Über sich:(18.01.2010) Keine Sorge, es gibt mich immer noch :-)
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Heute lernen wir ein neues Pärchen der Medienwelt kennen: neben Max und Moritz, Asterix und Obelix sowie Dick und Doof kann diese Reihe nun endlich um Mark und Dieter ergänzt werden! Da hat der alte, gern genannte „Poptitan“ Bohlen doch wieder tief in sein Repertoire aus Akkorden und Bässen gegriffen, ein paar Schnipsel herausgeholt und auf CD-Qualität getrimmt. Noch einen fetzigen Namen dazu, der zur Geschichte des Interpreten passt - und fertig ist der perfekte Sommerhit.
Das Rezept hierfür ist recht einfach und lädt zum Nachahmen ein. Jeder ist herzlich eingeladen, am heimischen PC ein entsprechendes Werk nachzubasteln. Man nehme:
1.) Einen Interpreten
Die Anforderungen an den Interpreten eines kurzweiligen Liedguts sind nicht allzu breit gefächert. Man benötigt einen jungen, dynamischen Interpreten mit durchschnittlicher bis guter Stimme. Dieser muss flippig und dauerpräsent durch die Medienlandschaft hüpfen und im deutschen Heile-Welt-Informationsprogramm namens RTL möglichst in jeder Sendung auftauchen. Es gilt Präsenz zu zeigen, vom Frühstücksfernsehen bis ins die Spätnachrichten. Das Risiko, dass gerade kein passender Interpret zur Hand wäre, ist äußerst gering. Schließlich werden Jahr für Jahr entsprechend medienkonforme Typen aus dem trüben Sumpf von Schulbands und Karaoke-Anhängern geangelt (neudeutsch „gecastet“). Dieses Vorzeigesymbol darf dann für einige Zeit auf dem heimischen Fernsehschirm den Hampelmann spielen – spätestens bis zur nächsten Staffel der Casting-Show. Mark Medlock ist nun diese auserwählt bedauernswerte Figur. Zugegeben, dass Mark Medlock in der Tat ein geschickt einzusetzendes Stimmorgan besitzt, soll an dieser Stelle nicht angezweifelt werden! Im Vergleich zu anderen Sängerinnen, Sängern oder Bands aus der Retorte entpuppte sich Mark Medlock als wahren Glücksgriff aus der Teletubbie-Kiste. Sein Sieg bei Deutschlands erfolgreichster Casting Show war verdient, und nun darf die Kasse kräftig klingeln – für alle Beteiligten. Bei „You can get it“ haucht Mark zu Beginn und in den Strophen fast soul- bis RnB-mäßig seine Stimme ins Mikrofon. Der Refrain sitzt ebenfalls, wird jedoch von den prägnant abgemischten Drums im Refrain leicht unterdrückt. Das Können von Mark Medlock wird an keiner Stelle des Liedes strapaziert
2.) Eine Melodie
Wie bereits eingangs erwähnt, griff der verhasst-verehrte
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Dieter Bohlen wieder einmal tief ins Schatzkästchen und holte den ein oder anderen Beat, ein paar Drums und eine eingängige Melodie heraus. Mit einer Prise Samba und Latino gewürzt und ein paar übriggebliebenen Styles zum Abschmecken geht die Musik direkt ins Ohr und verweilt dort, egal ob man sie wahrnehmen möchte oder auf Durchzug schaltet. Zwei bis drei Wiederholungen des Liedes und das morgendliche Summen unter der Dusche sitzt perfekt. Früher nannte man diesen Effekt völlig altmodischen einen „Ohrwurm“. Wissenschaftliche Untersuchungen haben in der Tat gezeigt, dass eine Melodie umso einprägsamer ist, je weniger an der Tonleiter und an Oktaven geschraubt wird. Dies ist bei „You can get it“ perfekt gelungen, das volle Spektrum der Tonleiter wird bei weitem nicht ausgeschöpft, sondern bewegt sich eher im Bereich von einfachen Akkorden. Die Praxis gibt der Wissenschaft recht, wahrscheinlich wird Dieter Bohlen als „Meister der Akkorde“ in den wissenschaftlichen Büchern Einzug halten. Man merke: eine eindringliche, für das Gehirn quasi aufdringliche Melodie mit einem dauerhaft belastenden Rhythmus ist eine wichtige Zutat auf dem Weg zum perfekten Sommerhit!
3.) Einen Text
Nun, diesen Teil der Bastelanleitung für einen Sommerhit könnte man bei „You can get it“ getrost überspringen. Der Vollständigkeit halber sei dieser Punkt jedoch erwähnt und soll nur als (warnendes) Beispiel dienen. Man benötigt für diesen Teil des Sommerhits ein englischsprachiges Wörterbuch, einen Zettel und einen Stift. Dann schreibt man sich einige zufällig ausgewählte Wörter aus dem Buch heraus, steckt sie in einen Topf, mischt ordentlich durch und zieht – ebenfalls per Zufall – einzelne Fragmente wieder heraus. Möchte man sich noch ein wenig Mühe machen, sucht man nicht allzu eifrig nach passenden Wörtern, die sich auf das Ende der ersten Textzeile reimen. Dem Motto „Reim’ dich oder ich fress’ dich“ darf gehuldigt werden, wie man an Kompositionen wie „name“ und „again“ unschwer erkennen kann. Von elementarer Bedeutung sind folgende drei goldene Grundregeln:
a.) man nehme englischsprachige Wörter, die bereits Grundschüler verstehen wie „love“, „fight“ etc. b.) die Anzahl der Wörter unterliegen einer unbestimmten Restriktion – weniger ist oftmals mehr! Lieber ein paar Refrains wiederholen als dem Publikum zuviel abzuverlangen! c.) sollte sich ein Gefühl der Leere einstellen, fügt man stilsicher ein „yeah“ oder ein „Oh“ ein – dies hilft immer, den Text auf die gewünschte Länge zu ziehen.
Zum Einstimmen und zum Aufzeigen eines Paradebeispiels einfacher Textbaustein-Kunst folgt nun der originale Liedtext:
*** nana nana nana nana nana nana nana nana Oh I / I always call your name / You're driving me insane again / Baby don’t let it end / Oh I / I wanna dry your tears / There are so many fears again / Baby don’t let it end / Baby don’t let it end
Oh you can get it / If you really try / You can run / But don’t hide / You can reach your heaven love / If you really fight / You can get it / If you really want / You can stop loving me / Baby if you don’t give up / You’re my destiny
Oh…yeah…
Oh I / wonder how I feel / You make my dreams so real again / Baby don’t let it end Oh I / I can’t stop loving you / See what love will do again / Baby don’t let it end / Baby don’t let it end
Oh you can get it / If you really try / You can run / But don’t hide / You can reach your heaven love / If you really fight / Oh you can get it / If you really want / You can stop loving me / Baby if you don’t give up / You’re my destiny
Oh you can get it / If you really try / You can get it / If you try / If you really fight / You can get it / If you really want / You can stop loving me / You’re my destiny / Oh…yeah…yeaha… ***
Wenn soweit alles verstanden wurde, kann man nahtlos an den vierten Punkt anknüpfen.
4.) Ein Überraschungseffekt
Herbert Grönemeyer überraschte uns zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bereits mit anfangs ungewöhnten Tönen, die (man erinnere sich an Punkt zwei) die Tonleiter rauf und runter hüpften. Der Grad an Aufmerksamkeit steigt hierdurch zwar an, widerspricht jedoch der Hypothese eines Ohrwurms. Ein Sänger, der ein lustiges Liedchen trällert und sich hierzu mehr oder minder rhythmisch bewegt, sollte für den Anfang genügen. Wenn man jedoch ein Poptitan ist und wenigstens Luftgitarre zu Vollplayback spielen kann, lässt man seinen Schützling nicht alleine in die große weite Welt. Nein, man stellt sich direkt neben ihn auf die Bühne, strahlt mit der Kraft eines Weißen Riesen und diversen dentalen Bleichungsmitteln mit der Sonne um die Wette und spielt ein bisschen an den Saiten seiner Gitarre. Bestenfalls geschieht dieses medienwirksame Spektakel zur besten Sendezeit und mit großer Ankündigung. Wetten, dass dies die Atmosphäre eines musikalisch umwehenden Sommerhits bei allen Zuschauern unterstreichen wird? Der Großteil der willigen Plattenkäufer und (il)legalen Musik-Downloader würde sich zu diesem Zeitpunkt wenigstens schon mal den Namen des Interpreten merken. Um auch den letzten Rest der bis zu diesem Zeitpunkt noch orientierten Zuschauer zu erreichen, greift man im letzten Refrain zwischen die Beine und gleichsam in die Vollen. Als erfahrener Produzent mit Bühnenpräsenz lässt man sich nicht lange bitten und drückt dem Song seine unvergleichliche, seit mindestens einem Vierteljahrhundert bewährte Note auf. Sollte tags darauf eine große deutsche Boulevard-Bildungs-Zeitung den Auftritt nicht unkommentiert verstreichen lassen, ist das Konzept geglückt! Im Big Business des Musikgeschäfts gibt es wohl nichts Schlimmeres, als in der großen Masse zu versinken und von der erhofften Aufmerksamkeit übersehen zu werden. Einem Dieter Bohlen passiert solch ein Missgeschick nur äußerst selten – im Zweifelsfall greift er zum Mikrofon, und die Worte aus seinem wandern in alle anderen Munde.
5.) Das Fazit
Wir haben heute gelernt, welchem Grundprinzip ein Sommerhit unterliegt. Es bedarf nur weniger Komponenten, um das Grundgerüst zu schmieden. Im Zweifelsfall wird ein Lied komponiert, das in richtiger Wiedergabe englischsprachig erscheint und in umgekehrter Wiedergabe mit annährend gleichem Sound als Version aus Usbekistan auf die Maxi-CD gebrannt werden kann. Wichtig ist nicht unbedingt das „was“, sondern das „wie“.
Ein Entrinnen scheint bereits kurz nach Veröffentlichung aussichtslos zu sein. Die Debüt-Single von Mark Medlock „Now or Never“ verkaufte sich bislang über 300.000 mal und erhielt Platinstatus. In den Downloadcharts ist „You can get it“ bereits in den Top 3 vertreten. „You can get it“ wird sicherlich in den kommenden Wochen im heimischen Radio, auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit und in manchen Einkaufszentren präsent sein.
Deutschland hat bereits frühzeitig ein füllendes Thema für das bevorstehende Sommerloch im Wert von unter drei Euro gefunden. Diese Single wird man lieben oder hassen oder neudeutsch umgemünzt: man wird sie legal oder illegal downloaden. Sicher ist eins jedoch jetzt schon: die Kassen der Musikindustrie werden klingeln, und zwar deutlich höher, als Dieter Bohlens Stimme jemals kommen wird…
Der Unterricht war Klasse. Ach Übrigens die Stelle "Wie bastel ich mir ein Sommerhit" ist eine Übung für Lyrik. Wenn man anfängt Gedichte zu schreiben, wird einem dies Methode gesagt. Scheint ja zu funktionieren wenn man sich den Dieter so anschaut. Wirklich toller Bericht. LG Mary
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Girls... - Smokie Pop - 1 - CD - Label: Ariola - Vertrieb: bmg Deutschland - Veröffentlicht am: 11. Juli 2005 - EAN: 828766965421 Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben.
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11.01.2008 14:18
Der Unterricht war Klasse. Ach Übrigens die Stelle "Wie bastel ich mir ein Sommerhit" ist eine Übung für Lyrik. Wenn man anfängt Gedichte zu schreiben, wird einem dies Methode gesagt. Scheint ja zu funktionieren wenn man sich den Dieter so anschaut. Wirklich toller Bericht. LG Mary
17.10.2007 20:22
Ich hab den Song noch nie gehört, aber Dein Bericht ist einfach allererste Sahne. Total witzig und trotzdem sehr informativ, Klasse!
02.08.2007 21:45
Äußerst treffsicher! Der Song ist sowas von besch*, dass ich jedes Mal einen Schreianfall kriege, wenn ich es höre.