Die besten LPs Rock und Pop - 1971
16.07.2004
Pro:
Genrebestimmend
Kontra:
Keines
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 mongerbino
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:64
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 39 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Meine Damen und Herren, in dieser kleinen Reihe über ewig anhaltend schöne Musikklassiker soll es nun weitergehen und die Jahre verfliegen nur so. Schon haben wir 1971. Was wäre da zu erwähnen? Die Beatles gab es nicht mehr. Die Stones ja. Aber wer galt damals noch im Reigen der dienstältesten Rockbands? Natürlich The Who.
Ja wir Älteren erinnern uns an damals, als wir noch jung waren, voller Tatendrang und der Himmel hing voller Geigen. Nein, es waren E-Gitarren! Diese Gitarren wurden dann auch noch auf der Bühne zertrümmert von Pete Townshend. Er war nicht nur der Längste-Nasen-Inhaber der Rockgeschichte, er war der Vorreiter aller Heavy-Metaller der Welt und aller bösen Buben, im Grunde seines Herzens aber ein lieber Zeitgenosse, der uns viel Schönes bescherte. Am Drum wirbelte der leider 1978 verstorbene Keith Moon. Keiner sonst beglückte uns mit so vielen Trommelwirbeln. Ja, sogar bei Balladen wurden Trommelwirbel untergebracht. Dann ist da natürlich Roger Daltrey, der Sänger sowie John Entwistle, der ruhigere Who am Bass, der leider ebenfalls verstorben ist. Soweit zum Who is who. Wie so oft im Leben findet man die Platte eines Interpreten am schönsten, die man als erste von diesem kannte. Bei The Who erwähne ich vielleicht auch deswegen das Werk aus dem Jahr 1971 „Who’s next“. Es gibt natürlich auch andere Perlen der Gruppe, wie „The Who by numbers“ oder das ganz große Album „Who are you“, nach dessen Fertigstellung Keith Moon leider verstarb. Ganz zu Schweigen von den frühen Werken aus den 60er Jahren. Wer kennt nicht mindestens 80 Versionen von „My Generation“?
Anfang der 70er fing man in England an, mit Sythesizern zu experimentieren. So auch auf „Who’s next“. Endlos lange Intros mit Sythesizern, die dann jäh von Pete Townshends Gibson Gitarre nebst Aufschrei von Roger Daltrey zerrissen wurden. Der Sound war seiner Zeit weit voraus. Pink Floyd setzten ähnlich Synthies ein, allerdings in ganz anderem Zusammenhang. Pete Townshend und David Gilmour sind Freunde. So begleitete David mit seiner damaligen Gruppe The Deep End Pete auf seiner Solotour 1985 im Zusammenhang mit seinem Hit „Face the face“. The Who ist intelligente Rockmusik feinster Machart. Da gehört eine gewisse „Schrammligkeit“ natürlich dazu. Hören Sie sich die Stones an. Zu bemerken ist, dass Townshend fast alles allein macht. Er komponiert, produziert, spielt und singt oftmals auch. Aber nett, dass die anderen dabei sind. Gut, so will ich es gar nicht sagen. Nach dem Tod von Keith Moon 1978 kam nicht mehr viel und sein Drum trug immerhin die ganze Musik. Die Stimme von Daltrey darf dabei auch nicht vergessen werden.
Die Produktion ist wie gesagt erstklassig. Auf dem mir vorliegenden Vinyl klirren leider die Höhen etwas. Das mag an der 33 Jahre alten Aufnahme oder aber an der Pressung, die ich habe, liegen. Kommen wir zu den einzelnen Titeln:
1. Baba O’Riley Gleich ein ganz großer Opener. Stakkatoartige Synthies laufern erst mal eine Minute rein, bis wie gesagt Pete’s Gitarre sagt, wohin wir hier gehen. Nein, es ist bestimmt keine elektronische Musik. Keith trommelt, als ob sein Leben davon abhinge. Und wer Backgroundinfos über Keith Moon hat, weiß, dass es genau so war.
2. Bargain Wer kennt es nicht? Einfach nur geil, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das Stück ist für sich allein schon eine Operette.
3. Love ain’t for keeping Dies ist sicher kein Klassiker geworden. Eine Ballade, die ich jedoch nicht zu den rausragenden von The Who zählen würde. Dazu später. Rundet aber die Platte ab.
4. My Wife Offenbar gibt es eine Klausel, die besagt, dass John Entwistle auf jeder Platte einen Song schreiben und auch singen darf. Es sind nicht alle Songs schlecht von John. Dieser erreicht aber nach meiner Auffassung keine Weltberühmtheit.
5. Song is over Der Song fängt mit dem Satz an, dass er zuende ist. Auch schön, oder? Die Ballade wird von Pete gesungen. Absoluter Klassiker.
Seite 2 startet mit: 6. Getting in tune
Das sind Hymnen, meine Damen und Herren. Ich werde diese großartigen Songs auch in 20 Jahren noch lieben und hören. 7. Going mobile
Da fällt mir nichts mehr ein. Melodie, Aufbau, Produktion, spielerisches Können. Dieser Titel hat einfach alles. 8. Behind blue eyes
Bitte, bitte, verschonen Sie mich mit der grässlichen neuen Version, die aktuell irgendeine Boygroup verhunst hat. Entsetzlich. Ich weiß nicht einmal, wie die heißen, will es auch nicht wissen. Immer wenn es gespielt wird, peitsche ich mein Radio aus. Wer das Original nicht kennt, sollte es sich mal reinziehen. Das ist eine Ballade im Weltklasseformat. Unvergleichlich. 9. Won’t get fooled again
Der Höhepunkt der Platte. Hier fliegen Ihnen acht Minuten lang die Ohren weg. Was soll ich mit Opern wie Aida, wenn ich Won’t get fooled again hören kann. Hierin gipfelt die Platte, zitiert gleichzeitig den Aufbau der LP von Anfang an und endet hier im absoluten Höhepunkt. Wenn die Platte dann zuende ist, bleibt der Nachhall in Ihren Ohren noch für Stunden. Geschichtlicher Zusammenhang
Es sollte hier wohl - so munkelt man - der Rockoper-Nachfolger für Thommy vorgelegt werden. Nachdem das Projekt exorbitante Ausmaße annahm, legte man die Stücke kurzerhand auf Platte. Cover
Die politische Correctness, die bei meinem vorherigen Bericht über Uriah Heep in Zweifel gezogen werden könnte, ist hier unproblematisch. Im Gegenteil betrachtet man auf der LP ein fast schon romantisches Bild. Die Jungs von the Who pinkeln gepflegt auf einer Art Abbruchgelände oder Marslandschaft gegen einen leblosen Betonpfeiler und schnüren sich gerade die Hosen wieder zu. Damals sicher ein Schock für das Establishment der zuende gegangenen 60er. Heute aber in der Nachweihnachtszeit die fast schon natürlichste Sache der Welt. Aber so waren The Who, immer irgendwie provokativ. Man wollte gegen die damit verglichenen eher fast schon braven Stones anstinken und die waren ja schon um einiges rotziger als die Beatles mit ihren ordentlich geschnittenen Haaren, die nur gegen Ende kaum noch einen Friseur zu Gesicht bekamen. Oder wuchs der Bart über den ganzen Kopf? Ich weiß es nicht. Ich möchte schließen mit den Worten, dass sich mit dieser Platte ein hervorragendes Musikerlebnis in Ihren Gehörgang begibt, das einem Vergleich mit den ganz Großen der Musikgeschichte standhält.
Danke für das Interesse. Noch Fragen?
Bilder von Who's Next - The Who
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15.05.2007 21:46
super scheibe. guter bericht. lg TOM
08.06.2006 12:15
forget beatles , forget stones , sound of Who , everyone feel in his t-bones..... who's next und natürlich who in originalbesetzung ist , und wird auch niemals zu toppen sein.
06.03.2006 18:34
Ohne Zweifel, ich glaube da sind sich Käufer und Kritiker einig. Who s next ist eine der besten Platten der Siebziger, mit Tommy das Highlight der Who und eine klassische Scheibe des melodischen Hard-Rock, als es diesen Begriff noch gar nicht offiziell gab (und diese schrecklich öden CD Abteilungen mit dem Corporate-Identity "Hard and Heavy" in den Plattenläden: wo eine Gruppe wie die andere sich anhört und aussieht, alleine schon die Horror-Covers, da kommt mir die grosse Langeweile. Da greifen auch gerne jüngere Hörer (ihr Behind Blue Eyes wurde ja in den letzten Jahren erfolgreich im Radio neu aufgelegt) zu Gruppen wie Who oder Led Zeppelin. Ich lernte die Platte über ihre Single "Won`t get fooled again" kennen. Die CD ist ja eine weitere Überraschung mit soo vielen Boni, z.T. auch recht ruhigen Songs