Die politische Phase von U2
20.01.2002
Pro:
Engagierte, ausdrucksstarke Texte
Kontra:
Teilweise wird der "rote Faden" durchtrennt
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Niceguy76
Über sich:
Mitglied seit:27.12.2001
Erfahrungsberichte:20
Vertrauende:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Heute möchte ich mich einer Band widmen, die in den letzten 20 Jahren die internationale Musikszene entscheidend mitgeprägt hat: U2. Gegründet wurde die Band 1976. Damals wie heute besteht die Besetzung aus Paul Hewson alias Bono Vox (Gesang), Daven Evans alias „The Edge“ (Gitarre), Adam Clayton (Bass) und Larry Mullen Jr. (Drums).
Ich möchte Euch „War“ vorstellen, das dritte Album der Band. Es stammt aus dem Jahr 1983. Dieses Album ist der frühen Phase von U2 zuzurechnen, in der die Band vor allem durch ihr starkes politisches Engagement auffiel. Entsprechend deutlich fallen die Texte aus, die sich immer wieder um den Nordirlandkonflikt herum bewegen.
„War“ enthält folgende Titel: 1. Sunday Bloody Sunday 2. Seconds 3. New Year‘s Day 4. Like A Song ... 5. Drowning Man 6. The Refugee 7. Two Hearts Beat As One 8. Red Light 9. Surrender 10. „40“
„Sunday Bloody Sunday“ ist bis heute einer der bekanntesten Songs der Band. Einer jener Titel, die man dank des unverkennbaren Schlagzeugs bereits nach einer halben Sekunde erkennt. Prägnant ist natürlich auch das Gitarrenriff, das einen wahren Geniestreich darstellt. Textlich ist der Song eine wahre Anklageschrift gegen den Nordirland-Konflikt, dem die Band sich immer wieder widmet. Der Titel bezieht sich auf den 30. Januar 1972, den „blutigen Sonntag“, an dem 13 Menschen im Rahmen dieses Konfliktes ums Leben kamen. „Seconds“ widmet sich der Macht des Momentes. Auch dies geschieht zeitweise vor einem politischen Hintergrund, wenn von Aufstieg und Niedergang die Rede ist. Der Song arbeitet mit einer simpel durchgespielten Basslinie und vielschichtigen Gesangsspuren.
Der dritte Titel, „New Year’s Day“, ist ein weiterer wahrer Klassiker der Band. Auch dieser Titel dürfte eine politische Aussage haben, wenngleich sie etwas verklausulierter ist als in anderen Songs. Es kommt die Hoffnung auf eine Veränderung zum Tragen. Die Hoffnung auf Frieden. Auch musikalisch halte ich diesen Titel für einen der besten auf dem Album. Mit „Like A Song“ führt Bono eine Art Aufruf an seine Generation durch. Er macht deutlich, daß er der alten „Kriegsspiele“ endgültig leid ist. Eine Zeile wie „Two wrongs won’t make it right“ zeigt dabei, daß er den Konflikt als Ganzes verurteilt, nicht etwa eine der beiden Seiten. Ein überaus engagierter Titel.
„Drowing Man“ ist der erste Song auf dem Album, der eine komplett andere Richtung einschlägt. Hier handelt es sich um einen klassischen Lovesong, der im Vergleich zu anderen sehr ruhig ausfällt. Auffällig ist hier vor allem die „singende“ Gitarre von „The Edge“, die der Band immer wieder als Stilmittel dient. „The Refugee“ ist ein sehr interessanter Song, da U2 mit diesem fast schon improvisiert wirkenden Titel ihre Vielfältigkeit unter Beweis stellen. Textlich ist von großen Hoffnungen die Rede, unter anderem von der Hoffnung auf ein Leben in Amerika. Aus dem Munde eines Bono Vox klingt dies natürlich durchaus zwiespältig. Ein Song mit viel Interpretationsspielraum.
In „Two Hearts Beat As One“ macht Bono eine Art innerer Spaltung deutlich. Entsprechend vermittelt der Text eine unentschlossene Haltung, die einerseits forsch, andererseits aber auch wieder geradezu resignierend wirkt. Unterstrichen wird dies von schneidenden Gitarreneinlagen. Auch „Red Light“ ist ein derartig zwiespältiger Song. Man hat den Eindruck, dieser Titel würde textlich nicht so recht in das Album hineinpassen. Musikalisch jedoch fügt er sich gut in das Gesamtgefüge ein und überrascht zudem mit Bläsereinlagen.
„Surrender“ ist ein recht ausschweifender Song, der textlich Wünsche, Hoffnungen und die Suche nach Selbstfindung behandelt. Musikalisch ist der Titel recht facettenreich ausgelegt. Man merkt den Musikern ihre Spielfreude deutlich an. „40“ rundet das Album als Ganzes ab. Interpretationsspielraum wird hier genug gelassen, doch kann man den Text durchaus als Referenz zu den politischen Aspekt werten. Nicht umsonst wird hier mit „How long to sing this song“ eine kleine Anspielung auf „Sunday Bloody Sunday“ vorgenommen. Daher schließt sich hier der Kreislauf.
FAZIT
Sofern man die frühe Phase von U2 nicht kennt, wird dieses Album viele Überraschungen für den Hörer / die Hörerin bereithalten. Zu unterschiedlich sind die Phasen der Band, als daß man U2 anno 2002 mit U2 im Jahre 1983 vergleichen könnte. Zugleich wird das Engagement deutlich, mit dem U2 zu Werke gehen – musikalisch wie textlich. Eine Tendenz, die auf den Alben in der zweiten Hälfte der 80er Jahre ihren Höhepunkt finden sollte.
Ein Kritikpunkt besteht lediglich darin, daß „War“ zeitweise wie ein Konzeptalbum wirkt, das einen roten Faden verfolgen will – dann aber wieder der eine oder andere Song völlig aus dem Rahmen fällt. Dieser subjektive Eindruck wird aber dadurch revidiert, daß sich musikalisch ein durchaus schlüssiges Gebilde ergibt. „War“ ist nicht das beste Album von U2, aber dennoch halte ich es für einen Meilenstein in der Geschichte der Band. Und da ich es für uneingeschränkt empfehlenswert halte, kann ich es auch guten Gewissens mit 5 Sternen bewerten.
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11.07.2003 21:22
Hi, auch ich bin der Meinung, 5 Sterne sind korrekt, wenn auch der Klang nicht so prickelnd ist ... Gruß, Sven (Zoobremia)
23.01.2002 18:42
U2 ist eine dieser Bands von denen mir das Best Of reicht. Sind ganz gut, aber einen Tick zu ruhig für mich, als dass ich weitere Alben kaufen würde. Super bericht. MFG Dash
21.01.2002 12:49
Ehrlich gesagt war U2 - abgesehen von wenigen einzelnen Songs - noch nie mein Fall. Aber Dein Bericht ist gut! Saludos, Cardoso