Pulp auf dem Ökotrip?
22.02.2002
Pro:
interessante Texte, klasse Melodien und bombastische Instrumentierung
Kontra:
nicht zum Nebenbei hören
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Sven792
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:207
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 70 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Lange haben sie sich Zeit gelassen für ihr neues Album, und noch länger ciao.com, um die neue Rubrik zu eröffnen. Zeit, die zumindest bei Pulp nicht verschwendet scheint. „We love life“ ist der erwartete Geniestreich, obwohl oder gerade weil es ganz anders klingt als „This is hardcore“. Pulp das sind der charismatische Sänger und Gitarrist Jarvis Cocker, am Bass ist Steve Mackey zu Gange, in die Keyboardtasten haut Candida Doyle, fürs Schlagzeug ist Nick Banks zuständig und Rhythmusgitarre spielt Mark Webber. Eigentlich eine ganz normale Bandbesetzung, nach der sich „We love life“ aber nicht anhört.
Kein Wunder produziert hat der große Scott Walker, und das hört man! Nicht selten erinnern die Klangwelten von „We love life“ an die grandiosen Divine Comedy in ruhigeren Momenten auch mal an Mercury Rev und The Weeping Willows. Bombastische Arangements mit grandiosem Pathos, anschwellenden Gitarren, Frauenchören und Streichern. Nicht umsonst spricht Jarvis Cocker vom symphonischen Soundtrack. Außerdem weist er im Booklet draufhin, dass man um in den vollen Genuss der Platte zu kommen, doch bitte beim Hören nicht im Booklet blättern sollte. Großer Pop also. Und die Themen? Einige versprechen verächtlich von Pulps Öko-Trip. Falsch, Pulp sind auf dem Grund ihrer Existenz angekommen. Eine Zeile wie „Yeah, the trees, those useless trees produce the air that I am breathing” klingt naiv, oder wie ich finde nach Gänsehaut. Die Zeile stammt aus der majestätischen Single “The Trees”.
In „The birds in your garden“ bekommt Jarvis von den Vögel zugezwitschert, dass er sich endlich trauen soll, seiner Angebeten seine Liebe zu gestehen. Ein wunderbarer Song, eine fantastische Komposition und ein Jarvis Cocker in Bestform. „It's a crime against nature - she's been waiting all night”. Der “Ökotrip” beginnt schon mit dem Einstiegstrack “Weeds“. „We are weeds. We'd like to get you out of your mind. Gonna cut you down in your prime, yeah.” Pulp = Drogen? Die uns vernichten wollen, oder stehen die Wurzeln hier doch für was anderes? Wohl doch für was anderes wie uns der folgende spoken word Track „Weeds II“ klar machen will: „This is the true story of the weeds: the origin of the species.” Ach so, also tut den Pflanzen kein Unrecht an, denn sie sind unsere Vorfahren. Das ist doch mal intelligenter Umweltschutz. Aber dann ist auch erst mal gut mit der Naturverehrung. „The night that Minnie Timperley died“ ist ein wütendes Stück über den sinnlosen Tod eines Mädchen, das das falsche Auto genommen hat.
„Bob Lind“ schließlich ist Sixties-Gitarren-Pop: luftig, mit schöner Melodie und einer wunderbar stolpernden Gitarre. Und dann, der vielleicht schönste Song der Platte die superbe Ballade „Bad Cover Version“, natürlich voller Pathos aber auch großer Klasse. „A bad cover version of love is not the real thing“. Das Album kompletieren ein weiterer spoken word Song, allerdings mit wunderschöner Melodie und die beiden ruhigeren Stücke „Roadkill“ und „Sunshine“ am Ende der Platte. „We love life“ ist weiß Gott keine Platte zum nebenbei hören, schon allein die zeitweiligen Lärmausbrüche stören die Ruhe, widmet man sich der Platte aber intensiv, gibt es einiges zu entdecken.
Mag “Bad Cover Version” der schönste Song sein, “I love life” ist zweifelsfrei der wichtigste in Zeiten wie heute. „I love my life; it's the only reason I'm alive”. In diesem Sinne: Enjoy your life and hear Pulps new masterpiece!
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11.02.2003 11:06
Ich hatte immer gehofft mein Bruder kauft sich die CD, wie er eben auch alle anderen von Pulp besitzt, aber nö, machte er nicht. :( Aber wenn ich mal reich bin...;) Gruß, Maurice
11.04.2002 11:20
Hi, sehr schön geschriebener Bericht, da hast Du mich ja richtig neugierig gemacht....Gruß, chili
05.03.2002 23:23
Sicher nicht das beste Album,aber nach immer mehr hören nimmt der Spaß zu - mein Lieblingstrack: Birds in your Garden