Ja, wer ist das wohl?
23.07.2006
Pro:
gute handgemachte Musik
Kontra:
nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 amadeuselvis
Über sich:
Wieder da...!
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Vertrauende:15
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Heute schreibe ich Euch über eine CD einer Band, die etwas anders ist, die 17 HIPPIES! ~~~~~~~~~~~~
Die Hippies sind zwei Hand voll überwiegend Berliner Leute (keine 17), sie treten in kleinen Clubs auf, haben aber auch schon größere Konzerte gegeben. Sie haben sich 1996 gegründet. Die Band hat wechselnde Mitglieder, die wichtigsten - samt dazugehöriger Instrumente stelle ich Euch hier kurz vor: 1. Antje Henkel Klarinette, Saxophon 2. Carsten Wegener Kontrabass, Singende Säge 3. Christopher Blenkinsop Ukulele, Bouzouki, Gesang 4. Daniel Friederichs Violine 5. Dirk Trageser Gesang, Gitarre 6. Elmar Gutmann Trompete 7. Henry Notroff Klarinette 8. Kerstin Kaernbach Violine 9. Kiki Sauer Akkordeon, Harmonium, Gesang 10. Lüül Banjo, Gitarre 11. Rike Lau Cello 12. Uwe Langer Posaune, Euphonium 13. Kruisko Akkordeon
Sie haben ihre Spuren sogar in einigen Spielfilmen (daher kenne ich sie auch)hinterlassen, zum Beispiel im deutschen Film: "Halbe Treppe" mit Axel Prahl, wo sie hauptverantwortlich für die Filmmusik und den Soundtrack waren und einen Auftritt als Straßenmusikanten hatten, oder in: "Tigeraugen sehen besser" mit wo man sie fast als Hauptdarsteller sehen konnte. Ja selbst beim "Sandmännchen durfte ich sie neulich (als Hintergrundmusik bei einem Kurztrickfilm) erleben. Ihr Stil lässt sich schwer beschreiben, er beinhaltet Chanson-Elemente genauso wie westlichen Folk und vor allem osteuropäische Heimatklänge. Gesungen wird deutsch/englisch/russisch/französisch.
Die CD, die ich im Folgenden beschreiben möchte ist die zweite der Hippies und trägt den Namen: "Wer ist das?", sie entstand 1999 und zeichnet sich vor allem durch ihr einzigartiges Cover aus. Eine Papphülle zum Aufklappen mit einem ausgestanzten Quadtrat auf der Vorderseite. Dahinter schlummert ein (auswechselbares) Bild einer fülligen, streng dreinschauenden Mittfünfzigerin vermutlich Russischen Ursprungs. Das ist auch die Person, die der CD den Namen gab! Keiner weiß, wer sie ist und wie sie es aufs Cover geschafft hat. Wer die CD das erste Mal sieht, muss wohl oder über zumindest schmunzeln, wenn nicht über beide Ohren grinsen. Die CD "Wer ist das?" hat 16 Titel, ich werde sie in gewohnter Manier kurz beschreiben und zwar in Worten, welche die Klangfarbe und die Aura gerade dieses Titels beschreiben sollen. Sprich: Es werden nicht alle Instrumente aufgezählt, auch nicht die Leute, die gerade singen, sondern nur kurz das Wesentliche, was den jeweiligen Titel ausmacht.
Los geht's:
Le deserteur - **************** Dudelsackintro mit einigen Zwischenrufen, sanft, melodisch, eignet sich sehr gut als Auftakt Freilachs - ************ ein Instrumentalstück mit Violine und Ukulele, fröhlich aber noch nicht zu schnell
Alabama jubilee - ******************* erinnert an alte Charly-Chaplin-Filme, immer wiederkehrendes Thema, Instrumente (vor allem Klarinette und Celli und Euphonium schaukeln sich allmählich gegenseitig hoch Jolie blonde - *************** Cadjun-Musik, wie wenn man in den Sümpfen steht, Banjo, Geige, franz. Gesang, immer wieder schnalzende Zungen - hier kommen etliche Bandmitglieder mal an die Reihe zu singen
Ershter Tants - **************** schwermütig, ein bisschen gedrückt aber keinesfalls depressiv, ehr nachdenkliches Stück, die Streichinstrumente -vor allem der Kontrabass- bestimmen hier die Melodie, aufgelockert durch Tambourin und hier und da einmal eine Rassel Maxglaner - ************ viel Klarinette, kling nach Israel und fröhlichen Bamitswa -Festen, man kann locker dazu tanzen, kurz vor Ende des Liedes plötzlich Schluß - Klatschen und dann noch mal, weil's so schön war der Refrain
Tarantella - ************ live-Aufnahme mit Zwischenrufen, Pfeifen, viel Trompete, Saxophon, englischer Text, welcher mehr halb sprechend halb rufend eingebracht wird Saragina Rumba - ******************** mein Lieblingslied, alle Instrumente, absolut einprägsame Melodie, ging mir Wochenlang durch den Kopf, der Refrain besteht aus kurz gestrichenen Cello-Sätzen, welche sich mit Akkordeon-Teilen abwechseln
Niall's - ******** jazzen, bis der Arzt kommt, Trompete und sehr gut geblasenes Saxophon kommen hier voll zur Geltung, gut gespielt, das Tempo wechselt, der Takt wird eingehender und das Lied wird dadurch nicht langweilig Mandelay - ************ der Anfang sauschnell, von taktvollem Klatschen begleitet (ist mir ein Rätsel, wer so schnell und gut klatschen kann) dann wieder melancholisch klassisch leise und langsam, dann wieder Wechsel immer wieder unterbrochen von Posaunen, die sich herrisch in den Vordergrund drängen
Mustafa - ********** türkisch-russische Balalaika-Musik, wie auf dem Krim, der Anfang einprägsam gestrichen, dann kommen die Bläser, üble Instrumente wie Löffel und Shaker kommen danach zum Einsatz und als Höhepunkt singen alle im Chor Ungarn-Walzer - ****************** schönes Stück perfektes Zusammenspiel, walzerisch-fröhlich, Streichinstrumente und Klarinetten, herrlich locker und beschwingt
Zweutletscht - *************** absolut tanzbar (im Kreis, alle fassen sich an), wie beim Volksfest in Bulgarien mit vielen Einwürfen aus dem Publikum (nicht nur mit Worten auch Klopfen und Klatschen) Ukrainskyi Tanietz - ********************* klar strukturierte Cello (kurz angestrichen, dadurch recht flott), im Hintergrund immer mal leise die Posaune und eine Drehleier
Chassidic song - ******************* schnell, gestrichene Instrumente, Klarinette kurz Posaune und Bass, die pure Freude Broyges Tanz - **************** Am Anfang "besoffene Russen" die mit lalaleilei, die Musik rufen, welche dann als erstes in Form einer Klarinette dann mit Streichinstrumenten , danach mit Banjo auch kommt, taktvoll und mit Absätzen nähert sie sich , bis sie sich als alter dicker Tanzbär präsentiert. Dumpf und tapsig! Nach dem "Vorspiel" verkriecht sich der Bär dann in seine Höhle und der Schluss der CD wird dann noch mal tanzbar flott. Alles endet in einem großen Beifall.
Man kann, denke ich aus den Titeln und den oben genannten Instrumenten erahnen, welche Musik hier gemacht wird. Sie ist vor allem handgemacht! Nichts elektronisches, nichts nachkorrigiertes, ja manchmal wurde nicht mal bei einem kleinen Verspieler neu angefangen. Die Darbietungen wirken dadurch aber keinesfalls unprofessionell, im Gegenteil, man hört deutlich, das jedes Bandmitglied sein Instrument vollkommen beherrscht und lediglich viel Spaß beim "indieTastenhauen" hat. Die Lieder sind sehr schnell (außer bei Titel Nr. 5), machen wahnsinnig Spaß und lassen die Beine (selbst meine ausgesprochenen "Nichttänzertreter") ständig aufs Neue zucken. Am liebsten würde man aufspringen, sich irgendjemanden schnappen und wie die Hillbillies loshopsen, so sehr gehen der Rhythmus und vor allem die einprägsamen Melodien ins Blut.
Ich persönlich mag sowieso die (Blech-)Blasinstrumente sehr gern und komme bei dieser Musik voll auf meine Kosten, das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente und Musiker und die zeitweise richtig chaotisch wirkende Stimmung lassen einen nicht mehr los. Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft, auf ein Konzert der Hippies zu kommen, welches -denke ich- ein besonderes Erlebnis sein muss. Aber was nicht ist ...
Bilder von Wer ist das - 17 Hippies
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13.01.2009 10:23
ein toller bericht! ich hab die band erst vor ein paar monaten entdeckt und finde sie richtig gut, vor allem die osteuropäischen und (wenn ich mich nicht täusche) jiddischen einflüsse mag ich, hat es denn mittlerweile mal mit dem konzert geklappt? grüße Chris
06.07.2008 00:03
da bin ich ja auf absolutes neuland für mich gestossen ... .-) lg mozarteum
15.05.2007 16:28
Klingt gut, habe noch nie von denen gehört. LG, Jessica