White Boy's Blues
18.12.2004
Pro:
Innovativ, Homogen
Kontra:
fällt mir nichts ein
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
mehr
 derDosch
Über sich:
gone
Mitglied seit:29.07.2003
Erfahrungsberichte:227
Vertrauende:18
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Lange bevor Eminem das Musikgeschäft gestürmt hat, gab es weiße Rapper. Zwar waren sie selten und oft auch peinlich, man erinnere sich mal an Vanilla Ice, aber es gab sie. Alles andere als peinlich oder unglaubwürdig waren Mitte der 90er das Trio Hause of Pain, die mit dem Welthit „Jump around“ zu Ruhm kamen. Kopf des weißen Hip Hop Trios mit dem ungesunden Lebensstil war der MC Everlast, der es zu Beginn des Jahrzehnts eigentlich als Solorapper schaffen wollte, dabei aber scheiterte. Der Ruhmesgeschichte der Gruppe war nach wenigen Jahren vorbei, nichts wurde so erfolgreich wie „Jump around“, außerdem wollten dich die Mitglieder neu orientieren. Die Trennung war also beschlossene Sache. Bis man was von den drein wieder was hörte, sollte aber ein Weilchen vergehen. Danny Boy ließ niemals wieder was von sich hören, DJ Lethal stieg bei Limp Biskit ein und Everlast, der versoff erst mal sein Vermögen, bis er sich dann entschloss, Solo was aufzunehmen.
Den Erfolg seiner Arbeit sollte er fast nicht mehr erleben, kurz nach dem der letzte Takt eingespielt war bekam er einen Herzinfarkt. Fortan hat er seinen Lebenswandel gemäßigt und knüpfte an die Erfolge der Band an. „Whitey Ford sings the Blues“ war schon eine echte Überraschung als das Werk 1999 veröffentlicht wurde. Der besoffene Partyrapper hat sich zu einem ernsthaften Musiker gewandelt, der immer mit einer Gitarre unterwegs ist und Jonny Cash als Vorbild benennt.
Man hat die Fans alter Tage aber nicht komplett ins kalte Wasser gestoßen, mit „THE WHITE BOY IS BACK“ startet man mit einem Oldschool Intro, das gleich in das mit pumpenden Bass unterlegte „MONEY“ übergeht. Der Song geht wie in alten Tagen nach vorne, der Beat ist streight, lediglich ein paar Klavierspritzer sind auf den Beat gekleckert. Unterstützung hat man auch dabei: Sadat X, der in den 90ern zu Ruhm kam. Textlich kann man schon hier eine Veränderung feststellen, der Song widmet sich dem lieben Geld und wie sich alle danach verzehren. Mit wunderbarer Ironie rappt Whitey am Ende: „I want cash and checks, I want diamonds....“ “ENDS” steht in direktem Zusammenhand mit “Money”, jedoch nur Inhaltlich. Der Beat klingt nach „WHAT IT’S LIKE“, welches sich gleich an diesen Song anschließt. Westerngitarre steht also im Vordergrund, darunter eine Hip Hop Bassline, dazwischen ein paar Scratches. Ein Rezept, welches hier innovativ, wenn nicht sogar revolutionär im Genre war. Aber leider hat sich der gute Everlast in seinen folgenden Alben nichts neues mehr einfallen lassen. „TIRED“ ist ein Hip Hop Brett, wie wir es von Everlast heute nicht mehr bekommen, keine Gitarren, auch keine jiggy Bassline. Die Bassline klopft konstant gegen die Boxen, hier und da ein paar Scratches. Richtig düstere Atmosphäre macht sich breit, auch etwas aggressiv. „HOT TO DEATH“ zeigt deutlich in Everlasts Zukunft, hier bekommt man E-Gitarren Breitseite, entstanden ist ein etwas chaotisch wirkender Headbanger. „PAINKILLERS“ ist eine absolute Perle, melancholisch wird hier ein Cello (?) gestrichen, dazu ein tiefer Bass und ein paar Drums. Im Text erzählt Everlast davon in einer Hotellobby niedergeschossen zu werden. „Mr. Ford, I don’t think you’ll be jumping around anymore“. “PRAISE THE LORD” ist noch einmal ein oldschoolig Hip Hop Track, der von “TODAY” gefolgt wird. Dies ist ein Song der wieder deutlich in die „What it’s like“ Richtung zeigt. Anders als dieser Song ist dieser hier nicht so melancholisch, zumindest von der musikalischen Untermalung nicht. „DEATH COMES CALLIN“ ist eine nette Uptempo Nummer mit Hip Hop Beat und dezenter Gitarren -Untermalung. Der Hip Hop Faktor überwiegt hier deutlich, so auch bei „FUNKY BEAT“ mit erneuter Unterstützung von Sadat X. Auch dieser Song verbeugt sich vor der Oldschool, mit funky Breakbeat aus dem Synthie sammelt man hier Pluspunkte. Ein Highlight ist das kurze „LETTER“, über ein Klavierbeat, der aus einer Spieluhr kommen könnte, richtet Everlast ein paar Worte an seine Exfreundin. Ein feines, aber trauriges Lied. FAZIT: „Whitey Ford sings the Blues“ ist sicherlich eine der 20 besten Hip Hop Platten in den 90ern. Unkommerzieller Hip Hop, dazu die innovative Idee, Elemente dieses Genres mit Country zu kreuzen. Absolut genial. Hinzu kommt die Tatsache, das sich ein düsterer Vibe durch die Platte zieht und sich trotz einer gewissen Stilvielfalt ein homogenes Album entwickelt hat. Leider konnte Everlast da dieses Album nicht mehr anknüpfen, er verstrickte sich in Wiederholungen, zudem klingen seine Raps längst nicht mehr so frisch wie auf dieser Platte. Diese höre ich noch heute sehr gerne, Sammler sollten dieses Werk besitzen!
Danke für Lesung/ Bewertung/ Kommentar. Dosch.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
|
|
16.01.2005 01:21
Jawollja! Der PAINKILLERS Text geht echt unter die Haut. Ich mag die Art, wie Schrody hier kritisch über Drogen und Verbrechen rappt. Sein bestes Album.
19.12.2004 18:09
ich glaube, white trash beautiful liegt mir da eher.
18.12.2004 22:59
jump around sagt mir nichts, aber mit hip hop habe ich auch keine großen (allzu) erfahrungen....noch unbeleckt aber interessiert....