... und zur gleichen Zeit fiel mir die Doppel-CD
Wieder dahoam – Live in Graz und Wien
in die Hände. Sie markiert einen Wandel in der Musik von Konstantin Wecker. Die alte Band war "ausgelaugt" und Konstantin formierte eine Neue. Und was für eine! Für mich ist es seine (bisher) beste ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Mr.Beka über Wieder dahoam in Wien und Graz Live - Wecker, Konstantin 15.11.2002
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
gut
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
wird nie langweilig
Pro:
Seine beste Zeit beginnt mit dieser Scheibe
Kontra:
Nichts - (mit der Fan - Brille gesehen)
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Vorwort ========
Willkommen zum zweiten Teil meiner Konstantin Wecker-Reihe. Für Neueinsteiger und interessiert nochmals sei hier gesagt, dass er ein Künstler ist, der sehr stark polarisiert. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen gibt es bei der Beliebtheitsskala dieses Künstlers deutliche Ausbuchtungen bei "Mag ich total gerne" und "Will ich auf keinen Fall mir antun". Ich gehöre definitiv zum ersten Lager und mich verbinden mit dem Künstler viele Abschnitte meines Lebens...
Einleitung ==========
... die französischen Zeiten waren vorbei ... vorerst. Nicht nur, dass ich meinen französischen Traum ausgeträumt hatte, ich wurde danach 2 Mal kurz hintereinander "gegen die Wand gefahren" und wollte mit Frauen vorerst nichts zu tun haben. Zumindest nichts, bei dem ich Herz und Seele hätte einbringen müssen. Diese wollte ich nicht mehr preisgeben. Zur gleichen Zeit verlor ich den Bezug zur Musik Konstantin Weckers. Ich verpflichtete mich bei der Bundeswehr, jobbte nebenher als DJ und dachte "..das ist es...". Ich redete mir ein, dass das Alleinsein bei weitem besser ist als jegliche Beziehung. So vergingen die Jahre, ich ließ die Bundeswehr hinter mir (wusste ich doch jetzt, was nicht NICHT tun will) und stürzte mich in den Beruf ... und dann, plötzlich ein Brief aus Frankreich ... und zur gleichen Zeit fiel mir die Doppel-CD
Wieder dahoam – Live in Graz und Wien =================================
in die Hände. Sie markiert einen Wandel in der Musik von Konstantin Wecker. Die alte Band war "ausgelaugt" und Konstantin formierte eine Neue. Und was für eine! Für mich ist es seine (bisher) beste Zeit. Einen Hauptgrund sehe ich in der Zusammenarbeit mit der deutschen Jazz-Legende Wolfgang Dauner. Er bekommt auf dieser Live-CD sein eigenes Stück. Aber der Reihe nach...
CD1 ======
1. Wieder dahoam Die Hymne, die so gar nicht stimmt, denn eigentlich habe ich den Eindruck, dass nun eine neue Epoche beginnt bei Konstantin. Und ich muss sagen, dass Sie für mich bei weitem die Beste in seinem künstlerischen Schaffen ist "Wieder dhoam in meiner Melodie..."
2. Am Dichtertisch/Franz hat sich gefunden "Deutsche Unter-Haltung...Atmen und Amen im Hier und Jetzt ... tibetanische Tempelschuhe ... Ommmmmmm" ... Konstantin hat mich bei den vielen Live-Auftritten, die ich erleben durfte, immer auch durch seine "Lesungen" erfreut. Und besonders gefreut hat es mich, dass es auf den Live-Scheiben Einzug gehalten hat. 2 Gedichte, amüsant und doch tiefsinnig.
3. Trans Tanz "Ich habe lange überlegt, jemanden mit auf Tournee zu nehmen, der besser Klavier spielt als ich..." sprich Wolfgang Dauner. Einer der ganz Großen in der Jazz-Szene. Unvergesslich für mich die "Piano-Duelle", die sich die Beiden geboten haben. Und eine Hommage an Dauner, das er mit dem ziemlich bekannten Stück "Trans Tanz" auf die CD kam. Es ist als reines Piano-Solo hier schon einfach genial, aber man kann erahnen, was für eine super Nummer dieses Lied mit Orchester ist.
4. Der Baum singt Ein Gedicht, die Einleitung zum nächsten Stück.
5. Der Baum I möcht Füaß ham zum Renna, an Mund ham zum Schrein, ned festgwurzelt sei, i möcht mi befrein. Ja, i war gern a Feuer, a Brandung, a Sturm und koa verseuchter, baumhoher Wurm. Es ist die Zeit der Startbahn West, es geht ums sinnlose abholzen. Dieses Lied ist mehr Gedicht als Lied. Mit einem ausdrucksstarken Refrain. Das Abholzen aus der Sicht eines Baumes. Eines meiner Lieblingslieder auf dieser CD.
6. Image Ein Stück, ohne Instrumente. A Capella. Der Text ist gut, das Stück selber, na ja, Mittelklasse ... keine schlechte Idee
7. Anna Des ist die Anna, ja die Anna ... die Anarchie J. Keiner ist so schön Revoluzzer wie Konstantin. Und keiner kann so schön darüber reden, schreiben oder singen. Flotte Nummer.
8. Brahmberg 3 Noch'n Gedicht ... .es geht um's Baumsterben .... Nein, nicht wirklich, es geht um einen Teil unserer Gesellschaft, das übertriebene "sich engagieren" für "jeden Mist" ... ohne wirklich auf das Thema einzugehen.
9. Vom Frieren Es ist das einzige Stück, bei dem mir so gar nichts zu einfällt. Es bewegt mich, aber ich finde nicht die Worte, es auszudrücken. Es hat was von der Abschieds-Stimmung, die Du bekommst, wenn Du deine Liebe für längere Zeit nicht sehen kannst, wenn ihr wisst, was ich meine....
10. Vierzigjährige unter sich Die Schreiberei von Konstantin hat auf dieser CD ziemlich stark Einzug gehalten. Und man fühlt sich so betroffen " ... er lässt die Champagner-Flasche freakig kreisen, dann stellt er sie zurück in den Eiskübel ... " man erkennt Parallelen und kommt ins Grübeln ...
11. Was passierte in den Jahren Ein wunderschönes Lied, das auf den Punkt bringt, was ich mir damals auch überlegte " ... meistens hast Du doch am Tresen das Geschick der Welt gelenkt ... " ... und mir wurde klar, dass sich vom Reden allein nichts ändert ... ich muss mein Leben in die Hand nehmen, aber nicht, um es fortzuwerfen....
12. Lang mi ned o Allein schon die Einleitung über den Gauweiler ist es wert, das Lied zu hören. Absolute Spitzenklasse auch die Piano-Improvisationen von Wecker-Dauner, wie schon erwähnt eines der genialen "Duelle" ...
CD 2 ======
1. Wenn der Sommer nicht mehr weit ist Ein Wecker-Klassiker, auf unzähligen Aufnahmen dabei. Ist das Lieblingslied meiner Frau und drückt das aus, was sie empfunden hat, als wir im endenden Winter zueinander fanden.
2. Über die Zärtlichkeit Ein Gedicht ...
3. Oma Diese Nummer führt uns die heutige Gesellschaft vor Augen und ist auch nach 14 Jahren sehr aktuell. Alte Menschen sind nix wert, gehören entsorgt. Aber der Bua leidet mit seiner Oma mit, kann ihr aber nicht helfen ... sehr traurig ...
4. Randi Altmeister Charlie Marianos unvergleichlich schönes Alt-Saxophon-Solo. Übergangslos aus Oma heraus denkt man, die beiden Stücke gehören zusammen. Es ist aber aus dem reichen Reportoire von Charlie Mariano. Dieses Solo habe ich auch zusammen Live mit meiner Frau gehört. Man muss einen Partner dabei haben, wenn Charlie Mariano sein "Zauber-Horn" sprechen lässt.
5. San Francisco Bay Habt ihr schon mal einen Bass gehört, der wie ein Banjo gespielt wird? Die Solo-Nummer von Colin Hodgkinson ist einzigartig! Ich könnt mich heut noch Ohrfeigen, dass ich diese Tournee verpasst hab.
6. Fangt mi wirklich koaner auf So habe ich mich nach dem Bruch gefühlt. Trauriges Lied. Aber ich sage Euch aus eigener Erfahrung, es gibt immer wieder einen neuen Tag, auch nach einer sehr langen Nacht!
7. Lass mi wieder falln Diese Stück artete bei der Tournee zu endlosen Jam-Sessions aus.
8. Inwendig warm Ein Klassiker, vom Zusammenrücken in stürmische Zeiten.
9. Zwischenräume Wieder ein Klassiker von 1974. Der Text ein typischer Ur-Wecker, musikalisch in neuem Gewand.
10. Weil du fort bist Ein Lied vom verlassen werden. Traurig ... traurig schön. Sie ist fort, sie beginnt ein neues Leben, ohne mich. Die riesige Entfernung zerdrückt die nochmals kurz aufkeimende Verbindung.
11. San koane Geign da Wurde gern bei Live-Auftritten für Solo-Nummern genutzt. Sonst ein nettes kleines Liedchen ;-)...
Fazit ====== Dies ist für meinen Geschmack die beste CD, die Konstantin Wecker je aufgenommen hat. Sie trifft voll meinen Geschmack, eine Mischung zwischen Jazz, Rock und Liedermacher.
Und Sie war für mich der Begleiter beim endgültigen Abschied von meiner französischen Liebe, der Abschied von meinem "umtriebigen Leben" und der Beginn der Liebe zu meiner heutigen Frau. Und natürlich der Wecker-Wieder-Einstieg nach den "dunklen Mitt-80ern", als sich Beka mehr in dunklen, verrauchten Diskotheken als an der frischen Luft aufhielt.
Konstantin – Der Wandel der 80er ============================
... Anfang der 80er verlässt Konstantin sein Stammland und gibt Konzerte in Holland und Skandinavien. Außerdem zieht es ihn in die Toskana. Dort errichtet er ein Tonstudio. Und er heiratet Carline Seiser. Er beginnt verstärkt zu Schreiben und Filmmusik zu komponieren, ohne jedoch seine Liedermacher-Tätigkeit zurück zu stellen. Viele "Berühmtheiten" aus den verschiedensten Bereichen kreuzen seinen Weg (Joan Baez, Hüsch, Wegener, Hillebrandt um nur mal ein paar zu nennen). 1984 eröffnet er die Kult-Kneipe "Kaffee Giesing" in München. Ein Musikstudio ist mit dabei. 1985 gibt er sein erstes Konzert in der DDR. 1986 wird eine neue Band um Wolfgang Dauner aufgebaut und (ich muss es einfach immer wieder sagen) es beginnt für mich die schönste Zeit. 1988 die wohl größte Tournee mit Joan Baez, Mercedes Sosa und dazu noch dem Modern String Quartet. Ende der 80er ist er auch ab und an in Film und Fernsehen zu sehen.
To be continued ....
Quellen ======== http://www.wecker.de
So, wieder ein Stück abgearbeitet. Aber wir haben noch ein gutes Stück vor uns.