... An diesem Tag hat David Gilmour seine erste Frau geheiratet, Ginger; das war vermutlich nach der Sitzung in den Abbey Road Studios, in den letzten Wochen eines langen halben Jahres, denn von Januar bis Juli 1975 wurde dort das Album "Wish you were here" eingespielt.
Irgendwann während der ... Bericht lesen
Ein Jahrhundertalbum der Pink Floyd. Keine ernsthafte Rocksammlung ist glücklich ohne diese Platte. Besetzung David Gilmour, guitar, vox / Roger Waters, bass, vox / Ni
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Erfahrungsbericht von dahmane über Wish You Were Here - Pink Floyd 03.05.2007
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
gut
Klangqualität:
gut
Langzeithörspaß:
wird nicht schnell langweilig
Pro:
siehe unten
Kontra:
eigentlich . . . nein, eigentlich nichts
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
I.
Womit fange ich an?
Vielleicht fange ich an mit dem 6. Juni 1975. An diesem Tag hat David Gilmour seine erste Frau geheiratet, Ginger; das war vermutlich nach der Sitzung in den Abbey Road Studios, in den letzten Wochen eines langen halben Jahres, denn von Januar bis Juli 1975 wurde dort das Album "Wish you were here" eingespielt. Irgendwann während der Aufnahmesitzung schlurfte, wird erzählt, ein fetter Mann herein, mit völlig kahl rasiertem Kopf, selbst die Augenbrauen waren verschwunden, und setzte sich irgendwo an den Rand. Nicht etwa still und unauffällig. Ständig sprang er auf, nur um sich wieder zu setzen, um wieder aufzuspringen. Er murmelte vor sich hin, er mahlte fortwährend mit den Zähnen. Als eine Passage immer wieder abgespielt wurde - es wird berichtet, es sei ein Teil aus "Shine On You Crazy Diamond" gewesen -, beschwerte er sich: Das hätte man ja jetzt wohl oft genug gehört, was das denn solle! Von einem harmlosen Penner hätte man nichts anderes erwartet. Jerry Shirley (Schlagzeuger von Humble Pie, ein paar Stunden später Trauzeuge von David und Ginger Gilmour) hielt ihn für einen Hare Krishna-Jünger; auch das war begreiflich. Nicht begreiflich aber war, daß dieser Penner Syd Barrett war, der Gründer der Gruppe und, unbestritten, ein Genie. Kein Wunder, daß Roger Waters in Tränen ausbrach, als ihm klar wurde, wer da vor sich hin murmelte und mit den Zähnen knirschte und ihnen sogar anbot, in einer rührend hilflosen Geste, er würde gerne helfen bei der Arbeit, wenn man ihn brauchen könnte. Danach, erklärte David Gilmour kurz vor Syd Barretts Tod im Jahre 2006, habe er ihn nie wieder gesehen.
Warum erzähle ich das?
Es ist eine rührende Geschichte, sicherlich. Syd Barrett war damals noch nicht dreißig Jahre alt, aber schon seit mehr als fünf Jahren abgetaucht. Sieben Jahre vor dieser Szene im Juni 1975 war er aus der Band ausgeschieden und endgültig durch David Gilmour ersetzt worden, der ihn eigentlich nur auf der Bühne hätte unterstützen sollen. Die Gründe für Syd Barretts Niedergang sind bis heute nicht wirklich geklärt. Sicherlich haben Drogen und durchfeierte Nächte dabei eine Rolle gespielt - ich werde darauf später noch einmal zurückkommen -, aber auch die Theorie David Gilmours ist nicht widerlegt. Syd Barrett, erklärte er in einem Interview, sei vermutlich Epileptiker gewesen, der durch die Lichteffekte während der Auftritte seiner Band (vor allem durch die stroboskopischen Lichter) möglicherweise hirnschädigende Anfälle erlitten habe. Wie auch immer - der dicke kahlrasierte Mann, der am 6. Juni 1975 in die Abbey Road Studios stapfte und mit traumwandlersicher Sicherheit das richtige Aufnahmestudio fand, in dem (sagt man) gerade an dem Song gearbeitet wurde, der ihm gewidmet ist, war sich selbst und seiner Musik längst entfremdet. (Sein letzter Auftritt im Radio war 1971 gewesen.) Es ist oft gesagt worden, Einsamkeit und Entfremdung seinen d i e zentralen Themen der Gruppe Pink Floyd gewesen. Es ist etwas daran, aber das hilft uns nicht weiter. Es ist genauso ein Etikett wie die Aussage, "Wish You Were Here" sei ein Konzeptalbum, wenn uns nicht erklärt wird, worin das Konzept eigentlich besteht. Solch einer Aussage kann jeder zustimmen - es gilt fast schon als Insiderwissen! -, aber schlauer ist er bei all dem wissenden Genicke auch nicht geworden.
Natürlich ist es ein Konzeptalbum!
Nicht so sehr der direkt wahrnehmbaren Besonderheiten wegen: die CD beginnt und endet mit einem lang ausgehaltenen Ton des Keyboards, was natürlich auf einer LP, die man einfach immer wieder umdrehen konnte, noch etwas sinniger war als auf einer CD. (Der Übergang von "Welcome To The Machine" zu "Have A Cigar", die jeweils das Ende der A-Seite bzw. den Beginn der B-Seite bildeten, ist da nicht ganz so sinnig.) Oder denken wir an den Sticker, der ursprünglich das (neutrale) Cover zieren sollte und der später wiederbelebt wurde, zwei Roboterhände beim Händedruck. Der Bezug zu "Welcome To The Machine" ist evident, aber kaum ein Rezensent weist auf den Hintergrund hin, drei farblich abgegrenzte Piktogramme, die die vier Elemente symbolisieren, Luft - Wasser - Erde - Feuer, und damit ein Symbol der ewigen Einheit der Natur, vor dem sich die metallischen Roboterhände sehr fremd, besonders fremd ausnehmen. Diese vier Elemente tauchen auch in den weiteren Bildern wieder auf; die CD gibt sie im Booklet wieder: Luft: eine nackte Frau im Gras, sorgsam verborgen hinter einem vorüberwehenden roten Tuch - Wasser: ein Mann, der (ohne zu spritzen) in den Mono Lake eintaucht - Land: ein Mann in klassischer englischer Businesskleidung (mit Bowler Hat), der in der Wüste die CD "Wish You Were Here" anbietet (später ersetzt durch einen jungen Schwimmer, der durch eine Sanddüne krault) - Feuer: zwei amerikanische Geschäftleute, einander mit Händedruck begrüßend, der rechte steht in Flammen. Ich komme auch darauf vielleicht noch zurück.
II.
So viele Worte für ein einfaches Album?
Aber sicher. Wer Pink Floyd ernst nimmt - und darauf hat die Gruppe alles Recht der Welt -, muß sich auch ernsthaft mit dem auseinandersetzen, was sie uns mitteilen will. Es geht, zumal in den Siebzigern, niemals einfach nur um Musik. Natürlich steht die Musik im Mittelpunkt; wenn die Jungs nicht wirklich gute Musik gemacht hätten, wäre dieses Album nicht mit solchem Erfolg neu aufgelegt worden. Das ist klar. Erstaunlich ist aber, daß nicht nur die Musik überlebt hat, sondern das ganze Konzept des Albums. Es berichtet von der Entfremdung des Künstlers, von ihrer eigenen Entfremdung und Einsamkeit und von der ihrer Gefährten, die irgendwann am Wegesrand zurückgeblieben und gestorben waren, wenn schon nicht wirklich, dann doch als ernstzunehmende Musiker. Wie Syd Barrett. Syd Barrett gehörte zu den Künstlern, die irgendwann nicht mehr angemessen vermitteln können, was sie empfinden, die aber - das ist das Schreckliche daran - dieses Manko nur in den lichten Momenten wahrnehmen; in anderen Phasen halten sie, was sie (oft nur in Gedanken) entwickeln, für geistvoll und komplex, so wie der geniale Mathematiker in "A Beautiful Mind" seine besessenen Gedankengebilde für genial hielt. Wenn wir einfachen Leute diese Genialität nicht mehr nachvollziehen können, ist der Künstler verloren, weil er nicht wirklich für sich selbst arbeitet, sondern er will wahrgenommen, er will angenommen werden, so wie der brennende Mann auf dem Cover, der durch den Händedruck mehr empfindet als Kommunikation: er will Kommunion mit uns, die wir nicht brennen, und - vielleicht - will er den Brand auf uns übertragen. Er bietet uns, wie die Gestalt in der Wüste, sein Werk aus abgerundete Vollkommenheit an, die alle Elemente miteinander verbindet und sie sogar mit dem seelenlosen Leben der Maschinen versöhnt - oder zu versöhnen scheint, denn wenn wir genau hinblicken, erkennen wir, daß der Künstler längst hohl ist. Er lebt nicht mehr in sich selbst. vielmehr: er lebt, aber wir nehmen ihn nicht mehr wahr.
Ach, ja?
Ja. Die andere Form der künstlerischen Entfremdung, die in diesem "Konzeptalbum" beschrieben wird, ist die des Künstlers inmitten der Vermittler seiner Kunst. Selbst wenn er überlebt und geistig gesund bleibt, läuft er Gefahr, in der mitleidlosen Maschinerie entweder des Plattenbetriebs oder der gesellschaftlichen Konventionen (und ihren Versuchungen) zu verkommen. Er mag immer noch aussehen wie ein Künstler und sich geben wie einer (und nicht wie ein fetter kahlrasierter Clochard), aber innerlich ist er längst entleert, äußerlich konform wie ein Geschäftsmann mit Melone und Koffer, und in Wirklichkeit ist es so, daß der korrumpierende Händedruck der Medienkonzerne, beginnend von der Hand, die sie erfaßt hat, seine Flamme nicht anfacht, sondern zum Erlöschen bringt. Der Mann, der dort vor den tristen Industriehallen steht, hat einmal lichterloh gebrannt. Jetzt funzelt er nur noch. Er ist kein Künstler mehr, sondern ein anerkannter Partner der Plattenindustrie, ein Künstlerdarsteller. Beide Interpretationen sind möglich. So führen die beiden bekanntesten Bilder des Albums beide Aspekte der künstlerischen Entfremdung ebenso zusammen wie die Songs. Das gilt auch für die anderen Bilder, die alle drei ein Element der Fremdheit in sich tragen; aber dazu sage ich nichts; sonst würde das hier noch ausufern.
Aber was ist nun mit "Wish You Here?"
Dieser Song faßt alles das, was ich gerade beschrieben habe, auf eine unnachahmliche Weise zusammen. Er ist eigentlich kein Liebeslied, auch wenn man ihn, selbstverständlich, so verstehen kann, sondern ein Lied von Sehnsucht und der Hoffnung auf die Überwindung von Entfremdung und Einsamkeit. Dieses Lied kostet die Gegensätze aus, die sich aus der zweiten Art der künstlerischen Entfremdung ergeben: das grüne Feld und die kalten Eisenbahnschienen aus Stahl; er thematisiert den alten Pakt mit dem Teufel, bei dem wir heiße Asche eintauschen für Bäume und kalte Behaglichkeit für Wandel und Weiterentwicklung. Es handelt aber auch von der Selbstentfremdung im Wahn, in dem wir eben nicht mehr Hölle und Himmel unterscheiden können und die Reinheit des blauen Himmels vom Schmerz in uns selbst - und in dem wir ein offenes Lächeln vielleicht als Schleier empfinden, hinter dem sich etwas anderes verbirgt. Schließlich und endlich schmuggeln Roger Waters und David Gilmour die vier Elemente in den Text ein: Hot air for cold breeze - swimming in a fish bowl - green field / trees - zweimal das Wort "hot". außerdem "hell" (und zweimal das Wort "cold"). Und alles das in einem ewigen Kreis, der um und um läuft wie eine Schallplatte: "Running over the same old ground. What have we found? The same old fears."
Soviel zum Konzept. Kommen wir also endlich zur Musik.
III.
Shine on You crazy Diamond
Wenn ich den Songtitel so schreibe, wird sofort klar, daß er - was natürlich auch mit den Äußerungen der Band selbst übereinstimmt - eine ehrende Erinnerung an Syd Barrett darstellt und zugleich - so genial geht es manchmal zu - eine ebenso subtile Referenz an die Beatles, deren Song "Lucy in the Sky, with Diamonds" angeblich auf einen LSD-Trip verweist, eine Droge mit der Syd Barrett gelegentlich experimentierte und die vielleicht die Symptome seiner Schübe verstärkt hat.¹ "Shine On You Crazy Diamond" ist 26 Minuten und 5 Sekunden lang. Der Song mit Texten von Roger Waters wurde für die Tour 1974 geschrieben und sollte ursprünglich auf einer Single veröffentlicht werden. Dafür war er aber zu lang. Also wurde er leicht überarbeitet und geteilt. Der erste Teil (Teile I bis V) ist dreizehneinhalb Minuten lang, der zweite Teil (Teile VI bis IX) zwölfeinhalb Minuten. Ich spare mir die Aufzählung der eingesetzten Instrumente. Wer will, kann das in der einschlägigen Literatur nachlesen oder auf verschiedenen Websites (einschließlich der unterschiedlichen Wikipedia-Seiten in verschiedenen Sprachen, derer ich mich auch bedient habe, um Unstimmigkeiten zu klären.) Für die Langspielplatte "Wish You Were Here" wurde die Aufteilung beibehalten - obwohl das technisch nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre. Die Teile eins und zwei dieses gewichtigen Songs bilden einen musikalischen und gedanklichen Rahmen oder, könnte man sagen, eine Schüssel, in der sich dann noch drei andere Songs befinden.
Teil eins also.
[I: 3:55] Ein lang ausgehaltener, langsam anschwellender Synthesizerakkord, der klingt wie von Streichern gespielt, dahinter eine Melodie auf einer synthetischen Trompete und das Spiel von Fingern auf den Rändern feuchter Weingläser, und dann improvisiert David Gilmour bedächtig über das Thema der Trompete, während der Streicherakkord einfach anhält und dabei sanft moduliert. [II: 6:28] Über den Streicherakkorden spiel David Gilmour ein prägnantes Thema aus vier Noten: B - f - G - e (im Hintergrund immer noch Finger auf fechten Glasrändern) auf seiner Gitarre. Nach der vierten Wiederholung startet Nick Mason endlich ein Schlagzeugsolo, bis sich eine differenzierte Auseinandersetzung zwischen Gitarre und Schlagzeug entwickelt. [III: 8:43] Dieser Dialog leitet über in ein ruhiges Minimoog-Solo und eine versponnene Improvisation der Gitarre (David Gilmour), und dann erst [IV: 11:10] singt Roger Waters los, seinen Appell an Syd Barrett, dessen Augen längst zu schwarzen Löchern geworden sind, die alles verschlingen, was sie sehen, aber nichts mehr hergeben. Es ist, natürlich, ein Appell der gesamten Band, deshalb singen David Gilmour und Richard Wright mit und ein paar Frauenstimmen runden die Harmonien ab. [V: 13:34] Ein sehr elegischer Abgesang. Zwei Gitarren proben ein obstinates Riff, Dick Parrys Tenorsaxophon klingt nach purer, reiner Verzweiflung (und nach ein klein wenig narzistischer Selbstgefälligkeit), und dann geht alles das unter in dem anschwellenden Gegrummel einer Maschine
Welcome To The Machine [7:31]
Dieses Gegrummel entwickelt sich zu einem stetigen Maschinenton, der durch andere, als typisch empfundene Maschinengeräusche akzentuiert wird; David Gilmour singt dazu, so hoch er eben singen kann (nur an einer Stelle, wo er es wirklich nicht mehr schaffte, haben sie ein bißchen mit der Geschwindigkeit der Bänder geschummelt). Eigentlich ist es ein einfaches Lied zur Gitarre, aber die Synthesizer sind so geschickt eingesetzt, daß der Song nicht nur immer intensiver wird, sondern auch immer bedrohlicher, und durch das wiegende Motiv und die obstinaten Wiederholungen etwas ungemein Lebendiges erhält, so, als würde der Künstler, der engagiert wurde, weil er einmal so rebellisch war und in seiner Rebellion so authentisch, von einem großen unbarmherzigen Wesen aufgespürt, gejagt und gefressen. Grandios. Der Rest ist Schweigen, das seelenlose Geheule einer Sirene, der seelenlose Lärm einer plappernden Menschenmenge. Was wiederum zwanglos überleitet zu
Have A Cigar [5:08]
Sicherlich der rockigste Song der CD. Das ist Absicht. Der Hintergrund wurde ja bereits eingeblendet: die seelenlos plappernde Menschenmasse der Medienkonzerne und ihrer Handlanger und Zutreiber. Dementsprechend läßt auch Waters' Songtext die üblichen Phrasen der Agenten und Studiobosse wirr durcheinander plappern, bis hin zu der berühmten Phrase: "Oh by the way, which one's Pink?" David Gilmour konnte sich hier richtig austoben in erratischen Solostücken auf seiner Gitarre und auf dem Keyboard, die dann später durch weitere Instrumente auf separaten Spuren (darunter ein elektrisches Klavier) ausgefüllt wurden. Aber singen wollte er nicht. Roger Waters konnte nicht. Zufällig nahm Roy Harper, ein Bekannter der Gruppe, gerade im Nachbarstudio eine eigene LP auf; so konnten sie ihn überreden, den Gesangspart zu übernehmen. Inhaltlich wie musikalisch hat das seine eigene Logik. Er singt ziemlich rauh, wie gegen den Strich gebürstet. Das paßt besser zu dem spontan klingenden Rock dieses Stücks, aber auch zu der Aussage, daß hier Fremde sprechen. Bei 4:51 reißt plötzlich das pulsierende Leben der Party ab und verwandelt sich binnen Sekunden in das unnatürliche Geräusch einer alten Schallplattenaufnahme, das knisternd aus einem Lautsprecher dringt, und das ist die ebenso zwanglose wie perfekte Überleitung zum Herzstück des Albums.
IV.
Wish You Were Here [5:40]
Das Knistern aus den alten Lautsprechern hält an. Jemand sucht nach einem Sender im Radio nach etwas, das ihm gefällt (dies alles nur im rechten Kanal), ein Hauch von Mozart, eine Unterhaltung zwischen Mann und Frau (mit leicht abfallender Tendenz), ein winziger Ausschnitt aus dem Finale der vierten Symphonie von Peter Tschaikowsky, dann ein Gitarrensolo - alles immer noch im rechten Kanal und überlagert von fast unhörbar leisen auf und abschwellenden Frequenzen wie auf einem Kurzwellensender). Das erste, was wir im linken Kanal hören, ist - in Sekunde 43 - einen Huster von David Gilmour. Kurz danach beginnt er auf seiner Gitarre das Stück im Radio nachzuspielen, tja, und schließlich singt er einfach los. Erst Text, zur Reprise einfach sinnlose Silben (Scat Singing).
Das Motiv, das dieses Stück prägt, ist sehr eingängig und tänzerisch. Kein Wunder, daß Rogers Waters von David Gilmours Geniestreich sofort zu einem Text inspiriert wurde. Aber warum gerade zu diesem? Ich glaube, es ist ganz einfach. Der Text spricht nicht nur von Einsamkeit und Entfremdung, sondern vielleicht noch mehr und noch dringender vom Verlust der Unschuld. Ich setze ihn (ausnahmsweise) einmal komplett hierher, damit sich auch der, der mit Pink Floyd wenig vertraut ist, ein Bild machen kann.
So, so you think you can tell Heaven from Hell, blue skies from pain. Can you tell a green field from a cold steel rail? A smile from a veil? Do you think you can tell?
And did they get you trade your heroes for ghosts? Hot ashes for trees? Hot air for a cool breeze? Cold comfort for change? And did you exchange a walk on part in the war for a lead role in a cage?
How I wish, how I wish you were here. We're just two lost souls swimming in a fish bowl, year after year, running over the same old ground. What have we found? The same old fears, wish you were here.
Die Gitarre, die da einsetzt und sich sehr schnell gegen das Radioprogramm behauptet, emanzipiert sich von den vorgefertigten Mustern; sie wird lebendig und entwickelt sehr schnell - das kann man im Song gut verfolgen - ein eigenes Leben. Damit verliert sie aber auch ihre Unschuld. Schon im Garten Eden lockte der Teufel Eva mit der Verheißung: Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und was böse ist. Das stimmte. Aber wissen, was wirklich böse ist, kann man nur, indem man etwas Böses tut, so wie das Eva im Garten Eden getan hat. Schlimmer noch. Wer den Himmel von der Hölle unterscheiden kann, kennt vielleicht die Hölle. Den Himmel muß er nicht kennen, um zu wissen, daß er in der Hölle ist. Es reicht, daß er sich danach sehnt. "Wish You Were Here" ist gerade darum einer der besten Songs, den Roger Waters je geschrieben hat. Wir sehen die in ihm liegende Wahrheit unmittelbar. Das kommt durch die Musik. Die sich emanzipierende Gitarre spielt sich einfach frei und dann drauflos, und David Gilmour singt, als säße er gerade am Lagerfeuer. So nimmt die Musik vorweg, was sich der Text wünscht - einen Zustand der Unschuld und der Reinheit, den wir uns ersehnen können, w e i l wir schon in der Hölle sind. Der Wunsch: Wish you were here… hat da natürlich etwas leicht Grimmiges. Wo ist "here"? Bei mir natürlich, denkt man sich. Klar. Im Himmel, unter blauem Himmel, auf grünem Feld, in einer Welt des Lächelns, das nichts verbirgt, sondern ganz bei sich selbst ist? Im Goldfischglas? Immer noch mit den gleichen alten Ängsten beschäftigt? Als Mitglied einer Band, die schon zu dieser Zeit auseinanderfiel - was übrigens Roger Waters weitaus früher und weitaus heftiger empfand als die anderen drei (weshalb er auch diesen Text so sehr mit Nostalgie erfüllte) -, oder als was? The answer - das wissen wir spätestens seit 1962 - is blowin' in the wind. In dem wir, so kurios ist die Welt, ganz von ferne die unglaubliche Geige von Stephane Grapelli hören…
Shine On You Crazy Diamond (Teil zwei)
[VI: 5:00] David Gilmour taucht aus dem heulenden Wind auf, mit seiner Baßgitarre, danach auch Roger Waters; er wird ein obstinates Riff spielen, aus dem sich dann mit Hilfe des Minimoog eine saubere motivische Arbeit (kanonartige Nachahmung, Oktavdoppelungen) entwickelt, bis plötzlich die Musik zurückkehrt zu den Motiven von Teil IV, einschließlich einer scheinbaren Verlangsamung - erreicht durch einen Wechsel des Metrums - zum [VII: 6:08] vokalen Abschnitt, in dem, wie in Teil IV die abschließende Strophe des Liedes gesungen wird. [VIII: 9:05] Roger Waters übernimmt den hohen Part auf seiner Gitarre, während David Gilmour deutlich tiefer gebrochene Akkorde extemporiert; dann spielt sich das Schlagzeug in den Vordergrund, so daß sich eine spannende Unterhaltung zu dritt entwickelt und daraus schließlich [IX: 12:31] ein Trauermarsch im 4/4-Takt (David Gilmour], der zuerst vom Schlagzeug bestritten wird und dann vom Synthesizer. Ob wirklich (etwa bei 12:07) ein paar Takte aus Syd Barretts "See Emily Play" (1967) zu hören sind, weiß ich nicht. Es würde aber passen. "See Emily Play" wurde im Mai 1967 aufgenommen. Syd Barrett hatte David Gilmour zur Aufnahmesitzung eingeladen, konnte sich aber - in einer gespenstischen Vorwegnahme der Szene im Juni 1975 - im Studio an nichts mehr erinnern und erkannte David Gilmour nicht einmal. "Damals erkannte ich zum ersten Mal, wie sehr sich Syd verändert hatte", erklärte dieser später.
V.
Was bleibt?
Montag morgen brachte - solche Zufälle gibt es - 3sat das Konzert, das David Gilmour 2002 in der Royal Festival Hall gegeben hat, mit einer sehr reduzierten Besetzung und ohne die grandiosen Bühneneffekte, mit denen Pink Floyd berühmt geworden war. Er beginnt das Konzert solo - mit "Shine On You Crazy Diamond", und dabei zeigt sich, wie viel er, ganz alleine mit seiner Gitarre, aus dem viertönigen Syd Barrett-Motiv machen kann. Überhaupt zeigt sich während dieses Konzertes - denn er spielt auch noch "Wish You Were Here" -, daß diese Lieder von Pink Floyd, selbst wenn man sie aller Spielereien beraubt (und für mich sind diese akustischen Effekte Spielereien genialer Teenies), immer noch sehr viel Substanz haben. Die kleine Besetzung, allerdings mit einem (elektronischen) Cello und einem kleinen Gospelchor, reduziert die Musik auf sich selbst, auf ihren inneren Gehalt. Und siehe da - es gibt da was. Ich selbst habe Pink Floyd erst vor wenigen Jahren kennengelernt und nicht, wie andere Jungs in meinem Alter, als ich selbst klein war. Da habe ich allenfalls Janacek gehört. Heute sind unsere Hörgewohnheiten vielleicht ein wenig anders als vor dreißig Jahren; da liegt uns der einsame David Gilmour vielleicht mehr als vier Langmähnen, die psychedelische Lasershows aufführen. Umso bemerkenswerter, als niemand das dieser CD anhört, wenn man einmal von den akustischen Spielereien absieht. Das alles wirkt erstaunlich geschlossen und schlüssig, bis heute. Und wohl auch noch morgen. Und doch behält "Wish You Were Here" auch einen besonderen Wert als ein kleiner Meilenstein auf dem langen Weg, den die Rockmusik in den letzten fünfzig Jahren zurückgelegt hat, und wie so oft im Leben vergessen wir sehr schnell die Leute, auf deren Schultern wir stehen.
¹ Aus Sicht von Pink Floyd 1975 war das nachvollziehbar. Tatsächlich stammt aber der Titel "Lucy in the Sky, with Diamonds" von Julian Lennon, John Lennons Sohn, der ein Gemälde so nannte, das er im Kindergarten gemalt hatte.
Pro: Das Alles und noch viel mehr. Kontra: produktiv, hier etwas zu erwähnen.
"Alles, was Töne von sich gibt und mit Schaltern verändert werden kann, ist ein Synthesizer. Ein Instrument, das du einschaltest und spielst, wie das Theremin, ist kein Synthesizer. Aber wenn du dies und das einstellen kannst, hier ein Patchkabel legen ...
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Pro: ein Meilenstein der Psychodelic Rock Szene, Für Fans ein Muss Kontra: Für nicht Fans sicher eine Enttäuschung, wenn sie sich auf Musik ala Stones oder Deep Purple gefreut haben.
Als ich vor einigen Wochen im Auto unterwegs war, kam ein Beitrag über Pink Floyd. Dieser brachte mich dazu mal in meiner Plattenkiste zu stöbern um in Erinnerungen zu schwelgen. Dabei stellte ich fest, dass mehrere Schallplatten fehlten. Darunter die L ...
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Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
sehr hilfreich
03.05.2007
*äähm* Bewertung für Wish You Were Here - Pink Floydvon
mama-von-paul
Pro: Zeitlos schön Kontra: Tja
Damals, weißt Du es noch? Eine meiner intensivsten "jugendlichen" Erinnerungen, neben ein paar Songs von den "Ärzten", "Cyndi Lauper", "The Cure" und "Midnight Oil". Jaja, schon klar, eine schräge Mischung. Aber so bin ich halt. Schräg. "Wish you were ...
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Pro: fantastische und zeitlose Musik, tolle Texte Kontra: nichts
Eher zufällig bemerkte ich, dass "wish you were here" von Pink Floyd aktuelles "Produkt der Woche" ist. Daher habe ich meinen (bereits 4 Jahre alten) Bericht nochmals leicht überarbeitet und stelle ihn erneut zur Diskussion, auch wenn ich weiß dass er an ...
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...PINK FLOYD: WISH YOU WERE HERE
2 CD Experience Edition
Meine Bewertung bezieht sich auf die Doppel CD Experience Edition des Pink Floyd Klassikers "Wish You Were Here" aus der Why Pink Floyd? Kampagne.
Das Digipack enthält zwei CDs. Die erste enthält "Wish You Were Here" in remastered. Der Sound ist kristallklar, es funkelt und leuchtet förmlich überall, was absolut zum Meisterwerk "Shine on You Crazy Diamond" passt. Herrliche Klangteppiche laden ein zum tiefen eintauchen und zum Träumen. Die Musik ist einfach wunderschöne und über alles erhaben. Zwar ist dies nicht mein Liebslingsalbum der Floyds, auf meiner All Time Favourite Liste steht es aber nichtsdestotrotz ganz weit oben.
Die Anschaffung lohnt sich neben dem gelungenen Remaster aber auch wegen der zweiten CD. Hier findet man "Shine On" als Live Version von 1974...
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...Hallo Zusammen,
es folgt wieder einmal ein Beitrag über ein Album welches bereits 1975 erschien und von einer Band produziert wurde welche leider der jüngeren Musikgeneration kein Begriff ist. Im besagten Jahr brachte Pink Floyd das mittlerweile schon fast legendäre Album " Wish You Were Here" heraus. Im Jahre 2000 wurde das Album nochmals als Ltd 25th - Version veröffentlicht.
Die Band:
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David Gilmour (Guitar & Vocals)
Roger Waters (Bass Guitar & Vocals)
Nick Mason ( Percussion-Drums)
Richard Wright (Keyboards)
Weitere Mitwirkende:
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Dick Parry (Saxophone on 'Shine On You Crazy Diamond')
Roy Harper (Vocals On 'Have A Cigar')
Venetta Fields/ Carlena Williams (Backing Vocals)
Die Trackliste:
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1. Shine on you crazy diamond (Part one)
2. Welcome to the machine
3. Have a...
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