere else to be" (X) vermutet man sich zu Begin auf dem Ball von Graf Dracula, höre ich da spinettähnliche Klänge? Ein schnelleres Lied mit Rhythmus der einen mitgehen lässt und natürlich wieder viele aussergewöhnliche Soundelemente aus der Retorte inklusive Chorgesänge ohne zu sakral und düster zu wirken. Das nächste Lied mit der Nummer 11 hat keinen Namen bekommen, warum kann ich leider nicht sagen, aber jeder fragt sich natürlich was das zu bedeuten hat- und ich denk mal damit hat es seinen künstlerischen Sinn und Zweck auch erfüllt =) Auch hier wieder männlicher Chorgesang dezent im Hintergrund, ruhiger Einstieg, nur um sich im Laufe des Liedes mit mehreren Instrumenten, die hinzukommen, zu steigern. Hier singt Crosby ausnahmsweise einmal überhaupt nicht, was dem Charme des eher ruhigen Liedes keinen Abbruch tut.
"You"(XII) ist ruhig, atmosphärisch, melancholisch. Der Einstieg des Liedes könnte als Herzschlag verstanden werden, Jons Stimme klingt rau, verzweifelt- eine Mischung aus Romantik und Melancholie. Zum Heulen schön. "you can´t take anything with you, except the love- the love I have for you.."
Das Aussergewöhnliche an dieser CD ist wohl die Mischung aus Musik und Gesang. Obwohl die Melodien und die eingesetzten Instrumente ja eher die härtere Gangart vermuten lassen gleicht Jon das wieder mit seiner besonderen wohlklingenden von dunkel- bis hell klingenden Stimme wieder aus. Die Musik ist das Treibende, die Stimme der Ruhepol. Die Mischung machts eben doch! Das komplette Spektrum von hart bis zart wird hier abgedeckt. Die Musikrichtung von VAST erklären zu wollen, lässt mich stocken, denn zum einen bin ich in den Bereichen der verschiedenen musikalischen Stilrichtungen nicht wirklich bewandert, sondern höre eben was gefällt ohne großartig auf die Musiksparte zu achten und zum anderen klingt für mich VAST nach bisher noch nie derartig Gehörtem. Jon Crosby mischt auf dieser CD Metal, Independent, Grunge, Pop und Industrial zu einer völlig anderen Musik zusammen. Man müsste meinen diese verschiedenen Musikrichtungen würden nicht zusammen passen, es würde nicht gut zusammen klingen. Es ist tatsächlich ungewöhnlich, aber was soll ich sagen, selten etwas so atmosphärisch dichtes, bewegendes und anders klingendes gehört. Musik ist für mich erst dann wirklich richtig gut und sichert sich einen Platz in meinem Herzen, wenn sie etwas in mir bewegt, wenn ich Situationen mit ihr assoziiere, wenn sie Emotionen hervor ruft, DAS ist gute Musik. Und für mich zählt VAST zu meinen absoluten Lieblingsscheiben. Ich höre sie seit Jahren rauf und runter, ich werde einfach nicht müde sie zu genießen. Sie passt dazu wenn ich wütend bin, sie passt zu melancholischer Stimmung, oder wenn ich nachdenklich bin. Oder wenn ich Musik brauche, die mich antreibt, Musik, die mich aufweckt und fühlen lässt. Jon Crosby hat meiner Meinung nach mit seinem Debutalbum ein unerreichbares Maß gesteckt- auch für sich selbst- und es wird wohl schwer werden, etwas ähnliches zu finden, dass mich dazu bewegt eine CD seit Jahren immer wieder rauf und runter zu hören, ohne dass sie langweilig oder eingängig wird. Bei jedem Hören entdecke ich neue Soundeffekte, neue Nuancen, neue Gefühle, Gedanken, die passend dazu in mir aufkeimen. Das ist das besondere an VASTs Klang- Collagen, anders kann man es gar nichts sagen. Sicherlich ist diese Art Musik für Leute, die auf Klassik, Country oder Hip Hop stehen nichts und eher entnervend, aber wer sich im Bereich der etwas düsteren, dunkleren Musik bewegt, der wird hier sicher ein kleines Goldstück vorfinden. Schade, dass VAST hier in Europa eher unbekannt geblieben ist und selten jemandem etwas sagt… habe selbst nur vereinzelt und ganz selten Resonanz von Leuten erhalten, die eben eher Independent oder alternative Musik hören, nicht den Mainstream- Dreck- egal in welcher Musikrichtung. Diese Meinungen waren aber durchweg positiv. VAST ist wirklich etwas, was man ganz schwer beschreiben kann, sondern eben wirklich gehört haben muss, um zu verstehen was ich meine, oder eben um den Kopf zu schütteln und zu sagen "nee, ist nichts für mich". Darum auch folgender Link, da könnt ihr mal reinhören: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0000062QH/qid=1130244174/sr=8-1/ref=pd_ka_1/028-3788081-7655726 .Sogar Lars Ullrich von Metallica fand nur lobende Worte für unseren jungen Herrn Crosby. Auffällig fand ich, dass VAST sogar eine Zeit lang vergriffen war. Ich selbst habe die CD 1998 durch Zufall entdeckt (es war das auffällige Cover), in der Drogerie Müller Probe gehört und im Angebot für damals 15 DM gekauft. Vor einem halbem Jahr war die CD in Deutschland nicht mehr erhältlich, dann bot Amazon an diese zu importieren für 63 Euro! Jetzt gibt es sie wieder für ca. 18 Euro fast überall (zumindest online, ob ein "Karstadt" so gut sortiert ist, kann ich nicht sagen) zu erwerben, gott sei Dank! Denn meiner Meinung nach ist das echt ein kleines Meisterwerk, Musik die Bilder sendet, die Gefühle hervorruft, die einen sich ausleben lässt, deren Texte philosophisch angehaucht sind, die ein gewisses Flair hat. Da VAST bei fast jedem Lied zwar mit neuen, ungewöhnlichen Soundelementen arbeitet, aber fast auch immer Refrains benutzt sind die Lieder eingängig und keineswegs irritierend oder disharmonisch- man kann eben mitsingen, mitrufen, mitflüstern oder mitschluchzen. Jons stimmliche Bandbreite lässt da keine Wünsche offen. Der Name VAST wurde wirklich gut gewählt, denn ich muss sagen, die Musik, die ja eigentlich nur für den ohralen Genuss bestimmt ist deckt hier auch andere Sinne ab, hab das ja schon versucht zu erklären, dass einfach Bilder zur Musik entstehen, Gefühle, Empfindungen. Einfach nur großartig. Viele werden jetzt vielleicht die Nase rümpfen, weil VAST hier Musik via Computer produziert hat, aber bevor gemotzt wird, erst mal reinhören, es klingt nämlich keineswegs so künstlich wie es sich anhört. Natürlich teile ich auch die Meinung das live gespielte Musik immer noch die beste ist, mit echten Menschen und echten Instrumenten, dennoch muss anderes ja nicht unbedingt schlechter sein. Direkte Anspieltipps habe ich jetzt keine, denn seltsam aber wahr, ich habe einfach kein wirkliches Lieblingslied auf dieser Platte, weil jedes so speziell und anders ist und etwas anderes vermittelt. Das ist es wohl, was die CD so dauer- anhörfähig macht….
Fazit: Ich bin eine echte Verehrerin, diese CD stellt mit einem kleinen anderen Bruchteil meiner CD- Sammlung mein Herzblut dar. Stimmungstechnisch kann mich keine so intensiv und innovativ beeinflussen wie diese hier. Ein echter Hörgenuss- auch nach Jahren- und das muss ein Interpret erst mal hinkriegen. Darum volle 5 begeisternde Sterne und eine klare Weiterempfehlung! Wenn euer Interesse geweckt ist, hört erst mal rein und entscheidet dann, denn der Versuch meiner Beschreibung von VAST wird der CD nicht annähernd gerecht, aber ich finde einfach nicht die richtigen Worte um diese seltsame Art Musik zu beschreiben. =)
Restdaten: Preis momentan bei:17,99 (amazon) bei, jpc für 15,99, bei Ebay meist deutlich günstiger =) Produziert und aufgenommen von Fred Maher Gemixt von Andy Wallace Erschienen bei Label: Elektra Entertainment Spieldauer ca. 52 Minuten
Das Booklet und Cover ist meiner Meinung nach liebevoll designt und passt wie die Faust aufs Auge. Überwiegend schwarz, ein paar sakrale Bildchen, weißer Text auf schwarzen Seiten. Weiterhin findet man zu jedem Lied den Text und auch die Quellenangaben seitens Crosbys, wo er sich bei welchen Werken bezüglich seiner teils skurrilen Soundelemente bedient hat . Das Cover ist natürlich auffällig, weil es einfach ein riesiges Auge darstellt, eine Hälfte blau, die andere braun, lässt sich aber auch gut am Produktbild nachvollziehen. ;-)
So, ich hoffe ich konnte euch die CD etwas näher bringen. Vielen Dank für´s Durchhalten, Lesen, Bewerten und Kommentieren. Sollte euch was fehlen, dann lasst es mich wissen.
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04.11.2005 01:33
Das war er also, der Bericht, über den Du so lange gebrütet hast ;-) - Muß aber echt sagen, die Mühe hat sich gelohnt, man merkt schon, daß Dich die CD lange beschäftigt hat. Und ich bin tatsächlich etwas neugierig geworden, auch wenn ich mir im Moment noch nicht viel unter dieser "anderen" Musik vorstellen kann. Muß mal schauen, ob meine altersschwache Kiste noch nen funktionierenden Player hat, dann hör ich sicher mal rein. LG Martin
31.10.2005 09:11
Dein Bericht macht neugierig, muss ich demnächst mal reinhören.
30.10.2005 13:10
Klasse Bericht und super ausführlich, so viel hätte ich bestimmt nicht zu einer CD schreiben können. Werd mir die CD aber wohl trotzdem icht kaufen. lg, Nadja