Eine Bardenmär mit E-Gitarren
24.05.2007
Pro:
eine Band die ihre Instrumente absolut beherrscht und eine unglaubliche Stimmung erzeugt
Kontra:
zum Teil düstere Stimmung und ein wenig gelungenes Cover
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Nobbbigator
Über sich:
"Audiatur et altera pars."
("Man höre auch die andere Seite.")
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Erfahrungsberichte:27
Vertrauende:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nach langer Pause melde ich mich zurück und freue mich über eure Lesungen. Die Band als solche Stelle ich nicht mehr vor, da dies demnächst separat folgt. Gliederung:
I.) Cover II.) Booklet III.) Gesamtspielzeit IV.) Die Titel V.) Abwechslung VI.) Langzeitfaktor VII.) Preis - Leistung VIII.) Ergebnis I.) Das Cover
Das enttäuschende Cover zeigt ein goldenes Symbol auf rotem/weinrotem Grund. Im Hintergrund des ganzen ist ein hinterhältig lächelnder Narr zu sehen. Der rote Hintergrund wurde mit Strukturen durchzogen, die an ein Lederimitat erinnern sollen, was jedoch Missglückt ist. Der Schriftzug "Schandmaul" befindet sich über dem goldenen Symbol am oberen Rand der Covers. Darunter steht der Schriftzug des Titels "von Spitzbuben und Halunken". II.) Das Booklet
Auf dem Cover des Booklet prangt das Motiv der CD, in einer 1:1 Kopie, wenn auch der Narr im Hintergrund etwas deutlicher zu erkennen ist. Im Innern jedoch spielen sich ganz andere Dinge ab: So wird der Käufer/die Käuferin sofort mit einem "Seid gegrüßt Freunde!" angesprochen und darf sich ein kurzes Resümee der Bandgeschichte zu Gemüte führen. Gefolgt von einem fetten, wenn auch zwischen den Zeilen versteckten, "Danke", an die Fans. Doch es liest sich nicht überheblich oder verpflichtet wie bei manch anderen Bands, es liest sich erfrischend ehrlich. Die Hintergründe auf den Seiten sind mit Negativaufnahmen der Bandmitglieder, zu welchen sich das Positiv meist auf der gegenüberliegenden Seite befindet, sowie der Fans bei Liveauftritten gespickt. Im Vordergrund befinden sich, wie gewohnt, die Songtexte und viele Bilder der Band im Tonstudio, auf der Bühne, Backstage und so manches Promotionbild. Auf der letzen Doppelseite gibt jedes Mitglied ein persönliches Statemant zur Band und den Geschehnissen in den letzten Jahren ab. Persönlich, Informativ und Amüsant. Auf der letzten Seite zeigt sich erneut der Narr in schwarzem auf weinrotem Grund geziert mit den Namen der Bandmitglieder sowie der, so genannten, Schandsagung. III) Die Gesamtspielzeit
Mit 46 Minuten und 48 Sekunden hat diese CD eine typische Spielzeit und liegt voll und ganz im handelsüblichen Durchschnitt. Auch für die Band an sich ist dies eine normale Länge, also weder ein besonders langes, noch ein besonders kurzes Hörvergnügen. IV.) Die Titel
1.) Herren der Winde (3:49) Ein Lied, typisch wie Schandmaul nun einmal ist. Sowohl melancholisch als auch hoffnungsvoll klingt der Dudelsack und lässt viel Platz zur Interpretation des Textes. Als gesamtes klingt es wie ein Text aus der Romantik, nah am Tod, jedoch zu kraftvoll um zu sterben. Umrahmt wird dieses Lied von Schellengeläut, Schlagzeugklängen und Gitarren. Das dominante Instrument ist jedoch der Dudelsack.
2.) Der junge Sigfrid (5:06) Auch dieses Lied beginnt düster, etwas traurig und doch ist wieder ein Hauch von Kraft darin, passend zur Textstelle "Die Funken fliegen und aus der Asche erhebt sich wie Phönix eine Heldengestalt." Hier sind Tröten, Dudelsack, Schlagzeug und E-Gitarre am Werk, jedoch sehr sanft und mit wenig Abwechslung hält sich die leicht depressive Stimmung. Der Text an sich erzählt von einem jungen, der ein Heer an sich vorbeiziehen sieht und diesen Helden folgen will. So macht er sich auf in die Stadt um einen Schmied zu bitten ein Schwert für ihn zu schmieden. Dieser fragt ihn wovon er es bezahlen wolle. Der junge bitte ihn ihm sein Handwerk beizubringen um sich selbst eines Schmieden zu können. Er gewährt die Bitte und das Schicksal nimmt seinen Lauf...
3) Die letzte Tröte (3:22) Schon der Anfang dieses Liedes ist thematisch klar: Es geht um Tröten! Denn diese formen das Intro. Wie in jedem Lied dieser Band auch hier eine Geschichte: Ein König verbietet seinem Volk alle Musik und lies die Instrumente vernichten, doch eine Tröten fanden sie nicht und der Spieler dieser Tröte, Gesungen von Thomas Lindner, begehrt auf und die Revolution beginnt. Das erste Lied mit wirklicher Energie und "guter Laune Stimmung" auf diesem Album. Durch E-Gitarre, chorähnlichem Gesang, Schlagzeug und spielerisch, frechem Trötenklang kommt Revolutionsstimmung auf!
4) Eine Waldmär (3:54) Ein gesungenes Märchen, einfache Klänge, ein typisches Bardenlied mit Flöte, Schlagzeug, Geige und E-Gitarre. Ein Vater verlangt von seinem Sohn den Schwur niemals bei Nacht in den Wald zu gehen. Er vergisst den Schwur und das Übel nimmt seinen Lauf...
5) Powerdudler (3:36) Der Titel des Liedes spricht für sich! Kein Gesang, keine große Spielerei. Ein rein instrumentales Stück das von Anfang bis Ende "powert". Nur Dudelsack, E-Gitarre und Schlagzeug sind indetifizierbar.
6.) Die goldene Kette (5:26) Der Vater kehrt von der Schlacht zur Tochter heim und schenkt ihr eine goldene Kette. Die Tochter sieht es und beginnt zu weinen, es war das Zeichen ihrer Liebe für ihren Liebsten. Melancholie und Trauer dominieren das längste Lied auf diesem Album, es wurde sanft und vorsichtig, jedoch auch kraftvoll und wütend gespielt und gesungen. Geige, Flöte, sanfte Schlagzeugklänge und auf der anderen Seite straffe, düstere Gitarrenriffs gepaart mit schnellen Schlagzeugrythmen.
7.) Gebt acht! (3:14) Bedrohlich, spielerisch und spannend erzählt der Frontmann der Band die Geschichte des Monsters, welches in einem Turm seine Tinkturen und Tränke destilliert und sein krankes Hirn damit erfreut. Auch hier sind die üblichen verdächtigen am Werk, nämlich E-Gitarre, Schlagzeug, Geige und Flöte. Zudem werden an einer Stelle Gewittergeräusche sowie Regengeplätscher eingespielt um die bedrohliche Stimmung beizubehalten. In diesem Sinne: "Es ist versteckt irgendwo hier! Vielleicht gerade hinter DIR...!"
8.) Der letzte Tanz (3:58) Mein persönliches Lieblingslied dieses Albums. Hier spürt man die Fantasie und die gefühlte Romantik des Mittelalters. Schauplatz des Liedes ist ein Turnier, bei welchem um die Hand der Tochter des Königs gekämpft wird. Es beginnt mit Dudelsack und Schlagzeug, steigert sich mit Gitarren zu einem herrlichen gleichgültigen Ton. Anschließend sinkt das Thema auf Dudelsack und Gesang mit gelegentlichen, kraftvollen Gitarrenklängen. Beim letzten Refrain explodiert das Lied vor Kraft und gleitet in ruhigen Gesang. Gänsehaut und ein gutes Gefühl nach diesem Lied sind garantiert.
9.) Frühlingstanz (3:03) Klassische Gitarrenklänge, Leiern, Geigen, Flöten und eine Harfe stimmen eine entspannte Stimmung an. Ein rein instrumentales Lied, möge er kommen der mittelalterliche Frühling.
10.) Der Talisman (4:18) Beginnend mit Geigen, Trommeln und einer Leier singt Thomas Lindner über ein altes, mächtiges Objekt. Kraftvoll und doch ruhig ist dieses Lied angenehm zu hören ohne einen melancholisch-depressiven Klang zu verbreiten. Einfach immer gut zu hören. Die akustische Gitarre und eine Tröte sind im Hauptthema die wichtigsten Instrumente. Gegen Ende des Liedes taucht ein sehr gute E-Gitarren Solo auf und verliert sich ebenso schnell, wie es begonnen hat.
11.) Der Tropfen (3:21) Ein sanftes Liebeslied in Harmonie mit dem, was man unter dem Gesang eines Barden verstehen würde. Vorsichtige E-Gitarren Klänge mit leisem Schlagzeug und einem Gemisch aus choralem Hintergrundchor sowie Flöte, Geige und Akustikgitarre. Nicht immer hörbar aber zu gewissen Stunden perfekt.
12.) Henkersmahlzeit (3:34) Ein Tröte, Schlagzeug, E-Gitarre und Geigenklänge eröffnen mit dunklem, kräftigem Gesang den letzten Weg des Verurteilten. Er resümiert sein Leben, welches vom Abend mit Wein und Würfelspiel über Kriege bis hin zur gemeinsamen Reise mit Piraten reicht. Den Ende des Lieds wird mit immer schneller werdenden Klängen aller oben genannten Instrumente begonnen, bis ein russisches Kaling-Ka-Ka-Ling-Ka-Ka-La erreicht ist. (Da ich nicht weiß, wie sich dieses Lied nennt oder aus welchen Nationen es eigentlich stammt bitte ich alle Volksliedliebhaber mir diese Umschreibung zu verzeihen) So Endet das Album bestimmt mit einem klaren Abschluss und den Worten: "He da! Der Henker kommt! Wir sehen uns nie wieder!"
V.) Abwechslung Dieses Album gehört nicht zu den abwechslungsreichsten dieser Band, wobei man hinzufügen muss, das es sich hierbei um das zweite handelt. Zwar sind viele Lieder düster oder traurig gestimmt, doch ist die Stimmung von Lied zu Lied dennoch unterschiedlich, da jedes von ihnen eine andere Geschichte erzählt. Zudem trägt das Album auch den Titel "Von Spitzbuben und anderen Halunken", viel positives gibt es über diese "Berufsgruppen" nicht zu erzählen. Man erzählt sich Geschichten über sie, manche positiv, manche negativ... Das Gesamtkonzept ist gut gelungen, jedoch fehlen zum "sehr gut" mehr Lieder mit positivem Charakter.
VI.) Der Langzeitfaktor Den Drang dieses Album wieder und wieder anzuhören ist groß, wenn auch nicht so enorm wie bei manch anderen Alben. Dennoch macht es immer wieder Spaß diese CD in den DVD-Player, das Autoradio oder in den PC zu legen. Auch noch nach Wochen oder Monaten, oder, wie in meinem Fall nach Jahren. Zeitweise hört man sich natürlich satt daran, aber der Gedanke "Die könnt ich mal wieder hören..." verfliegt eigentlich nie.
VII.) Preis - Leistung Diese Gleichung geht sehr gut auf, da es sich hierbei um ein Album aus dem Jahre 2000 bzw. 2001 handelt und diverse Händler, wie z.B. die Drogerie Müller, zum Preis von 7.99€ anbieten. Mehr sollte man, allein des Alters wegen, nicht mehr ausgeben.
VIII.) Das Ergebnis Ein sehr gutes Album, welches allerdings nur dann gekauft werden sollte, wenn man diese Stilrichtung mag! Von Spontankäufen rate ich definitiv ab, obwohl ich diese Gruppe so kennen lernte. Wer sicher gehen will, das ihm diese Musik sollte auf schandmaul.de informieren und mal kostenlos Probe hören was ihn oder sie da so alles erwartet. Das gesamte Packet überzeugt, denn die Lieder, der Preis und der Widerspielwert trösten über ein eher tristes Cover mehrfach hinweg.
Auch hier gilt wie immer das Motto: Her mit Kritik, Verbesserungsideen, Lob und allem anderen was ihr los werden wollt!!!!
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31.05.2007 18:46
Alles drin, alles dran... klasse Bericht, sehr hilfreich... LG Dobby
29.05.2007 01:21
Tja wie schon gesagt, leider... Toller Bericht, lieben Gruß Birgit.
28.05.2007 11:45
Vor einigen Wochen habe ich mir zum ersten Mal Schandmaul gekauft. Es war die letzte Doppel-CD. (Kein Blick zurück? Kann nicht nachsehen, bin nicht zu Hause...) Gefällt mir wirklich sehr gut, denke, dass ich mir da noch andere davon besorge. Derzeit stehe ich auf so ähnliche Musik. Gruß Achim